Harburg
Wald oder Wildwuchs?

HPA und BUND streiten um Altenwerder West

Um 0,2 Quadratkilometer Gehölz in Altenwerder streiten sich Umweltschützer und Hafen.

Um 0,2 Quadratkilometer Gehölz in Altenwerder streiten sich Umweltschützer und Hafen.

Foto: Lars Hansen / xl

Die Hafenbehörde plant, den ungenutzten Teil der Vollhöfner Weiden für Logistikbetriebe zu entwickeln. Umweltverbände haben Klage eingereicht

Altenwerder.  Die Hafenbehörde Hamburg Port Authority (HPA) plant, den noch ungenutzten Teil der Vollhöfner Weiden in Altenwerder für Logistikbetriebe zu entwickeln. Umweltverbände protestieren heftig dagegen und haben Klage eingereicht. „Altenwerder West“ heißt das Projektgebiet bei der HPA, „Vollhöfner Wald“ nennen es die Umweltverbände und die Harburger Grünen.

Ein ehemaliges Spülfeld, das dann sich selbst überlassen wurde

Die Vollhöfner Weiden heißen etwa nicht wegen der Weichholzbäume so, die hier stehen. Ihren Namen tragen sie, seit ein früherer Grundbesitzer hier sein Nutzvieh grasen ließ. Das ist jedoch lange her. Mittlerweile sind die Vollhöfner Weiden Hafenerweiterungsgebiet – zum Teil schon als Gewerbegebiet für Hafenperipheriebetriebe genutzt, zum Teil ein ehemaliges Spülfeld, das dann sich selbst überlassen wurde.

Mittlerweile sind durch Selbstaussaat Bäume und Unterholz gewachsen

Dieser „Vollhöfner Wald“ ist ein 0,2 Quadratkilometer großer Streifen von etwa einem Kilometer Länge und maximal 200 Metern Breite südwestlich des bestehenden Gewerbegebiets. Auf dieser Fläche spülte das Amt für Strom- und Hafenbau, die Vorgängerbehörde der HPA, bis 1970 Hafenschlick auf. Danach ließ man die Fläche brach. Mittlerweile sind dort durch Selbstaussaat Bäume und Unterholz gewachsen. Hauptsächlich sind es Pioniergehölze, wie Pappeln, Ulmen und Weiden, die auf feuchten Böden gut gedeihen und helfen, diese zu entwässern. Das funktioniert unterschiedlich gut. An manchen Stellen sieht man noch Schilfhalme aus dem Unterholz ragen, ein Indikator dafür, dass der Untergrund hier noch sumpfig ist.

Hier leben Kleinspecht, Grauschnäpper und Gelbspötter

Hier leben seltene Vogelarten, wie der Kleinspecht, der Grauschnäpper oder der Gelbspötter, ein kleiner Singvogel der andere Vogelstimmen imitieren kann. Hier überwintert die Rauhautfledermaus und hier jagt die Wasserfledermaus. Ob alle diese Arten für ihr Überleben auf das Flurstück angewiesen sind – so gilt die Wasserfledermaus beispielsweise gar nicht als gefährdet – oder auch auf Ausgleichsflächen außerhalb Hamburgs ist zwischen Planern und Schützern umstritten.

Letztlich geht es auch nicht nur um dieses Stück. Für den Naturschutzbund NABU und den Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), die Klage gegen die Hafenplanungsverordnung eingereicht haben, sind die Vollhöfner Weiden unverzichtbarer Bestandteil eines Biotopverbundes zwischen Elbufer und Geest. Dieser Biotopverbund würde dem Wachstum des Hamburger Hafens enge Grenzen setzen. Die Hafenwirtschaft zweifelt seine Notwendigkeit daher an. Die Umweltverbände halten ihn für unbedingt notwendig. Eine unabhängige Bestätigung dafür haben sie nicht: „Die Funktion des Biotopverbundes beruht auf unserer fachlichen Einschätzung“, sagt Monika Bock, Geografin und Leiterin des Büros der „Arbeitsgemeinschaft Naturschutz Hamburg“ beim NABU. „Ausgleichsflächen in Niedersachsen, wie von der HPA vorgeschlagen, kommen nicht in Frage.“

Klage seit 2016 anhängig

Mit ihrer Klage gegen die Hafenplanungsverordnung wollen die Verbände auch das Rechtskonstrukt in Frage stellen, das der Hafenplanung in Hamburg übergeordnete Rechte gegenüber dem sonst gültigen Planungsrecht gewährt, so Bock.

Weil die Klage seit 2016 anhängig und das Verfahren seither in der Schwebe ist, will sich die HPA dazu nur knapp äußern: „Die Inanspruchnahme des Areals für Hafenzwecke folgt den Zielen des Hafenentwicklungsplans. Ferner ist die Entwicklung von Altenwerder-West im Koalitionsvertrag vorgesehen“, sagt HPA-Sprecherin Sinje Pangritz.