Gut reagiert

Bremer Straße: Baugerüst wird zum Schaufenster

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Geschäftsfrau Ursula Brozio dekoriert den Bauzaun vor ihrer Modeboutique Irina Store.

Geschäftsfrau Ursula Brozio dekoriert den Bauzaun vor ihrer Modeboutique Irina Store.

Foto: Jörg Riefenstahl

Historisches Gebäudein der Bremer Straße unter Planen – Geschäftsinhaberin macht aus der Not eine Tugend.

Harburg. Ein Baugerüst vor ihrer Mode-Boutique? Das geht ja gar nicht, dachte sich Ursula Brozio, Inhaberin vom Irina Store in der Bremer Straße 3 in Harburg. Seit das Gerüst ihren Laden verdeckt, verzeichnete sie zunächst Einbußen von 50 Prozent.

Daraufhin machte die findige Geschäftsfrau aus der Not eine Tugend: Sie schnappte sich kurzerhand eine Schaufensterpuppe, dekorierte sie mit einem hübschen Sommerkleid und stellte sie direkt neben das Baugerüst. Zusätzlich schmückte sie die triste Kulisse mit bunten Blusen aus ihrem Sortiment – so wurde das Baugerüst zum Schaufenster. Aber damit nicht genug. „Ich habe beim Bezirksamt beantragt, zusätzlich Kleiderständer auf die Straße stellen zu dürfen“, erzählt die Ladeninhaberin. „Nach einigem Hin- und Her bekam ich die Genehmigung.“

Warum steht das Baugerüst überhaupt vor ihrem Geschäft? „Die historische Fassade des Hauses wird komplett saniert. Wir wollen das Haus in den Originalzustand von 1901 versetzen. Mir liegt das Haus in der Bremer Straße sehr am Herzen“, sagt Hauseigentümer Karsten Schachne.

Sein Vater wohnte einst als Mieter im Hause. „Später hat er es den nach England ausgewanderten Nachkommen der jüdischen Familie abgekauft, der das Haus in der Bremer Straße ursprünglich einmal gehört hat“, sagt Schachne. Die jüdische Familie war im Konzentrationslager von den Nazis ermordet worden.

Die Sanierung soll bis November andauern. Ursula Brozio bleibt gelassen. Die Geschäftsfrau hat mehrfach bewiesen, dass sie sich nicht unterkriegen lässt: In den 1990er-Jahren war sie führend in Sachen Modeschmuck, der unter ihrer Marke „Irina“ in vielen großen Warenhäusern zu finden war. Doch dann lief es nicht mehr: Auf die weltweite Expansion ihres Unternehmens – mit zuletzt 185 Mitarbeitern – folgte im Jahr 2013 die Insolvenz.

„Wir mussten alles verkaufen. Unsere Wohnung auf Sylt, die Villa in Halstenbek, alles futsch“, erinnert sie sich. Heute ist Ursula Brozio schuldenfrei. „Die alten Harburger haben mir das Leben gerettet, vom Kopf her. Meine Kunden haben mich geerdet.“ Außerdem hat sie sich ein zweites Standbein aufgebaut: Mit ihrer Tochter Irina macht sie Modenschauen mit und für ältere Leute – heute in der Seniorenresidenz Buchholz (16 Uhr) und am 18. August auf dem Sommerfest im Tierheim Buchholz (11 bis 17 Uhr).

( JR )

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