Harburg
Bei Kohleausstieg

Strohfeuer? Vattenfall will Moorburg mit Biomasse retten

Das Kohlekraftwerk Hamburg-Moorburg

Das Kohlekraftwerk Hamburg-Moorburg

Foto: dpa/Markus Scholz

Energiekonzern will Milliarden-Kraftwerk "bis zur letzten Phase laufen lassen". Nötigenfalls soll die Anlage anders befeuert werden.

Hamburg. Der schwedische Energiekonzern Vattenfall setzt im Fall eines Kohleausstiegs in Deutschland auf eine lange Restlaufzeit seines milliardenschweren Kohlekraftwerks in Hamburg-Moorburg.

"Moorburg sollte ganz klar bis zur letzten Phase laufen dürfen", sagte Vorstandschef Magnus Hall in einem am Freitag veröffentlichten Interview. "Die Anlage ist brandneu und sehr effizient." Vattenfall könne sich nötigenfalls auch vorstellen, das Kraftwerk anders zu befeuern, etwa mit Biomasse. Hierzu bräuchte der Konzern aber Unterstützung. Zur Biomasse zählt, was einmal lebendig gewachsen ist, etwa Holz, Stroh oder Grünabfälle.

Moorburg ist seit 2015 in Betrieb

Vattenfall hatte das Kraftwerk erst 2015 in Betrieb genommen. Die von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission trat am Freitag erneut zusammen, um über einen verbindlichen Fahrplan für den schrittweisen Ausstieg aus der Kohleverstromung zu beraten.

Wichtig sei, dass die Kohlekommission einen klaren Zeitrahmen für einen Ausstieg vorgebe, sagte Vattenfall-Chef Hall in dem Interview. Dies sei nötig, damit der Markt Investitionssicherheit habe. Für frühe Stilllegungen müsse es Entschädigungen geben. Dies haben auch die Konkurrenten RWE und Uniper gefordert.

Kraftwerk Moorburg kostete 2,8 Milliarden Euro

Ein frühes Aus von Moorburg würde Vattenfall hart treffen. Rund 2,8 Milliarden Euro hat das Kraftwerk die Schweden gekostet. Es deckt nach Konzernangaben etwa 80 Prozent des Hamburger Strombedarfs und ist mit 1,6 Gigawatt das größte Kraftwerk Norddeutschlands.

Neben dieser Anlage hat Vattenfall nur noch kleinere Kohlekraftwerke in Deutschland. Die Anlagen in Ostdeutschland und den dortigen Braunkohletagebau hatten sie an den tschechischen Versorger EPH und den Finanzinvestor PPF verkauft.

Dass es hier im Fall eines Kohleausstiegs noch nachträgliche Belastungen für sein Unternehmen geben könnte, schloss der Manager aus. "Wir sind aus dem Braunkohlegeschäft in Deutschland komplett raus." Sein Strom- und Gasgeschäft und das mit der Ladetechnik für Elektroautos will Vattenfall in Deutschland weiter ausbauen.

Vattenfall hat in Deutschland 3,6 Millionen Kunden

Die Schweden versorgen hierzulande mehr als 3,6 Millionen Kunden mit Strom und Gas. Insbesondere in Hamburg und Berlin ist der Konzern stark vertreten. Die Zahl der Elektroladepunkte ist in Deutschland mit gerade mal 110 noch ausbaufähig.

Konkurrenten wie Innogy oder EnBW. International kommt Vattenfall mit Partnern auf über 10.000 E-Ladepunkte. Das Geschäft könne der Konzern auch mit Zukäufen ausbauen, sagte Hall. Auch Partnerschaften mit Autokonzernen seien möglich.