Harburg
Volksfest

Gilde tritt an zum Harburger Vogelschießen

Die Harburger Schützengilde präsentiert sich vor Beginn des Vogelschießens mit Holzvogel und Fahnen auf den Stufen zur ehemaligen Schwarzenberg-Kaserne, der heutigen Technischen Universität. Hinter dem Adler steht die scheidende Majestät Jörg Geffke, geschmückt mit der historischen Königskette.

Die Harburger Schützengilde präsentiert sich vor Beginn des Vogelschießens mit Holzvogel und Fahnen auf den Stufen zur ehemaligen Schwarzenberg-Kaserne, der heutigen Technischen Universität. Hinter dem Adler steht die scheidende Majestät Jörg Geffke, geschmückt mit der historischen Königskette.

Foto: martina berliner / Martina Berliner

Das Fest wird wieder auf dem Schwarzenberg gefeiert – Ausmarsch am Donnerstag – Fahnenjunkern wurde der Alkohol gestohlen.

Das Harburger Vogelschießen kehrt zurück auf den Schwarzenbergplatz. Nachdem die Gildeschützen in den vergangenen Jahren vor dem Rathaus feierten, stehen Festzelt, Bierausschank, Bratwurst- und Fischbrötchenstand, Süßigkeiten-Bude und Kinderkarussell nun wieder in Nachbarschaft zum Schießstand auf dem ehemaligen Exerzierplatz.

Die Rückverlagerung ist allerdings nicht Traditionsbewusstsein geschuldet, sondern vorübergehende Notwendigkeit. Solange auf dem Sand gebaut wird, steht der Rathausplatz als Veranstaltungsort nicht zur Verfügung. Denn dort findet zurzeit der Harburger Wochenmarkt statt.

Auf dem Rathausplatz ist derzeit Wochenmarkt

Obwohl der Festplatz wieder auf weitläufigem Terrain liegt, fallen die Feierlichkeiten zum Vogelschießen kurz und bescheiden aus. Vom Ausmarsch der Schützen bis zur Proklamation des neuen Gildekönigs werden gerade mal drei Tage vergehen. Am kommenden Donnerstag um 11.15 Uhr startet vor dem Rathaus der festliche Marsch der Harburger Traditionsschützen und ihrer Gäste. Für Musik sorgen die Spielmannszüge der Harburger Turnerschaft und des Schützenvereins Tötensen-Westerhof sowie das Blasorchester Seevetal. Nach einer Rundtour über den Harburger Ring und die Schwarzenbergstraße wird der Tross auf dem Festplatz eintreffen.

Veränderte Abläufe

Zum Spargelessen werden wieder 600 Gäste erwartet, darunter viele prominente Vertreter aus Wirtschaft und Politik. „Auch Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher hat zugesagt. Er wird die Festrede halten“, sagt Gildekönig Jörg Geffke stolz. Um die beim Essen gestarteten Gespräche nicht zu unterbrechen, die Festgemeinschaft nicht zu zerreißen, wird auf den einst obligatorischen Besuch der Denkmäler zu Ehren von Major von Bissing sowie der ehemaligen Harburger Bürgermeister Walter Dudek und August Grumbrecht verzichtet.

Neuer König wird frühzeitig ausgeschossen

Ebenfalls ein Novum bei der Gilde ist das frühzeitige Schießen auf den Vogel. Bereits am Freitagvormittag wird auf den Adler angelegt – freilich vorläufig nur auf jene Teile, die nicht über die Königswürde entscheiden. Wie gewohnt wird der Zapfenstreich zelebriert. Am 14. Juni um 20 Uhr beginnt vor dem Rathaus die stimmungsvolle Zeremonie mit Trommelwirbel und Fackelschein zu Ehren der scheidenden Gildemajestät. Zum anschließenden Kommers im Festzelt sind nicht nur Schützen, sondern auch zivile Gäste geladen.

Am Sonnabend, 15. Juni, wird die neue Majestät ermittelt. Ab 10 Uhr wird im Schießstand mit Gewehren auf den Holzvogel geschossen, bis zum Nachmittag sollte der letzte Span des Rumpfes gefallen sein. Die Proklamation des Gildekönigs ist für 19.30 Uhr geplant. Jörg Geffke ist sicher, dass es auch beim 491. Vogelschießen einen neuen Gildemonarchen geben wird, der am Kaiserbrunnen neben dem Gildehaus mit der historischen Königskette geschmückt und mit Salutschüssen aus Böllerpistolen begrüßt wird.

Zwar gäbe es noch keine erklärten Anwärter auf das Ehrenamt, sagt Geffke. „Aber ich habe ja meine zweite Regentschaft auch nicht geplant.“ Potenziellen Nachfolgern macht er Mut. „So ein Königsjahr macht Spaß, man lernt unglaublich viele Menschen kennen.“ Dann fügt er schmunzelnd hinzu: „Beim zweiten Mal ist es sogar noch schöner, weil wesentlich entspannter. Man weiß ja genau, was auf einen zukommt.“

Vereinsheim der Fahnenjunker aufgebrochen

Wenig Vorfreude auf das Vogelschießen empfinden derzeit die Fahnenjunker. Vergangene Woche ist in das Vereinsheim der Gilde-Nachwuchsabteilung eingebrochen worden. Gestohlen wurde Schnaps und auf einem an der Wand hängenden Bild des Models Heidi Klum fügten die Einbrecher unvorteilhafte Änderungen hinzu.

Kurz vor dem Vogelschießen war das ein Schlag ins Kontor. „Es fehlen 100 Flaschen“, sagt Schützengilden-Sprecher Nico Ehlers, selbst aktiver Fahnenjunker, „aber außer dem Schnaps wurde nichts entwendet.“ Am Montag war die Tür der kleinen Hütte neben dem Gilde-Heim noch intakt. Am Mittwoch fiel einem älteren Schützen die beschädigte Tür auf und er informierte die Fahnenjunker. Ein Gitter, das die Tür schützte, war aufgehebelt, die Tür eingetreten. Den Wert der Beute gaben die Fahnenjunker mit 500 Euro angeben.

Die Vorräte der Fahnenjunker sind wieder ergänzt

Das heißt jedoch nicht, dass in der Hütte Billig-Fusel stand: „Viele der Flaschen waren Gastgeschenke von anderen Vereinen oder andere Erinnerungsstücke von eher musealem Charakter“, sagt Ehlers „und über diese haben wir natürlich keine Kaufbelege. Mit Beleg nachweisen konnten wir nur die 500 Euro.“

Mittlerweile ist die Hütte wieder gesichert und auch die Bestände an Trainingsschnaps wurden dem Schützennachwuchs von alten Herren und jungen Gönnern mehr als aufgefüllt. „Aber die Erinnerungsstücke fehlen und etwas wütend sind wir über diesen Angriff natürlich auch“, sagt Ehlers. Mit dem Totengedenken, dem Aufstecken des Vogels und der Traditionsversammlung der Fahnenjunker hat das Vogelschießen gestern begonnen.