Harburg
Personalmangel

Verwaltungen suchen Mitarbeiter

Bernhard Frosdorfer, Sprecher Landkreis Harburg

Bernhard Frosdorfer, Sprecher Landkreis Harburg

Foto: LK Harburg / HA

Landkreis muss binnen zehn Jahren ein Viertel des Personals ersetzen. Gemeinden finden kaum noch motivierten Nachwuchs.

Winsen.  Die Folgen des demografischen Wandels bekommen auch die öffentlichen Verwaltungen im Landkreis Harburg zunehmend zu spüren. Allein die Landkreisverwaltung in Winsen muss innerhalb der nächsten zehn Jahre mit 241 fast ein Viertel ihrer momentan insgesamt 1050 Mitarbeiter altersbedingt ersetzen. „Keine Frage, da vollzieht sich ein gewaltiger Generationswechsel“, sagt Kreissprecher Bernhard Frosdorfer.

Momentan geben sich die Personalplaner im Kreishaus am Schloßplatz aber noch gelassen. „Aktuell gibt es zwar acht offene Stellen. Doch zum einen gehen im Verlaufe dieses Jahres nur zwei Mitarbeiter in den Ruhestand. Zum anderen sind wir gut gewappnet, weil wir permanent selbst ausbilden“, erklärt Frosdorfer. Deshalb gelinge es relativ reibungslos, geeignete Verwaltungsangestellte und Beamtenanwärter zu finden.

Das allerdings gelte bei weitem nicht für alle Fachbereiche. Schwierig gestalte sich vor allem die Suche nach Ingenieuren, Architekten, Sozialarbeitern oder Technikern. Das bestätigt auch Winsens Stadtsprecher Theo Peters: „Offene Stellen für Bauingenieure zu besetzen, ist schon eine besondere Herausforderung.“

Gerade in technischen Berufen machen sich die Konkurrenz der freien Wirtschaft und der längst bestehende Fachkräftemangel bemerkbar. Davon sind auch die Verwaltungen der Städte und Kommunen in immer stärkerem Maße betroffen, wie auch aus den Rathäusern in Neu Wulmstorf, Jesteburg und Buchholz zu hören ist.

Schwierig wird es bei Spezialisten aus dem IT-Bereich

„In der Regel haben wir es geschafft, ohne allzu lange Vakanzen frei werdende Stellen neu zu besetzen“, sagt Heinrich Helms, Stadtsprecher in Buchholz. Das gelte aber nicht für Spezialisten aus dem IT-Bereich: „Nicht nur, dass es hier deutlich weniger Bewerber gibt als früher. Wir müssen deshalb auch Ausschreibungen wiederholen. Der Auswahlprozess ist dadurch schwieriger geworden.“

Leichter dürfte die Situation angesichts des anhaltenden Booms in den digitalen Geschäftsfeldern künftig kaum werden. Zumal in Buchholz innerhalb der nächsten zehn Jahre etwa 100 der aktuell 340 Mitarbeiter in Rente gehen werden. Das sind knapp 30 Prozent.

Unterdessen fällt es in kleineren Gemeinden offenbar auch schwerer, Mitarbeiter des gehobenen Dienstes zu finden. „Da fehlt es immer öfter an der Bereitschaft, auch in den Abendstunden an den Sitzungen, etwa des Gemeinderates und seiner Ausschüsse teilzunehmen“, sagt Hans-Heinrich Höper, Bürgermeister der Samtgemeinde Jesteburg.

Überhaupt würden die Anforderungen selbst an kleine Gemeindeverwaltungen mit jedem Jahr steigen. Nicht nur wegen der Umsetzung europäischer und nationaler Richtlinien. Auch durch eine ständig steigende Zahl an Beratungsvorlagen und Protokollen für kommunalpolitische Sitzungen sowie Stellungnahmen zu Anträgen der Ratsfraktionen.

Allein 2017 verzeichneten Höper und seine 31 Mitarbeiter 239 Vorlagen und 40 Sitzungsprotokolle nur für die Gemeinde Jesteburg. Hinzu kamen weitere 86 Vorlagen und 26 Protokolle für die Samtgemeinde, 90 Vorlagen und 30 Protokolle für die Gemeinde Bendestorf sowie 60 Vorlagen und 13 Protokolle für die Gemeinde Harmstorf.

Wichtig ist die Nutzung sozialer Netzwerke

Obgleich Jobs in öffentlichen Verwaltungen noch immer als recht attraktiv, weil krisensicher gelten, ist die Suche nach geeigneten, motivierten Nachwuchskräften nicht mehr so problemlos, wie in vergangenen Jahren. Aus diesem Grund gehen Verwaltungen landauf, landab neue Wege, um sich als Arbeitgeber ins rechte Bild zu setzen.

Eine große Rolle spielt die Nutzung sozialer Netzwerke. So verbreitet die Landkreisverwaltung Stellenausschreibungen nicht nur über die eigene Homepage, sondern ebenso über den eigenen Twitter-Account und das Netzwerk XING. Zudem offeriert sie einen Stellennewsletter. Die Rathäuser der Kommunen nutzen vorrangig die eigene Homepage sowie lokale und überregionale Printmedien. Hinzu kommen Interamt, eine Plattform für den öffentlichen Dienst und das Stellenportal Stepstone. Winsen wirbt für Veranstaltungen auch via Facebook. Dort plant für dieses Jahr auch die Landkreisverwaltung eine Präsenz.

Eine besondere Offensive plant derweil die Stormarner Kreisverwaltung in Bad Oldesloe. Sie plant mithilfe einer Werbeagentur ein eigenes Karriereportal auf der Internetseite www.kreis-stormarn.de. Dort sollen künftig die eigenen Stellenangebote professionell präsentiert werden.