Harburg
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Altlasten wurden über Bord geworfen

Mädchentreff Harburg: Leiterin Anette Backa zwischen Susan (l.) und Rabea

Mädchentreff Harburg: Leiterin Anette Backa zwischen Susan (l.) und Rabea

Foto: Lars Hansen

Neue Träger, neues Angebot. Der Mädchentreff Harburg und das Freizeitzentrum Sandbek ziehen eine positive Bilanz für 2015.

Harburg.  Manchmal ist es eben doch gut, wenn alte Strukturen aufgebrochen, Altlasten über Bord geworfen und neue Projekte angeschoben werden. Das werden die – vorwiegend männlichen – Jugendlichen im Freizeitzentrum Sandbek (FZ) sicher ebenso unterschreiben können, wie die jungen Damen des Mädchentreffs Harburg im alten Kanzlerhaus an der Neuen Straße.

Ein Jahr nach der Übernahme durch neue Träger der Offenen Kinder- und Jugendarbeit zogen beide Einrichtungen am Mittwochabend im Jugendhilfeausschuss des Bezirks eine überaus positive Bilanz. „Die Zahl der Stammbesucher wächst stetig, das ist sicher der beste Beleg dafür, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagt Jörg Lau, Bereichsleiter beim Margaretenhort, der seit Anfang 2015 für das FZ Sandbek verantwortlich zeichnet.

Seitdem ist in der Tat viel passiert. Nicht nur, dass die Räumlichkeiten am Ohrnsweg 50b auf Vordermann gebracht wurden. Noch wichtiger sind die Angebote. „Die haben wir im Wesentlichen vom früheren Träger FZ Nöldekestraße übernommen und weiterentwickelt, aber auch neue Konzepte mit anderen Partnern entworfen“, so Lau.

Neu sind zum Beispiel die regelmäßigen Fußballtreffs mit Flüchtlingen in der Uwe-Seeler-Halle nahe der ehemaligen Röttiger-Kaserne. „Diese Offerte ist sehr gut angenommen worden, nur leider gab es hin und wieder Probleme mit dem Transfer zur Halle“, sagt Sozialarbeiter Matthias Buse.

Die Integration von Jugendlichen aus der Unterkunft an der Cuxhavener Straße und der Zentralen Erstaufnahme am Geutensweg wird künftig in jedem Fall ein Schwerpunktthema im FZ Sandbek sein. Dazu zählen auch Deutschkurse in Kooperation mit Ehrenamtlichen der Flüchtlingsinitiative „Willkommen in Süderelbe“.

Neu sind auch eine Tanzgruppe in Zusammenarbeit mit der benachbarten Grundschule Ohrnsweg und eine Fitnessgruppe für Teilnehmer zwischen 12 und 27 Jahren. Letztere trifft sich immer montags von 18 bis 20 Uhr. Mittwochs wird in der Zeit zwischen 18 und 20 Uhr zudem ein Kampfsporttraining angeboten. „Mit Hilfe der Sandbeker Straßensozialarbeiter konnten für beide Angebote professionelle Trainer gefunden werden, die auch Wünsche der Teilnehmer berücksichtigen“, berichtete Buse. Er selbst leitet Musikprojekte, an denen sich regelmäßig bis zu 25 Jugendliche beteiligen.

„Wir verfügen unter anderem über ein gut ausgestattetes Tonstudio, in dem eigene Produktionen möglich sind“, so Buse. Auf reges Interesse stoße auch das Motorrad-Trial-Projekt. Das FZS besitze sogar drei eigene Maschinen, mit denen Mitte des vergangenen Jahres ein Training auf dem ADAC-Übungsgelände nahe Lüneburg stattfand.

Um noch mehr Mädchen ins FZ Sandbek zu locken, wurde mit Asiye Leibner eine neue Mitarbeiterin eingestellt, die vor allem die Interessen der weiblichen Besucher im Blick hat. Über einen unschätzbaren Erfahrungsschatz auf diesem Feld verfügt Anette Backa im Mädchentreff Harburg. Nach den Turbulenzen um die Insolvenz des Frauenkulturhauses wurde mit dem Verein Dolle Deerns ein neuer, verlässlicher Träger gefunden.

Auch hier standen zu Beginn der neuen Zeitrechnung erst mal eine spür- und sichtbare Aufwertung der Räume auf dem Plan. Mit dem Umzug ins Erdgeschoss wurde der Holzfußboden geschliffen, frisch versiegelt und eine neue Küche eingebaut. Zudem gibt es jetzt einen gemütlichen Chillroom.

Nach wie vor würden die Hausaufgabenhilfe und das Bewerbungstraining eine wichtige Rolle im Programm des Treffs spielen. Forciert wurden unterdessen auch die Kooperationen mit den Schulen. An der Grundschule Kerschensteinerstraße leitet Backa ein Videoprojekt, die Goethe Schule Harburg unterstützt sie beim Kursus „soziales Lernen“. Und mit der Schule Maretstraße gibt es ein Flüchtlingsprojekt, in dessen Rahmen Mädchen Hamburg-Touren zum Dom sowie eine Hafenrundfahrt unternehmen konnten.

Großen Anklang fanden natürlich auch wieder die Exkursionen im Sommer an die Ostsee samt Fotografierkursus und Erstellung eines Fotobuchs und im Herbst nach Berlin. „2015 konnten wir unseren Besucherinnen aber auch ein neues Mädchenpowertraining, einen Gesangsworkshop und einen Siebdruckkursus anbieten“, berichtete Anette Backa.