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"Aircado": Airbus plant Supermarkt und Fitness-Studio

Hamburg Finkenwerder: Das geplante Airbus-Zentrum hat die Form eines Propellers.

Hamburg Finkenwerder: Das geplante Airbus-Zentrum hat die Form eines Propellers.

Foto: Ursula Groß / HA

Flugzeugbauer möchte ein Besucherzentrum samt Hotel, Supermarkt und Fitness-Studio errichten. Doch wie soll der Verkehr fließen?

Finkenwerder. Was da im Auftrag von Airbus vor dem Haupttor geplant ist, ist imposant: ein viergeschossiges Gebäude mit Flügeln, die den Rotorblättern eines Flugzeugpropellers nachempfunden sind. Im Lichthof des 17.000-Quadratmeter-Gebäudes wiederholt sich das Flugzeugthema durch Sonnenblenden, die wie die Lamellen eines Düsentriebwerks anmuten.

In dem Dienstleistungszentrum sollen Besucher begrüßt werden und übernachten können, soll ein Fitnessstudio für Mitarbeiter von Airbus und Partnerfirmen entstehen und sogar ein Supermarkt – launiger Name auf der Visualisierung: „Super Aircado“ - eröffnen. Vor allem von letzterem könnte auch der ansonsten infrastrukturarme Finkenwerder Westen davon profitieren.

Bezirkspolitiker fordern Verkehrskonzept für Airbus

Also alles super? Nicht, wenn man die Finkenwerder Stadtteilpolitiker fragt: Sie fordern ein Verkehrskonzept für die Airbus-Peripherie – nicht nur das Dienstleistungszentrum.

Da das Dienstleistungszentrum einen eigenen Bebauungsplan benötigt, den die Bezirksversammlung verabschieden müsste, haben sie hier ihren Hebel: Kein Verkehrskonzept – kein Bebauungsplan und damit kein Dienstleistungszentrum.

Hintergrund der Planungen für das Dienstleistungszentrum ist zum einen die zunehmende Beliebtheit des Airbus-Werkes bei Besuchern: 62.000 Teilnehmer von Auslieferungen und Werksführungen zählen die Flugzeugbauer derzeit jährlich.

Das jetzige Besucherzentrum am Haupttor ist kaum mehr als ein Souvenirladen mit Vordach und dem Andrang nicht mehr gewachsen.

Bis zu 120.000 Gäste jährlich

Mit dem geplanten Dienstleistungszentrum könnte Airbus bis zu 120.000 Gäste jährlich empfangen, ohne, dass es zu Konflikten mit dem Werkverkehr kommt. Fitnessstudio und Supermarkt sollen in Zeiten des Fachkräftemangels Anreiz für Mitarbeiter sein , sich bei Airbus oder Partnern zu bewerben.

Jetzt hat der Senat bei der Bürgerschaft die Zustimmung zum Verkauf bislang städtischer Flächen an den Investor „AirH Hamburg GmbH“ beantragt, der das Zentrum realisieren will. Kaufpreis: 2,5 Millionen Euro. Das entspricht dem Verkehrswert von 2016, als erstmals über das Grundstück verhandelt wurde.

Der jetzige Wert dürfte deutlich höher liegen. Deshalb muss die Bürgerschaft zustimmen,. Das Thema steht morgen auf der Tagesordnung des Wirtschaftsausschusses. Den Bebauungsplan müsste die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte genehmigen.

Bezirksversammlung wird nicht einfach zustimmen

Ralf Neubauer, Vorsitzender der Finkenwerder SPD, geht nicht davon aus, dass die Bezirksversammlung einfach zustimmt: „Die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte hat bereits 2018 einstimmig beschlossen, dass im Rahmen des Bebaungsplan-Verfahrens ein Verkehrsgutachten erstellt werden muss, das die zu erwartenden Belastungen untersucht“, sagt er. „Das erscheint angesichts der von Airbus selbst prognostizierten Verdoppelung der Besucherzahlen angemessen.“

Nach der Eröffnung der Ortsumgehung Finkenwerder im Dezember 2012 hatte die Verkehrsbelastung im Stadtteil zunächst abgenommen. In den vergangenen Jahren wurde er allerdings wieder stärker. Zum einen, weil der neue Kreisverkehr an der Steendiek-Kreuzung den Stau dort hat verschwinden lassen, zum anderen aber auch durch die vermehrte Ansiedlung von Airbus-Zulieferern und Dienstleistern auf der Rüschhalbinsel.

Finkenwerder benötigt eine bessere Busanbindung

„Wir sind offen für Vorschläge, wie diese Probleme angegangen werden können, aber sie müssen auch angegangen werden“, sagt Neubauer. „Wir haben bislang nicht zur Kenntnis genommen, dass damit begonnen wurde.“

Finkenwerder benötige eine bessere Busanbindung der Rüschhalbinsel und eine effizientere Steuerung der Airbus-Verkehre, so Neubauer.

Zuständig wäre die Wirtschaftsbehörde. Airbus selbst sieht sich hier nicht in der unmittelbaren Pflicht, Pläne zu erarbeiten, da der Konzern zwar der Nutznießer des Zentrums, aber nicht der eigentliche Bauherr ist. „Wir unterstützen aber gerne bei der Erarbeitung eines Verkehrskonzeptes für Finkenwerder“, sagt Pressesprecherin Susanne Terzi.