Harburg
Gesundheit

Kreis will künftig zweiten Notarzt einsetzen

Immer wenn Lebensgefahr für Unfallopfer besteht, werden die Notärzte gerufen. Die meisten Ärzte arbeiten bei der Kreis-Krankenhausgesellschaft.

Immer wenn Lebensgefahr für Unfallopfer besteht, werden die Notärzte gerufen. Die meisten Ärzte arbeiten bei der Kreis-Krankenhausgesellschaft.

Foto: JotO

Die Helfer sollen von den beiden Kreis-Krankenhäusern starten. Einigung mit Krankenkassen steht noch aus.

Kreis Harburg.  Der Landkreis Harburg will künftig Notärzte von zwei Wachen aus einsetzen. Sie sollen an die beiden Kreis-Krankenhäuser in Winsen und Buchholz angebunden werden. Derzeit ist die Wache noch in Lindhorst in der Gemeinde Seevetal eingerichtet. Von der Neuordnung verspricht sich Klaus-Jörg Bossow, Prokurist der Krankenhausgesellschaft des Landkreises, eine effektivere Versorgung bei Notfällen. Die Verhandlungen mit den gesetzlichen Krankenkassen und den Ersatzkassen laufen. Die Kassen sollen die zusätzlichen Kosten vor allem für zehn neue Stellen übernehmen. Ob noch 2019 oder bis zum Frühjahr 2020 eine Vereinbarung erzielt werden kann, ist derzeit offen. „Wir wollen möglichst rasch einen Abschluss schaffen“, sagt Bossow.

Die Arbeit als Notarzt gehört zu den Dienstaufgaben

Die Rettungswache Seevetal mit einem Notarztfahrzeug gibt es seit 1993, davor war sie in der ehemaligen Feuerwache in Hittfeld angesiedelt. Zu den Einsätzen sind jeweils ein Notarzt und ein Notfall-Sanitäter unterwegs, für den seit 2014 eine dreijährige Ausbildung verbindlich ist. Den Dienst versehen insgesamt 25 Notärzte, von denen die überwiegende Mehrzahl bei der Kreis-Krankenhausgesellschaft angestellt ist. Hauptsächlich sind Anästhesisten gefragt, weil sie auf die Atemwegssicherung und Beatmung spezialisiert sind. „Die Arbeit als Notarzt gehört dabei zu den Dienstaufgaben“, erklärt Bossow.

Die Bevölkerung nimmt zu, die Menschen werden älter

Hintergrund für die neuen Überlegungen ist zum einen die steigende Bevölkerung, die im Landkreis von 1990 an gerechnet um mehr als 50.000 auf gut 251.000 gewachsen ist. Dazu kommt das steigenden Durchschnittsalter der Menschen und ihre ebenfalls noch immer zunehmende Mobilität. Alles zusammen führt zu mehr Einsätzen der Retter. „Wir sehen einen deutlichen Mehrbedarf“, sagt Bossow.

Insgesamt waren es in der aktuellen Abrechnungsperiode bis zum 1. August vergangenen Jahres 5420 Einsätze. „Jedes Mal wenn der Disponent in der Einsatzzentrale des Landkreises in Winsen nach einem Alarm von Lebensgefahr ausgeht, werden die Notärzte gerufen“, sagt Arne Wächter-Meinel, der Abteilungsleiter des Rettungsdienstes des Landkreises, der selbst ausgebildeter Notfallsanitäter ist.

Bei 566 Einsätzen landete ein Hubschrauber

Doch von allen Einsätzen können die Notärzte derzeit nur rund 63 Prozent aus eigener Kraft schaffen. Bei 1986 Einsätzen kamen die Helfer allein 566 Mal per Hubschrauber, zudem aus den vier benachbarten Kreisen Stade, Lüneburg, Rotenburg und Heidekreis oder auch aus Geesthacht im Kreis Herzogtum Lauenburg. Allein 634 Mal waren Retter der Berufsfeuerwehr Hamburg vor Ort. Für die Kreise ist zwar nicht festgeschrieben, wie viele Einsätze die eigenen Organisation schaffen muss. Doch der Landkreis ist verpflichtet, die Strukturen für die Notarzt-Einsätze zu sichern.

Mit dem neuen Modell würden sich nun gleich mehrere Vorteile ergeben, sind Bossow und Wächter-Meinel sicher. Die Standorte der Krankenhäuser liegen so, dass ein Großteil des Kreises rasch zu erreichen ist. Seevetal wäre von beiden Seiten aus mit eigenen Kräften abgedeckt und damit voraussichtlich sogar besser versorgt als bisher. Die Ärzte können von vorhandenen Wachen aus abfahren. Sollte ein Helfer ausfallen, kann sofort auf einen anderen zurückgegriffen werden. Dazu kommt: Solange die Notärzte nicht gebraucht werden, können sie im Rahmen ihres Dienstes noch andere Tätigkeiten übernehmen. Insgesamt sind 5,4 Stellen für Rettungssanitäter und 4,5 für Ärzte vorgesehen.

Kreis muss den Plan für Rettungsdienste fortschreiben

Politisch muss der Landkreis jetzt darlegen, wie notwendig der zweite Standort ist und dazu die wirtschaftlichste, also kostengünstigste Lösung aufzeigen. Wird man sich mit den Kassen einig, muss der Rettungsdienst-Bedarfsplan fortgeschrieben werden. „Die nächste Fortschreibung ist derzeit für das erste Halbjahr 2020 vorgesehen“, sagt Ronald Oelkers, der Abteilungsleiter Ordnung und Zivilschutz beim Landkreis. Schließlich muss noch der Kreistag zustimmen. Oelkers geht davon aus, dass die Krankenkassen sämtliche Kosten übernehmen. „Dazu gehören Bau- und Betriebskosten für Rettungswachen, Personal, Fahrzeuge und Betriebskosten“, fasst er zusammen. Klar ist: Die Verhandlungen über die Kosten sind eben noch nicht abgeschlossen.

Die AOK Niedersachsen sieht Handlungsbedarf, um die Versorgung zu verbessern

Schon deshalb äußert sich die AOK Niedersachsen, die für die gesetzlichen Krankenkassen verhandelt, zurückhaltend. Die Kasse hat zunächst Daten vom Kreis zur Kenntnis genommen und bewertet. „Wir sehen durchaus Handlungsbedarf, um die Versorgung zu verbessern“, sagt Pressesprecherin Ulrike Serbent. Hierfür bestehe aber noch Abstimmungs- und Einigungsbedarf zwischen dem Kreis und den Kostenträgern.

Die Bereitstellung eines zweiten Notarzteinsatzfahrzeugs sei dabei eine Maximallösung. „Bei einem weiteren Notarzteinsatzfahrzeug wären jährlich Kosten in Höhe eines hohen sechsstelligen Betrages zu finanzieren“, ist Serbent sicher. Die Summe bezieht sich auf die Betriebskosten vor allem für Personal- und Sachaufwendungen. Kosten für Investitionen in Neubauten wären aber nicht enthalten.