Demografie

Nur Bauland sorgt noch für Zuwachs im Landkreis Harburg

Alexander Stark ist Leiter der Stabsstelle Kreisentwicklung/Wirtschaftsförderung.

Alexander Stark ist Leiter der Stabsstelle Kreisentwicklung/Wirtschaftsförderung.

Foto: Rolf Zamponi

Studie: Wenn der Landkreis Harburg weiterhin Neubürger locken will, muss es ausreichend Grundstücke geben.

Winsen.  Wenn der Landkreis Harburg weiterhin ausreichend Bauland ausweist wird auch die Bevölkerung weiter wachsen, um rund 14.000 Menschen bis zum Jahr 2035. Das geht aus dem aktuellen Demografie-Gutachten für den Landkreis hervor, das der Leiter des Cima Institut für Regionalwirtschaft, Fabian Böttcher, jetzt im Kreis-Bauausschuss in Winsen vorgestellt hat. Das Gutachten wird im Zeitraum von zehn Jahren fortgeschrieben.

Deutlich macht die Untersuchung, die auf 87 Gebiete bis hinunter zu Ortsteilen ausgelegt war, aber auch den Einfluss von Zuwanderern aus anderen Regionen Deutschlands und aus dem Ausland. Denn ohne die Zuwanderung von Menschen – die allerdings schwierig abzuschätzen ist – würde die Zahl der Einwohner bis 2035 um 6,4 Prozent oder 16.027 zurückgehen.

Die Cima geht dabei davon aus, dass sich die Zuwanderung nach der Flüchtlingswelle weiter abschwächen wird. Ohne neues Bauland aber mit der Zuwanderung ergibt sich ein Plus um 2,3 Prozent oder 5924 neue Einwohner

Gute Nachricht: Landkreis wird beliebt bleiben

Insgesamt wird der Kreis als Wohnort beliebt bleiben. „Das ist im Vergleich zu anderen Kreisen in Niedersachsen eine gute Nachricht“, sagte Alexander Stark, der Leiter der Stabsstelle Kreisentwicklung/Wirtschaftsförderung. Allerdings verlassen gerade 25 bis 30 Jährige während ihrer Ausbildung und dem Studium die Region zumeist innerhalb Deutschlands.

Hier dürfte sich die Sogwirkung von Hamburg auswirken. Ins Ausland gehen dagegen eher ältere Menschen kurz vor oder im Ruhestand, zu denen auch ausländische Rückkehrer gehören dürften. 2018 haben vor allem die im Norden des Landkreises gelegenen Gemeinden bei den Einwohnerzahlen zugelegt.

Nach der Prognose werden in Zukunft vor allem Buchholz, Winsen und Neu Wulmstorf bei der Bevölkerungsentwicklung vorn liegen. Nach den Erkenntnissen der Cima wird in den beiden Städten und der Einheitsgemeinde die Bevölkerung frühestens von 2035 an wieder sinken. Dagegen steigen zwar in den anderen Gemeinden die Zahlen bis Mitte der 20er-Jahre noch an. Dann könnte es aber wieder bergab gehen. In Hollenstedt, Jesteburg oder Stelle könnte diese Phase schon von 2026 an beginnen.

60.000 Arbeitnehmer sind Pendler

Im Bau-Ausschuss, der die Studie zunächst zur Kenntnis nahm, rückte bei der Diskussion über die zukünftige Wachstumsstrategie auch die Zahl der Arbeitsplätze in den Vordergrund. Noch immer pendeln aus dem Kreis 60.000 Arbeitnehmer vor allem nach Hamburg und Lüneburg aus, aber nur 20.000 in den Kreis ein.

„Es wird damit darauf ankommen, attraktive Arbeitsplätze für Menschen zu schaffen, die jetzt keinen Job in ihrer Nähe finden. Für Einpendler sollten verstärkt Wohnungen angeboten werden“, sagte Stabsstellenleiter Stark. Die Wohnungsbaupolitik, für die der Landkreis mit vielen Gemeinden eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft gegründet hat, wird also neben der Infrastruktur weiter eine wichtige Rolle für die Entwicklung spielen.

Gruppe der Ruheständler wächst am meisten

Den größten Zuwachs macht die Studie in der Bevölkerungsgruppe zwischen 50 und 60 Jahren aus. Bis zum Jahr 2035 hochgerechnet ergibt sich daraus im Landkreis Harburg ein Plus um 26 Prozent oder 18.317 bei den Ruheständlern und um 22 Prozent oder 6484 bei den Hochbetagten, die 75 Jahre oder noch älter sind.

Bei den jüngeren Jahrgängen von der Ausbildungs- bis hin zur Phase, in der Familien gegründet werden, halten sich Zu- und Abwanderung im Landkreis in etwa die Waage. Bei den Grundschülern erwartet die Cima sogar ein Plus um elf Prozent oder 1010 Mädchen und Jungen.

Das neue Gutachten hatte die CDU beantragt. Die Verwaltung hatte es dann bei dem Cima-Institut in Hannover bestellt. Die Kosten liegen bei knapp 30.000 Euro.

Demografie

Die Bevölkerungswissenschaft (Demografie) ist eine Wissenschaft, die sich statistisch und theoretisch mit der Entwicklung von Bevölkerungen und ihren Strukturen befasst.


Ihre Daten bezieht die Demografie aus der Statistik, aus Stichproben, Befragungen und Volkszählungen. Zur Untersuchung der Bevölkerungsbewegung werden neben verschiedenen statistischen Kennziffern (Geburtenrate, zusammengefasste Fruchtbarkeitsziffer, Sterberate, Migrationsrate, Lebenserwartung usw.) auch grafische Darstellungen wie die Alterspyramide verwendet.