Harburg
Umweltbildung

Ein grüner Hof für die Grundschule Meckelfeld

Schulleiterin Andrea Salomon freut sich auf die Begrünung des Schulhofs. Vergangene Woche haben die Arbeiten am Pflaster begonnen.

Schulleiterin Andrea Salomon freut sich auf die Begrünung des Schulhofs. Vergangene Woche haben die Arbeiten am Pflaster begonnen.

Foto: Lena Thiele

Der trostlose Schulhof soll mit Pflanzen und Hochbeeten umgestaltet werden. Wünsche der Schüler fließen in die Planung ein.

Meckelfeld.  Ulrike Kruse kann den Blick kaum von dem Baum abwenden, wie er da steht er auf dem Schulhof der Grundschule Meckelfeld, ganz allein, zugepflastert und noch dazu an der Rinde beschädigt. „Der tut mir jetzt schon leid“, sagt die gelernte Gärtnerin und pädagogische Mitarbeiterin vom Umweltbildungszentrum (SCHUBZ) in Lüneburg. Sie hat den Auftrag, einen Plan zu erstellen: Mit welchen Pflanzen kann der Schulhof so umgestaltet werden, dass die Kinder sich hier wohler fühlen und bessere Möglichkeiten zum Spielen und Entdecken haben?

Deshalb steht sie an diesem Vormittag auf der etwas trostlosen Fläche, die in den Pausen von den Hauptschülern genutzt wurde, und plant die Umgestaltung zu einem naturnahen Spielbereich. Die Hauptschule ist ausgelaufen, für die Grundschüler war der gepflasterte Hof mit Basketballkorb und Lümmelbänken wenig geeignet. Hinzu kommt, dass mittlerweile ein Großteil der etwa 360 Grundschüler am Offenen Ganztag teilnehmen und sich somit längere Zeit auf dem Schulgelände aufhalten.

Nach den Sommerferien bepflanzen die Schüler den Hof

Nach einigem Hin und Her hat die Gemeinde die Umgestaltung des Schulhofes beschlossen, in der vergangenen Woche – pünktlich zu den Sommerferien – haben die Arbeiten begonnen. Zunächst werden die Pflastersteine entfernt, gesäubert und zum Teil wieder eingesetzt. An der Treppe zum Schuleingang wird eine barrierefreie Rampe gebaut. Zum Ende der Sommerferien soll alles soweit fertig sein, dass die dafür vorgesehenen Flächen in einer gemeinsamen Aktion von Schülern, Lehrern und Umweltpädagogen bepflanzt werden können.

„Wir wollen die Schüler beteiligen, damit es noch mehr ihr eigener Schulhof ist, den sie mitgestaltet haben und schön erhalten wollen“, sagt Schulleiterin Andrea Salomon. Sie hält einen Plan in den Händen, auf dem grüne Bereiche eingezeichnet sind. Es soll eine leicht hügelige Landschaft entstehen, mit begrünten Wällen.

Ulrike Kruse wirft einen Blick darauf, die Formgebung gefällt ihr. „So was Geschwungenes ist schön, ich mag das Quadratische nicht.“ Deshalb plädiert sie auch dafür, die Abgrenzung des Grünen Klassenzimmers, das in einer Ecke des Hofes auf einer neuen Terrasse entsteht, an einer Seite abzurunden.

In Hochbeeten sollen Blumen, Gemüse und Kräuter wachsen

An den übrigen Seiten werden drei Hochbeete aufgestellt, in denen Blühpflanzen, verschiedene Gemüsesorten und Kräuter wachsen sollen. Hochbeete seien einfach zu pflegen, betont die Gärtnerin. In Zukunft sollen sich die Grundschüler um die Beete kümmern, zum Beispiel in einer AG oder als Klassenprojekt, so die Idee der Schulleiterin. „Die Schüler sehen dann, wie man sät und die wachsenden Pflanzen pflegt, so dass man später ernten kann“, sagt Andrea Salomon. „Nur wenige Kinder haben einen Garten, in dem Gemüse wächst. Das erweitert ihren Horizont.“

Auch die Außenwand des 70er-Jahre-Baus, in dem heute die Mensa und Räume des offenen Ganztags untergebracht sind, will Ulrike Kruse leicht begrünen. „Ich würde eine Kletterpflanze an der Wand hochranken lassen, das macht optisch sehr viel her und ist nicht teuer“, sagt sie. Und weil sie die Bedenken der Schulträger kennt, schiebt sie hinterher: „Natürlich an einem Gerüst, nichts Festes an der Wand.“ Der Schulleiterin gefällt die Idee. „Das Gebäude ist so hässlich, es wäre gut, den Blick auf etwas Grünes zu lenken.“

Bienenfreundliche Ecken und Möglichkeiten zum Verstecken

Für die Flächen plant Ulrike Kruse kleine Sträucher und Stauden ein, außerdem schlägt sie Wildrosen und kleine bienenfreundliche Ecken vor. „Die Kinder sollen hier immer wieder Neues entdecken können.“ Genau das war auch einer der Wünsche, der im Vorfeld geäußert wurde. Sozialpädagoge Felix Buttler hatte die Ideen der Kollegen und Schüler zur Umgestaltung des Schulhofes gesammelt. „Die Kinder haben sich vor allem Bereiche zum Spielen und Verstecken gewünscht“, sagt er. In den Grünbereichen sollen deshalb schmale, mit Mulch ausgelegte Wege angelegt werden, auf denen die Kinder zwischen den Pflanzen herumlaufen können, ohne diese zu zerstören.

Die Bewegung im Grünen ist den Pädagogen besonders wichtig. Dafür gibt es an der Schule bereits einen verschönerten Hofbereich mit Klettergerüst und herumliegenden Baumstämmen. Die Grundschüler sollen nun weitere Möglichkeiten erhalten, neue Erfahrungen zu machen, die ihnen sonst nicht möglich wären. Außer dem ehemaligen Schulhof der Hauptschüler soll auch der kleine Grundschulhof – bisher eine ebene Pflasterfläche – mit Hochbeeten und einem schlank wachsenden Baum aufgewertet werden. „Meckelfeld hat nicht so viel Grün, wir wollen einen kleinen Beitrag leisten, um das zu verändern“, sagt Andrea Salomon. Auch säßen viele Kinder noch zu häufig zu Hause vor dem Bildschirm anstatt draußen zu spielen.

Ein Schwerpunkt der Bepflanzung, die durch die Niedersächsische Bingo-Umwelt-Stiftung gefördert wird, ist es, den Außenbereich bienenfreundlicher zu gestalten – unter anderem mit Lavendel, Blumen und Kräutern. Außerdem solle kleine Ecken mit Wildsträuchern entstehen, in denen die Schüler Insekten und Käfer beobachten können. Dies biete viele Möglichkeiten für pädagogische Projekte, sagt die Schulleiterin. „Die Schüler lernen etwas über den Wert und die Wichtigkeit von Insekten, und was passiert, wenn Insekten aussterben.“

Förderung durch die Bingo-Umwelt-Stiftung

Die Kosten für die bauliche Umgestaltung des Schulhofes betragen etwa 80.000 Euro, die die Gemeinde Seevetal für das Jahr 2019 in ihren Haushalt eingestellt hat. Wie sich vor Kurzem herausgestellt hat, ist die Oberflächenentwässerung aus den 1960er-Jahren marode und muss erneuert werden. Dafür werden weitere 50.000 Euro bereitgestellt.

Die Bepflanzung ist in diesen Kosten noch nicht enthalten, dies ermöglicht eine Förderung durch die Niedersächsische Bingo-Umwelt-Stiftung. Ortsbürgermeisterin Brigitte Somfleth, die im Kuratorium der Stiftung sitzt, hatte sich dafür eingesetzt. Nun stehen bis zu 10.000 Euro zur Verfügung, um Pflanzen für den Hof zu kaufen.

Die Kooperation mit dem SCHUBZ Lüneburg umfasst auch die gemeinsame Bepflanzung zu Schuljahresbeginn. Darüber hinaus bietet das Bildungszentrum zum Beispiel Pflanzenkoffer an, mit denen Lehrer Naturthemen anschaulich im Unterricht behandeln können.