Harburg
Umbau

Elbinsel-Museum wird erweitert

Holger Blank (rechts), Leiter des Museums, sowie Museums-geschäftsführer Gerd Nitzsche planen schon die neuen Räume. 

Holger Blank (rechts), Leiter des Museums, sowie Museums-geschäftsführer Gerd Nitzsche planen schon die neuen Räume. 

Foto: Lars Hansen / xl

Denkmalschutzgerechter Umbau des Amtshauses in Kirchdorf kostet sieben Millionen Euro. Neuer Schwerpunkt: Die Sturmflut von 1962

Kirchdorf. Mit der anstehenden Gebäudesanierung wollen die Macher des „Museums der Elbinsel Wilhelmsburg“ auch das Ausstellungskonzept erneuern. Statt auf der Landwirtschaft soll der Schwerpunkt fortan auf Deichschutz und der Sturmflut von 1962 liegen.

Hochtrabend wird das Museum auch gerne mal das „Wilhelmsburger Schloss“ genannt, obwohl das Gebäudeensemble nie wirklich ein Prunkbau war. Tatsächlich war es ein Gutshof, von dem aus die örtlichen Adligen, die Familie Grote, ihre Ländereien verwaltete – bis die eigenen Bauern sie nach Neuhof verjagten. Später wurden auf den Grundmauern des Adelssitzes Büros und Dienstwohnung der hannoverschen Amtmänner errichtet. „Amtshaus“ ist deshalb auch eine gängige Bezeichnung für das Museum. Ein Heimatmuseum befindet sich hier seit 77 Jahren. Und so wirkt es bisher auch oft.

Frage, ob sich diese Katastrophe wiederholen könnte

Mit der anstehenden Erweiterung und Sanierung der Gebäude soll sich das ändern. „Wir wollen mit dem Ausstellungsschwerpunkt weg von den pferdegezogenen Pflügen und Eggen, hin zu einem Thema, das viele Wilhelmsburger viel stärker beschäftigt: Die Flut von 1962 und die Frage, ob sich diese Katastrophe wiederholen könnte“, sagt Holger Blank, Vorsitzender des Museumsvereins und ehrenamtlicher Leiter des Museums.

Im Westen der Insel entstanden Industrie, Hafenbecken und Mietwohnungen

Dass es in der Ausstellung viel landwirtschaftliches Gerät gibt, hängt mit der Gründung des Museums zusammen. Anfang des vorigen Jahrhunderts war Wilhelmsburg in einem radikalen Umbruch. Im Westen der Insel entstanden Industrie, Hafenbecken und Mietwohnungen, wo vorher Bauernhäuser standen. Es ist das Interieur der abgerissenen Katen, das der Wilhelmsburger Heimatverein ab 1907 zunächst im Wilhelmsburger Rathaus, dann im Wasserturm und ab 1942 im Amtshaus ausstellte und das immer noch den Grundstock der Sammlung bildet.

Seit die Wohnung frei wurde, plant das Museum die Erweiterung

Verschwinden werden diese Exponate nicht. Dass das Museum trotzdem einen neuen Schwerpunkt bekommt, wird möglich, da es wachsen wird. Bis vor einigen Jahren noch waren das Obergeschoss und das Nebengebäude des Amtshauses Wohnung und Arbeitsstätte eines Musiklehrers. Seit die Wohnung frei wurde, plant das Museum die Erweiterung. „Das ist wegen des Gebäudezustands allerdings mit hohen Kosten verbunden“, sagt Museumsgeschäftsführer Gerd Nitzsche.

Auflagen des Denkmalschutzamtes erhöhen die Kosten

Allein die Grundsanierung des Haupt- und Nebenhauses sowie die Herrichtung der Gebäude als zeitgemäße Ausstellungsräume wäre mit 3,6 Millionen Euro zu veranschlagen, so Nitzsche. Zusagen für diese Gelder hat der Verein mittlerweile in jahrelanger Lobbyarbeit zur Hälfte vom Bund, zur anderen Hälfte aus Mitteln der Stadt und von Stiftungen. Allerdings ist da noch der Denkmalschutz. „Einfach sanieren können wir das Gebäude nicht“, sagt Nitzsche. „Und die Auflagen des Denkmalschutzamtes erhöhen die Kosten auf fast sieben Millionen Euro.“

Museum wäre mindestens ein Jahr lang geschlossen

Dennoch sollen sich der Landesbetrieb Immobilien und Grundvermögen als formeller Eigentümer des Hauses, die Sprinkenhof AG als Verwalter und der Finanzsenator geeinigt haben, so dass im nächsten Jahr die Sanierung befinden könnte.

Ein kleiner Wermutstropfen für die Wilhelmsburger: Das Museum wäre mindestens ein Jahr lang geschlossen. Auch heiraten könnte man in dem als Trauzimmer zugelassenen und als solches sehr beliebten Amtshaus im nächsten Jahr nicht. Danach ziehen die landwirtschaftlichen Exponate sowie die Büros von Blank und Nitzsche ins Nebenhaus. In der Musiklehrerwohnung wird die Flutausstellung gezeigt. „Es wird interaktive Hörstationen geben, und auch einen Kinoraum“, sagt Blank. „Ein Raum wird nur dem Deichbau gewidmet sein. Ein Raum wird verschiedene Exponate aus den Tagen der Sturmflut beherbergen. Unter anderem bekommen wir vom Deutschen Wetterdienst das Telex, mit dem die Sturmwarnung abgeschickt wurde. Wir sind aber immer noch auf der Suche nach Ausstellungsstücken, die die Geschichte der Flut erzählen. Sehr gerne hätte ich ein Stück, das jetzt noch im Polizeimuseum ist: Ein Schlauchboot, mit dem damals mehrere Menschen gerettet wurden.“

Gedenkraum für 252 Opfer der Flut

252 Menschen hatten damals nicht gerettet werden können. Für sie wird es einen Gedenkraum geben, in dem gleichzeitig der Einsatz der Fluthelfer gewürdigt wird. 2022 jährt sich die Sturmflut zum 60. Mal. „Das ist Argument und Ansporn, jetzt in Gang zu kommen“, sagt Blank.