Harburg
Meisterschaften

Die Stapler-Champions von der Veddel

Die Deutschen Meisterschaften in Aschaffenburg sind das Ziel der Eichholtz-Flurförderzeugführer.

Die Deutschen Meisterschaften in Aschaffenburg sind das Ziel der Eichholtz-Flurförderzeugführer.

Foto: Klaus Voit / Linde

Kirsten Biehn aus Winsen holte den norddeutschen Staplercup der Damen und gewann mit ihren Kollegen den Teamwettbewerb.

Veddel/Winsen.  „...und der Gabelstaplerfahrer mit der Stapelgabel prahlt..“, heißt es in einem der zwei Hits der Bochumer Satireband „Geier Sturzflug“. Flurförderzeugführerin – so heißt Staplerfahrer korrekt – Kirsten Biehn sowie ihre Kollegen Taner Hasan und Tobias Schlag von der Stauerei Eichholtz haben, ganz ohne Satire, allen Grund zum Prahlen. Als Norddeutsche lassen sie das aber sein. Kirsten Biehn wurde gerade zu Norddeutschlands bester Staplerfahrerin erklärt und zusammen mit ihren Kollegen gewann sie auch die Teamwertung bei den norddeutschen Regionalausscheidungen des „Deutschen Staplercups“ des Logistikhilfsmittelherstellers Linde.

Die Damenmeisterin und ihre Kollegen sind zuversichtlich, dass ihre Wertungspunkte ausreichen, sich für die deutschen Meisterschaften in Aschaffenburg zu qualifizieren. Bis zur endgültigen Gewissheit müssen aber noch die Ergebnisse einiger weiterer Regionalwettbewerbe abgewartet werden.

Seit fünf Jahren am Lenkrad eines Staplers

Kirsten Biehn sitzt erst seit fünf Jahren an Lenkrad, Hebeln und Pedalen eines Gabelstaplers. Dass die Winsenerin damals mit knapp unter 50 Jahren noch einmal den Beruf wechselte lag an zwei Umständen: Ihre Arbeit in einem Call-Center fand sie nicht befriedigend und ihr Mann Jörg, selbst Logistik-Profi, zog sie damit auf, dass sie abends oft erschöpft war. Sie solle doch einmal seinen Job machen. Kirsten Biehn nahm die Herausforderung an, ließ sich an der Hafenakademie schulen und wechselte den Beruf. Das hat sie bis heute nicht bereut. Zu der Herausforderung gehörte aber auch, dass ihr Jörg zumindest eine Zeit lang im Telefonmarketing arbeitet. „Das hat er aber bis heute nicht eingelöst“, sagt sie.

Die Regionalmeisterschaften fanden in Wilhelmsburg bei der Hamburger Linde-Vertretung „Jetschke Industriefahrzeuge“ statt. Theoretisch ist der Wettbewerb für jeden Fahrer aus Hamburg und Schleswig-Holstein zugänglich. Da die Linde-Vertretungen allerdings hauptsächlich ihre Kundenlisten für die Einladung nutzen, müssen Fahrer, deren Chefs andere Marken kaufen, sich selbst für den Termin bewerben.

Es gilt, einen Hindernisparcours zu durchfahren

Um Champion zu werden, muss man einen Hindernisparcours bewältigen, ohne dass Ladung oder Parcoursbegrenzung dabei in Bewegung geraten, und man muss diverse Geschicklichkeitsübungen mit Gabelstaplern absolvieren. Da ist – wie im echten Logistikerleben – Feingefühl gefragt. Eine der Übungen bestand zum Beispiel darin, dass auf die echte Lastgabel das Miniaturmodell eines Gabelstablers geklebt wurde, mit dem man eine etwa daumengroße Last sicher anheben und 30 Zentimeter weiter ebenso sicher wieder absetzen sollte. „Das Schwierigste dabei ist es, in dem kleinen Bereich zwischen Hubmast und Gabelaufhängung bis auf die Gabelspitze blicken zu können und dort den Ministapler und dessen Gabel genau zu erkennen“, sagt Kirsten Biehn.

Sensible Waren im Lagerhaus

Zwar gibt es einen Spielzeugstapler in den Bürofluren der Stauerei, der ist als Tretkurbelmodell allerdings deutlich größer, als das Wettbewerbsgerät. Zum Üben taugt er also nicht, „Die Übung erhalten unsere Mitarbeiter in der täglichen Arbeit und auf jährlichen Fortbildungen“, sagt Eichholtz-Geschäftsführer Jens Gellers. „Wir lagern traditionell hochwertige Waren für Lebensmittelhersteller und unsere Mitarbeiter teilen unsere Wertschätzung für die gelagerten Produkte, so dass sie sorgsam damit umgehen. Außerdem haben wir ein flexibles, mobiles Lagerregalsystem, das zusammenzusetzen sehr präzise Staplerarbeit erfordert.“

Für Fahrfehler gibt es keinen Raum

Zwar sind die Hallen von Eichholtz auf der Veddel gefühlt riesig, aber Raum für Fahrfehler lassen sie den Staplerfahrern nicht. Platz ist Geld in der Logistik, und zu verschenken hat man nichts. Würde ein Sack Paranusskerne mit der Gabel geritzt, oder mit einer anderen Last angeschoben und beschädigt, wäre dies gleich ein vierstelliger Versicherungsschaden – abgesehen davon, dass die Palette mit dem Sack einmal komplett neu gepackt werden müsste. Gut also, dass hier die Champions fahren.

Ziel sind die deutschen Meisterschaften

Tobias Schlag hat es schon einmal bis zu den deutschen Meisterschaften geschafft. 2018 qualifizierte der Neugrabener sich im Einzelwettbewerb der Männer. Dies Jahr verpasste er das Treppchen knapp mit einem vierten Platz. Dabei fuhr er gar nicht schlechter, als im Jahr zuvor, ein Beweis dafür, dass auch in der Flurförderzeugführerei, um es mit Berti Vogts auszudrücken „die Breite an der Spitze dichter“ wird.

Schlag, der bei Eichholtz gerade an die Aufgaben des Lagermeisters herangeführt wird, brennt darauf, wieder in Aschaffenburg an den Start zu dürfen: „Das ist ein Riesen-Event mitten auf dem Schlossplatz. Die ganze Stadt heißt die Teilnehmer willkommen und die Herausforderung macht Spaß“, sagt er.

Auch Taner Hasan, der dritte im besten norddeutschen Team, will unbedingt weiterkommen. „Ich freue mich riesig, dass wir den Regionalwettbewerb gewonnen haben“, sagt er, „und ich würde mich gerne weiter beweisen.“

Damen-Champion Kirsten Biehn hat als einzige der drei eine doppelte Chance auf ein Ticket nach Aschaffenburg. In ihrer späten Berufswahl bestätigt sie der Erfolg allemal: „Besser, als Call-Center ist das auf jeden Fall!“, sagt sie.