Der Heideröster

Er holt die Aromen aus der Kaffebohne

Heideröster Frank Prohl wiegt Bohnen

Heideröster Frank Prohl wiegt Bohnen

Foto: Lars Hansen / xl

Frank Prohl ist Kaffeeröster – der „Heideröster“ um genau zu sein. Sein Röstofen steht in Dierkshausen bei Asendorf.

Dierkshausen. Roh riecht Kaffee noch gar nicht nach Kaffee. Die blassgrünen Kerne der kirschenartigen Frucht riechen erdig, leicht gemüsig. Nur ganz schwach, im Hintergrund, vernimmt man ein oder zwei von den vielen Aromen, die sich gleich entfalten können – oder auch nicht, je nachdem, wie gut Frank „Franky“ Prohl seinen Job macht. Frank Prohl ist Kaffeeröster – der „Heideröster“. Sein Röstofen steht in Dierkshausen bei Asendorf.

Rund um den Röstofen steht die alte Dierkshausener Wassermühle. Darin befindet sich ein Café, in dem man einmal in der Woche Frankys Kaffee gleich vor Ort genießen kann. Ansonsten muss man ihn kaufen und mit nach Hause nehmen, beziehungsweise sich liefern lassen.

Zum Kaffeerösten braucht man Erfahrung und Talent.

Zum Kaffeerösten braucht man Erfahrung und Talent. An der Erfahrung arbeitet Franky noch, das Talent hat er auf alle Fälle. Das beweist der Inhalt der Tasse auf dem Holztisch. Ein Café Crema. Mild. Kleine Augen schillern ölig auf der Oberfläche.

Auf der Zunge und am Gaumen entfalten sich neben dem bekannten Kaffeegeschmack feine Frucht- und Blütenaromen. Bis zu 1000 verschiedene ätherische Öle verstecken sich in einer Kaffeebohne. Je nach Sorte und je nachdem, wie man sie röstet, entfalten sich andere. „Ich probiere noch viel herum“, sagt Frank Prohl. „Aber das macht den Beruf auch so spannend.“

Kaffeeröster ist Frank erst seit knapp einem Jahr.

Kaffeeröster ist Frank erst seit knapp einem Jahr. Zuvor war er Facharbeiter und Führungskraft in der Industrie. Dann gab es Entwicklungen in der Firma, die Frank Prohl veranlassten, darüber nachzudenken, mal was ganz anderes zu machen. „Für Kaffee habe ich mich schon immer begeistert“, sagt er. „Darum habe ich mich entschieden, Röster zu werden.“

Kaffeerösten kann man in der Industrie lernen. Dann ist man Lebensmitteltechnologe. Das ist ein ehrenwerter Beruf, hat mit Handwerk aber nur noch wenig zu tun. Oder man besucht Kurse, Seminare und Kongresse, fängt an, selbst zu rösten und ist irgendwann gut genug, dass man sich traut, seine Produkte den Mitmenschen anzubieten. Diesen Weg ging Frank Prohl.

Keiner missgönnt dem anderen etwas.

„Meine Kurse habe ich in Stendal gemacht, das war immer eine ganz schöne Fahrerei“, sagt er. „Und auch die ersten Röstungen habe ich dort gemacht, ich hatte ja noch keinen eigenen Ofen. Gewinn blieb bei den Reisen nicht über, aber natürlich habe ich an Erfahrung gewonnen.“

Auf die Dauer ist ein Arbeitsweg von 300 Kilometern aber etwas lang, wenn man gerade eine Familie gegründet hat, so wie Frank Prohl und seine Frau. „Dann haben mir andere Kleinröster aus Hamburg angeboten, dass ich bei ihnen rösten darf“, sagt der Heideröster. „Das ist das Tolle an der Rösterszene: Keiner missgönnt dem anderen etwas. Alle helfen sich gegenseitig“

Seit Januar hat Frank Prohl den eigenen Röstofen. Und er hat die Dierkshausener Wassermühle gepachtet. Ein Freund hatte in Vorbeifahren das Makler-Schild gesehen und sofort an seinen Kumpel Franky gedacht. Mit der Mühle kam auch ein komplett eingerichtetes Café „Ich hatte noch gar nicht geplant, ein eigenes Café einzurichten“, sagt Prohl, „ich will mich aufs Kaffeerösten konzentrieren.“

Deshalb ist das Café nur Sonntags geöffnet. „Aber mittlerweile rennen mir die Leute hier die Bude ein. Ich musste an einem Sonntag sogar Gäste wegschicken. Dabei ist noch gar nicht Saison.“

Wenn die Heidesaison demnächst so richtig losgeht, werden noch mehr Leute kommen: Der Heideshuttle hält direkt am Mühlenteich, die Strecke ist bei Motorradfahrern beliebt und Dierkshausen liegt auch auf Heidekutscherrouten. Frank Prohl sucht deshalb noch jemanden der oder die die Arbeit im Café macht. „Das ist nämlich nicht mal nebenbei erledigt“, sagt er. „Ich suche jemanden, der meine Kaffeeleidenschaft teilt und Gastro-Talent hat, einen oder eine Barista, zum Beispiel.“

Eigentlich sollte der Kaffee nach der Röstung noch ein bis zwei Wochen ruhen.

Auf dem Drehteller im Röstofen beginnen die Bohnen, zu knacken. Dies ist der Moment, in dem es anfängt, intensiv nach Kaffee zu riechen. Nussig und holzig diesmal. Frank Prohl ist schon ganz neugierig. „Ich probiere oft schon gleich nach dem Rösten“, sagt er. „Dabei verändert sich der Geschmack noch im Laufe der Zeit. Eigentlich sollte der Kaffee nach der Röstung noch ein bis zwei Wochen ruhen. Erst dann hat er sich völlig entfaltet. Aber vom Eintopf isst man ja auch am ersten Tag schon etwas, obwohl er erst am zweiten Tag so richtig gut schmeckt.“