Harburg
Kultur und Sport in Lüneburg

Wie Klaus Hoppe Stars in die Arena locken will

Die Visualisierung zeigt, wie die Arena Lüneburger Land einmal aussehen soll.

Die Visualisierung zeigt, wie die Arena Lüneburger Land einmal aussehen soll.

Foto: Landkreis Lüneburg

Der Betreiber plant zwar schon für Veranstaltungen. Hoppe rechnet aber damit, dass er nicht vor dem Herbst 2020 starten kann.

Lüneburg.  Seit Jahren steht Klaus Hoppe in Lüneburg für Events und Kultur. Der 50-Jährige Kulturwissenschaftler, der einst zum Studium aus München in den Norden kam, hat die regionale Campus-Gruppe aufgebaut, ihre Aktivitäten von Studentenheimen, über Cafés, Copy-Shops und Carsharing bis hin zu Vamos-Kulturhalle und der Ritterakademie vorangebracht und sich nicht gescheut, den Betrieb der geplanten Arena Lüneburger Land zu übernehmen. Im zweiten Anlauf war er der einzige Bewerber. Noch heute ist er von seinem Engagement „vollkommen überzeugt. Wir wollen die Halle mit Energie an den Start bringen“, sagt Hoppe.

Hohes Interesse an Events in Hallen

Bei dem bisher größten Campus-Objekt jedoch muss er jetzt umdenken. Hoppe wollte schon im Frühjahr 2020 mit den ersten Kultur-Highlights starten. Doch nach Kostensteigerungen, Verzögerungen beim Bau und dem Einsatz einer neuen Projektleitung rechnet er nun damit, die Halle frühestens im Herbst übernehmen zu können.

Die Verzögerung tut weh. Das ändert aber nichts an Hoppes Einschätzung der Chancen, die die Halle bieten wird. „Wir beobachten, dass immer mehr Menschen gern Events unter einem Dach besuchen“, sagt er. Ein Trend, der sich in Hamburg besonders deutlich bei den Basketballern der Towers zeigt, deren Halle in Wilhelmsburg zuletzt stets ausverkauft war.

Firmen-Events, Abi-Bälle, Lifestyle- und Genuss-Märkte: alles wird möglich

Bei Campus in Lüneburg liegt das Augenmerk auf der Rittal-Arena in Wetzlar, die mit 4500 noch 1000 Plätze mehr bietet als die geplante Arena. So stieg in Mittelhessen die Zahl der Veranstaltungen von 2017 auf 2018 von 119 auf 139. Bei den Besuchern gab es ein Plus von 152.000 auf 196.000, wie das Fachmagazin Stadionwelt Inside berichtet. Firmen-Events, Präsentationen von Neuheiten vor ihrer Markteinführung, Galas, Abi-Bälle, Lifestyle- und Genuss-Märkte: Alles wird auch in der Arena möglich.

Landesweite Spielstätte für E-Gamer

Das ist die kulturelle Seite der Halle. Die sportliche betrifft vor allem die Volleyballer des Bundesligisten SVG Lüneburg, die derzeit noch auf die Halle in Reppenstedt angewiesen sind. Bei einer Kapazität von 800 Gästen platzt sie bei jedem Spiel aus allen Nähten. Noch dazu ist die Decke für den Bundesliga-Standard zu niedrig, so dass Bälle dort ins Aus springen. Für eine Hansestadt mit Ambitionen und die 1. Liga auf die Dauer nur noch peinlich.

Schließlich glaubt Hoppe in die E-Gamer-Szene einsteigen zu können. „Mit einem Partner könnten wir zur landesweiten Spielstätte werden.“

Jährlich sollen mehr als 140.000 Gäste zu rund 100 Veranstaltungen kommen

In einem internen Papier, das dem Abendblatt vorliegt, hat Hoppe nun – betont zurückhaltend – mögliche Veranstaltungen für ein Jahr einschließlich der Auslastung aufgeführt. Darunter sind 15 Volleyballspiele einschließlich Pokal und Play-Off-Partien, 22 unterschiedliche stark besuchte Kulturevents, zehn Märkte über acht Stunden sowie acht Abibälle, drei Tage Oktoberfest und einmal ein Treffen der Telenovela Rote Rosen. Insgesamt kommen so rund 100 Termine mit knapp 141.000 Besuchern zusammen. Wie gesagt, vorsichtig geschätzt.

Ohne Frage muss es vor allem, wenn mehr als 1000 Gäste an einem Abend erwartet werden, ein Verkehrskonzept geben. Denn das Baugelände an der Lüner Rennbahn liegt zwar direkt an der Autobahn A 39. Doch dort stehen nur gut 260 Parkplätze zur Verfügung. „Wir werden Flächen von Unternehmen in der Nähe anmieten und Shuttle-Busse buchen“, sagt Hoppe. Wer ein Ticket bucht, soll damit verbunden einen Stellplatz erhalten. Über die Bestellungen soll überdies geklärt werden, wo die Besucher herkommen, um so zentrale Abfahrtsplätze für die Abfahrten von Bussen anbieten zu können. Neben dem Bahnhof kommt als erste Reppenstedt in Frage, wo ein Kern der SVG-Fans eingesammelt werden soll. Lüneburg gilt zudem als Fahrradstadt. „Dafür stellen wir Stellplätze bereit“, verspricht der Campus-Chef.

Anschlussbeschäftigung für Campus-Mitarbeiter bricht weg

Allerdings ist nach seiner Einschätzung die Lage nach dem Wechsel in der Projektleitung nicht einfacher geworden. So ist jetzt beim Kreis Lüneburg der Leitende Kreisverwaltungsdirektor Hans-Richard Maul für den Bau und Kreisrätin Sigrid Vossers als Ansprechpartnerin für den Betrieb zuständig. „Bau und Betrieb müssten aber in einer Hand liegen, damit Voraussetzungen für die tägliche Arbeit berücksichtigt werden können und nicht teure Nachbesserungen nötig werden“, kritisiert Hoppe. Dazu kommt, dass mit den Verzögerungen entscheidende und damit sicher gut besuchte Spiele der SVG zum Ende der Saison 2019/20 nicht mehr für die Arena in Frage kommen.

Betroffen vom späteren Start sind auch die Mitglieder des festangestellten Event-Teams von Campus und die knapp 60 Helfer, denen im kommenden Jahr vorerst eine Anschlussbeschäftigung fehlt. Denn für die Vamos-Kulturhalle laufen die Verträge Ende 2019 aus.

Name der Arena soll vermarktet werden

Geplant war, die Mitarbeiter ohne Verzug in der Arena einzusetzen. „Weil ich mein Team nicht nur dort, sondern überall in der Gruppe einsetzen kann, muss es nur leicht aufgestockt werden. Daraus ergeben sich für Stadt und Landkreis Kostenvorteile“, erklärt Hoppe.

Nach Informationen des Abendblatts werden auf Stadt und Landkreis künftig jährlich Kosten im mittleren sechsstelligen Bereich zukommen. Dagegen rechnen können die Kommunen aber die Pacht von Campus. Die fällt fünfstellig aus und steigt über die Vertragsdauer von zehn Jahren an.

Hoppe möchte dabei den Namen der Arena gern zu seinen Gunsten vermarkten. Das dürfte jedoch vor allem durch die politische Diskussion über das Projekt derzeit schwierig sein. Immerhin hatte der Kreistag erst am 13. Mai grundsätzlich entschieden, den Bau überhaupt fortzusetzen und einen externen Projektsteurer einzusetzen. Für Hoppe schlichtweg „keine gute Situation.“

Insgesamt 25,8 Millionen Euro soll die Arena nun kosten. Drei Millionen davon hat der Landkreis als Sicherheit eingeplant. Zwölf Monate im Voraus soll Bauleiter Ulrich Jarke Bescheid geben, wann mit dem Abschluss der Arbeiten zu rechnen ist. Dann kann das Buchen beginnen. Voraussichtlich bei Künstlern und Bands aus der Region, die rasch reagieren können. In jedem Fall soll auch SVG-Manager Andreas Bahlburg benachrichtig werden. Mit ihm wollen Hoppe und Jarke dann gemeinsam feiern.