Harburg
Harburg räumt auf

Precious Plastic bereitet Müll auf

John Cuypers (links) Evelina Dineva und Florian Lehmkuhl schrauben noch fleißig an den Maschinen, hier am Injektor.

John Cuypers (links) Evelina Dineva und Florian Lehmkuhl schrauben noch fleißig an den Maschinen, hier am Injektor.

Foto: Lars Hansen / xl

Während der Aktionswoche zeigt die Gruppe, wie sich Kunststoff mit einfachen Mitteln wieder in neue Formen verwandeln lässt.

Harburg. Die Boote sind etwas beiseite gerückt und haben Platz gemacht für eine Handvoll Menschen mit einer Mission. In der Halle von Bootsverleiher Michael Liebscher schrauben, löten und schweißen die Mitglieder von „Preciuous Plastic Hamburg“ an Recyclingmaschinen. Sie sind Teil eines internationalen Netzwerks, das nur ein Ziel kennt: Den Plastikmüll weltweit zu reduzieren. Die Hamburger Gruppe hat sich gerade eben erst gegründet, wird sich aber in der nächsten Woche schon gleich zweimal in der Praxis präsentieren: Im Rahmen der „Hamburg räumt auf“-Woche werden die Wiederverwertungsenthusiasten zum Einen fünf Tage an der Schule Grumbrechtstraße Präsenz zeigen und den Grundschülern die Grundzüge des Kunststoffrecyclings nahe bringen machen. Zum anderen sind sie am Final-Tag der Aufräumwoche im Audimax der Technischen Universität und zeigen ihre Arbeit.

Die Maschinen zum Recycling sind einfach zu bauen

Bis dahin müssen aber die Maschinen fertig sein: Vier verschiedene gehören zum Precious-Plastic-Konzept. Alle vier sind an diesem Tag zwar fast einsatzbereit, aber eben nur fast. John Cuypers passt gerade den Einfülltrichter am Injektor an. „Das schöne ist, dass man hier immer etwas neues lernt“, sagt der Grafiker aus Heimfeld. „Ich habe zum Beispiel gelernt, dass ich nicht gut schweißen kann.“

John Cuypers und seine Mitstreiter sind zwar Feuer und Flamme für ihr Projekt, aber mit dem Brenner umgehen können deshalb längst nicht alle von ihnen. Zum Glück ist Halleninhaber Michael Liebscher mittlerweile Teil des Teams und hilft mit solchen Dingen. „In den Erklärvideos sieht das Bauen der Maschinen immer ganz einfach aus“, sagt John Cuypers, „aber in Wirklichkeit muss man schon etwas Können mitbringen,“

Auch mobil lässt sich Kunststoff aufarbeiten

Die vier Maschinen, die das Grundgerüst des Konzepts bilden, sind ein Shredder, in dem Kunststoffabfälle zerkleinert werden, und drei Maschinen, die die Kunststoffchips zu Neuem formen: der Injektor, der Plastik erwärmt und mit hohem Druck in eine Form presst; der Extruder, der dünne Bänder aus dem Kunststoff formt, welche man in 3D-Druckern verwenden oder um eine Form wickeln und dann erneut erhitzen kann; und den Kompressor, in dem erhitztes Plastik langsam an eine Negativ-Form gedrückt wird. Alle vier Maschinen sind einfach aufgebaut, mit relativ wenig Aufwand herzustellen und passen zusammen in einen Container oder auf eine Kleinlaster-Ladefläche, so dass man mobil recyceln kann.

Der Niederländer Dave Hakkens, der diese Idee vor einigen Jahren hatte, stellte die Baupläne und die Idee dahinter kostenlos ins Internet. Mittlerweile gibt es auf der ganzen Welt Gruppen, die wie die Harburger.

„Das wichtigste ist, dass man vor dem Recycling auch Plastik noch einmal sortenrein trennen muss“, sagt Florian Lehmkuhl, Masterstudent für Produktentwicklung an der TUHH. „Das wird das erste sein, das wir mit den Grundschülern üben wollen.“

Es gibt schon eine Arbeitsgruppe an der TUHH

Dann soll aber auch gezeigt werden, dass aus dem Müll, den die Schüler in der „Hamburg-räumt-auf“-Woche gesammelt haben, etwas Neues entsteht. „So lernen die Schüler, dass Dinge, die sie sonst wegwerfen, tatsächlich einen Wert haben“, sagt Ewelina Dineva, promovierte Mathematikerin und Kognitionsforscherin. „Und dass sie eigentlich zu schade sind, um in der Müllverbrennungsanlage zu landen, wie der meiste Kunststoffabfall in Hamburg.“

Die Harburger Gruppe fand sich durch Zufall: Verschiedene Mitglieder hatten zwar schon von dem weltweiten Projekt gehört, kannten aber in Hamburg keine Mitstreiter. Dann erschien im Abendblatt ein Artikel über John Cuypers, der das alte Klohäuschen an der Bissingstraße gerne nutzen wollte, um eine Precious-Plastic-Gruppe aufzubauen und fast alle, die jetzt dabei sind, meldeten sich bei ihm. Mittlerweile ist Precious-Plastik sowohl eine studentische Arbeitsgruppe an der TUHH, als auch eine Arbeitsgemeinschaft im Kulturverein „Alles wird schön!“

An der TUHH wird die Gruppe am Sonnabend, 30. April nicht nur zeigen, was ihre Maschinen – dann hoffentlich – alles drauf haben. Es findet auch ein Sortier- und Recyclingwettbewerb für alle Besucher statt.