Harburg
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Bremer Straße: Streit um Grünpflege

Sezer Kunduru und sein Vater Ali haben Ärger mit dem Bezirksamt.

Sezer Kunduru und sein Vater Ali haben Ärger mit dem Bezirksamt.

Foto: Lars Hansen / xl

Familie Kunduru beseitigt Wildwuchs – das passt dem Harburger Bezirksamt nicht, jetzt droht es mit Strafen.

Harburg.  Das Mehrfamilienhaus Bremer Straße 21 ist ein schmuckes Eckhaus. In einem augenfreundlichen Gelbton gestrichen signalisiert es schon nach außen die Behaglichkeit, die es innen bietet, zum Beispiel in der Wohnung von Hausbesitzer Ali Kunduru. Das Haus sah nicht immer so aus. Bevor Ali Kunduru es von seinen Lebensersparnissen kaufte und renovierte, war es grau und schmuddelig und an vielen Stellen überrankt. Ali Kunduru und sein Sohn Sezer haben sich um das Haus gekümmert.

Jetzt sind sie sauer auf das Bezirksamt, denn sie fühlen ihre Initiative nicht gewürdigt. Im Gegenteil: Im Streit um öffentliche Grünflächen, die direkt an das Haus grenzen, soll Familie Kunduru jetzt eine Strafe zahlen. „Jahrelang hat das Bezirksamt nichts gemacht“, schimpft Sezer Kunduru, „aber kaum kümmern wir uns darum, kommt der Ärger sofort per Post!“

Baumschädigung wird den Kundurus vorgeworfen. Und jetzt Denkmalfrevel. Dabei sind die Hausbesitzer sich keiner Schuld bewusst.

Kunduru wurde 2015 Hausbesitzer

Das Grundstück Bremer Straße 21 grenzt an zwei Seiten an den alten Friedhof. Hinter dem Haus ist der Hang des Friedhofshügels zum Hof hin mit einer Stützmauer und weiter links mit einer Garagenwand abgefangen. Direkt dahinter schließt sich eigentlich schon öffentliche Grünfläche an. Einen Zaun hat das Bezirksamt aber erst oben auf dem Hang gezogen. Auch auf der linken Hausseite grenzt das Grundstück direkt an eine öffentliche Grünfläche – theoretisch.

Praktisch ist es komplizierter. Einen Teil der Fläche der an das Haus der Kundurus grenzt, gibt es im Grundbuch nämlich gar nicht. Der Boden, auf dem sich das Kunstwerk „Niemandes Land“ von Piet Trantel befindet, wurde – als Teil des Schaffensprozesses – aus dem Grundbuch ausgetragen und existiert administrativ gar nicht. Das macht die Sache nicht einfacher.

Ali Kunduru kaufte das Haus Bremer Straße 21 im Jahr 2015. Er war Anfang der 1970er-Jahre nach Deutschland gekommen, hat bei der Phoenix angefangen und mehr als 40 Jahre hart gearbeitet, bescheiden gelebt und viel gespart. Und wie bei vielen seiner Landsleute wurde über die Jahrzehnte aus dem Plan, irgendwann als gemachter Mann in die Türkei zurückzuziehen, der Plan, sich hier etwas aufzubauen. So wurde Kunduru 2015 Hausbesitzer.

Wildwuchs drückte auf Stützmauer und Garagenwand

„Wir haben viel mehr in das Haus investiert, als nur den Kaufpreis“ sagt Sohn Sezer Kunduru. „Wir haben im Dachgeschoss zwei Wohnungen dazugebaut, haben die Fassade erneuert, alle Fenster ausgetauscht und eine neue Heizung einbauen lassen.“

Mit dem Bezirksamt lief zunächst alles gut. Den Wildwuchs, den die Kundurus von ihrer Wand entfernt hatten, holten Bauhofmitarbeiter zum Beispiel irgendwann ab. „Das Fachamt war ja direkt um die Ecke, da konnte man viel persönlich besprechen“, sagt Sezer Kunduru. Dann gab es einen Personalwechsel. „Es wurde schwieriger“, sagt Sezer Kunduru.

Die Schwierigkeiten begannen, als die Kundurus das Bezirksamt aufforderten, den Hang hinter dem Haus zu pflegen und auszulichten. Die Wurzeln von Bäumen und Sträuchern, die dort in Selbstaussaat gewachsen waren, drückten auf die Stützmauer und die Garagenwand. „Nachdem monatelang nichts geschehen ist, haben wir den Hang selbst gemacht“, sagt Sezer Kunduru.

„Einige große Bäume haben wir stehen gelassen. Aber eine Robinienwurzel, die die Garagenwand schädigte, haben wir gekappt. Da ging der Ärger los! Angeblich hätten wir den Baum geschädigt. Aber dem Baum geht es gut. Er hat noch viele andere Wurzeln.“

Denkmal "Niemandes Land" soll nicht verändert werden

Als Ali Kunduru die Lichtschächte der Kellerfenster auf der linken erneuern wollte, wollte er, dass der Bezirk den Wildwuchs dort entfernt. Wiederum passierte lange nichts. Dann legte Kunduru selbst Hand an und rupfte das Gestrüpp heraus. Auch im Bereich des Denkmals „Niemandes Land“.

An dem soll eigentlich nichts verändert werden. Als bekannt wurde, dass das Bezirksamt die Fläche, die eigentlich seit den 1990er-Jahren komplett der Natur überlassen werden sollte, regelmäßig begärtnert hatte, hatte es vor zwei Jahren einen kleinen Aufschrei in Harburg gegeben. Wahrscheinlich reagierte das Bezirksamt deshalb so empfindlich: Die Kundurus sollen jetzt 500 Euro Strafe zahlen, sie hätten das Kunstwerk beschädigt.

„Herr Kunduru hätte eine Sondergenehmigung beantragen müssen, dann wäre wohl alles in Ordnung gewesen“, sagt Bezirksamts-Pressesprecher Dennis Imhäuser. „Woher können wir das wissen“, entgegnet Sezer Kunduru. „Das hat uns im Bezirksamt niemand gesagt!“ Künstler Piet Trantel sah die Debatte um „Niemandes Land“ schon vor zwei Jahren gelassen. „Teil des Konzeptes ist ja, dass dort alles mögliche passiert“, hatte er gesagt, „es soll nur nichts Geplantes sein.“