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Schiff-Simulator: Große Frachter durch den Hafen steuern

Mystery-Games-Geschäftsführer Matthias Klindworth (v.l) und die beiden Simulator-Betreiber Michael Koschare und Christiane Vollmers am Simulator.

Mystery-Games-Geschäftsführer Matthias Klindworth (v.l) und die beiden Simulator-Betreiber Michael Koschare und Christiane Vollmers am Simulator.

Foto: Axel Tiedemann / AT

Wo die NSB-Reederei ihre Seeleute schult, können nun auch Besucher üben. Aus dem Schiffsimulator ist sogar ein Escape-Raum geworden.

Vor uns schiebt sich ein anderes großes Containerschiff die Elbe herunter, links ist das Burchhardkai-Terminal zu sehen, rechts gleiten die Strände von Neumühlen vorbei. Und urplötzlich streichen dichte Nebelschwaden über den Fluss.

Die Sicht ist jetzt gleich Null, schnell muss das Tempo herunter. Seegang kommt auch noch auf, der Boden auf der original nachgebauten Frachterbrücke scheint sogar zu schwanken, unwillkürlich will man sich festhalten – dabei ist das alles nur eine Simulation, um dem Besucher einmal zu zeigen, was das Gerät so kann.

Und es könnte noch mehr: „Wir würden jetzt auch noch mehr Wind und Strömung dazu spielen, dann wird es noch schwieriger“, sagt Michael Koschare im Halbdunkel der Szenerie, die auf einem gigantischen, runden Computerbildschirm wiedergegeben wird. Der Hollenstedter organisiert hier den großen Schiff-Simulator der Buxtehuder NSB-Reederei. Das Unternehmen betreibt eine der weltweit größten Containerschiff-Flotten und bildet normalweise in Buxtehude sein nautisches Personal für verschiedene Seegebiete aus.

Stresstest am Simulator beim Teambuilding

„Wir könnten jetzt auch mal auf Sydney schalten, an der Oper vorbei, ist auch nett“, sagt Koschare, der mit seiner Koschare GmbH eine Art Mieter von NSB ist. Eigentlich ist der gelernte Wirtschaftsredakteur und ehemalige Marine-Offizier auf Krisenmanagement für Unternehmen spezialisiert. Vor einigen Jahren konnte er die NSB-Leute überzeugen, dass man ein so faszinierendes technisches Gerät auch noch anders als nur für die Ausbildung nutzen könne.

An Tagen ohne Seeleute-Lehrgänge bietet der Kommunikationsprofi dort nun auch Teambuilding-Seminare für Unternehmen aller Branchen an: Stresstests am Simulator, wobei die Teilnehmer ein großes Schiff bewegen müssen.

Den Simulator können Teams und Einzelpersonen nutzen

Ein Teilnehmer übernimmt dann die Rolle des Kapitäns, ein anderer die des Rudergängers, alles funktioniert nur im Team. Aber auch Privatpersonen können für rund 150 Euro eine Simulator-Stunde buchen, um sich einmal auf großer Fahrt als Kapitän zu bewähren.

Simuliert zwar, aber mit faszinierendem Nahezu-Rundumblick auf 270 Grad und vielen technischen Raffinessen, die schnell das Gefühl von Realität geben. Und seit dem vergangenen Wochenende ist der Simulator nun auch ein sogenannter Escape-Raum. Diese Spielanlagen gibt es erst seit etwa 2011 in Deutschland und sie erleben derzeit einen regelrechten Boom.

Ursprünglich gab es solche Flucht-Spiele nur als Computerspiel, sie wurden dann aber erfolgreich in die analoge Welt übertragen. In Zusammenarbeit mit Koschare hat das Unternehmen Mystery-Games GmbH dazu ein Spiel für den Simulator entwickelt, das in der Szene ziemlich einmalig sein dürfte.

Mystery-Games betreibt Escape-Rooms in Bremen, Flensburg, im Channel-Tower in Harburg und nun auch in Buxtehude und ist nach eigenen Angaben einer der größten Anbieter dieser stark wachsenden Freizeit-Branche in Norddeutschland. Bei den Spielen geht es normalerweise darum, mit dem Lösen von Rätseln, geschicktem Kombinieren wie bei Detektivspielen und viel Teamgeist sich innerhalb einer vorgegebenen Zeit – meist eine Stunde – aus ungewöhnlichen Situationen zu befreien. Zum Beispiel aus einem nachgebauten Gefängnis: Rätsel geben dann beispielsweise Hinweise auf versteckte Gegenstände und die wiederum auf eine Zahlenkombination von einem Schloss.

Bei „Cruise Control“ muss das Schiff in den Hafen gelangen

Bei dem Schiffssimulator ist das etwas anderes: „Sonst haben wir ein Spiel entwickelt und dann einen Raum dazu gebaut, hier war das andersherum“, sagt Mystery-Games-Geschäftsführer Michael Klindworth. Die Spielidee ist schnell erzählt, „Cruise Control“ ist der Name des Spiels.

Immer geht es bei solchen Escape-Runden auch um Rollenspiele. Im Simulator werden die Teilnehmer zu Gewinnern eines Preisrätsels, die nun mit dem Kapitän die Brücke eines großen Containerschiffes besichtigen können. Der Kapitän, der ein echter NSB-Nautiker ist, erklärt den vermeintlichen Preisgewinnern, wie man ein Schiff steuert, das Radar interpretiert, wo die Maschinensignale zu geben sind. Diese „Besichtigung“ sei gleichzeitig so etwas wie eine Einweisung, sagt Klindworth.

Danach nimmt das Spiel Fahrt auf: Der Kapitän wird per Funk von der Brücke gerufen, die Teilnehmer bleiben zurück. Dann kommt plötzlich die Meldung, das Schiff sei überfallen worden, der Kapitän liege im Hospitalraum. Und es kommt per Funk der dringende Wunsch, jetzt doch das Schiff selbst an einen bestimmten Punkt im Hafen zu steuern, wo die Polizei eingreifen und die Brückenmannschaft mit einem Hubschrauber von Bord holen könne.

Die Spieler sind nun auf sich gestellt, es gibt wieder Rätsel und Hinweise, die zum Ziel führen sollen. Aus einem nicht sichtbaren Kontrollraum kann ein Nautiker dabei auch eingreifen: Vielleicht eine kleine Hilfe geben – oder ein paar Gemeinheiten einschalten. Nebel auf der Elbe zum Beispiel.