Harburg
Holm-Seppensen

Heimische Kräuter im Gläschen

Gärtnerin und Kräuterpädagogin: Martina Schaumann hat Mitte 2014 ihre Firma Mädesüß in Holm-Seppensen gegründet

Gärtnerin und Kräuterpädagogin: Martina Schaumann hat Mitte 2014 ihre Firma Mädesüß in Holm-Seppensen gegründet

Foto: Fam. Schaumann / HA

Mit einheimischen Wildpflanzen stellt Martina Schaumann in Holm-Seppensen Brotaufstrich, Liköre und Gewürze her.

Holm-Seppensen..  Wenn im späten Frühjahr die Tannen neue zartgrüne Triebe ausbilden, geht Martina Schaumann pflücken. Die noch weichen neuen Nadeln eigenen sich hervorragend, um aus ihren Extrakten Sirup oder auch Spirituosen herzustellen. Allerdings darf Martina Schaumann die Tannentriebe nicht im Wald sammeln, das ist streng verboten. Stattdessen pflückt sie sie auf den Grundstücken ihres Vaters in Barth (Mecklenburg-Vorpommern) oder ihrer Schwiegereltern im Weserbergland. Und auch dann nur hier und da einen Nachwuchs-Zweig, denn würde sie alle auf einmal ernten, könnten die Tannen nicht weiter wachsen.

Ebenfalls im Weserbergland findet sie auch Bärlauch , aus dem sie Kräutersalz herstellt. „Das Salz nimmt die Säfte aus den Kräutern auf. Den Bärlauch transportiere ich in einer Kühlbox, damit er frisch bleibt“, erklärt sie. Nicht nur Salz und Sirup hat die 52-Jährige in ihrem Sortiment, sondern auch Brotaufstrich, Senf, Essig und Liköre. Sie vertreibt sie unter dem Namen Mädesüß direkt über ihren Onlineshop, in einigen lokalen Geschäften und auf Spezialitätenmärkten.

Die Produkte basieren auf heimischen Kräutern wie Löwenzahn, Gänseblümchen, Holunder oder Zitronenverbene, ebenso wie auf einheimischen Beeren und Strauchfrüchten wie Quitte, Traubenkirsche oder Felsenbirne. Auch das Kraut Mädesüß, das Pate für den Firmennamen stand, gibt es in Form eines Gelees. Weil Martina Schaumann die Zutaten (von einigen Obstsorten wie Birne, Himbeere oder Quitte abgesehen) selbst sammelt, sind viele Artikel nur zu bestimmten Zeiten erhältlich.

Ihre Liebe zu den Wildpflanzen kommt nicht von ungefähr. „Mein Vater ist Jäger, und meine Großmutter in Thüringen hatte selbst ein breites Wissen über Kräuter und ihre Eigenschaften“, erzählt Martina Schaumann. Als sie mit ihrem Mann vor zweieinhalb Jahren nach Holm-Seppensen zog, war sie hoch erfreut über das, was allein schon in ihrem Garten wuchs. Dass die Umgebung mit Wald und Heide noch etliche Kräuter mehr wachsen lässt, verwunderte da nicht.

Trotzdem machte sie als junge Frau zunächst eine Ausbildung als Fotolaborantin – also eine Tätigkeit, die nichts mit Natur zu tun hat. „Weil sich das mit der Familie schlecht vereinbaren ließ, machte ich anschließend eine Ausbildung in einer Großgärtnerei, wo ich später selbst Lehrlinge ausbildete“, erzählt sie. Das war noch zu DDR-Zeiten.

Nach der Wende schulte sie um zur Steuerfachangestellten. Mit ihrem Mann verbrachte sie oft die Wochenenden in der Nordheide, sozusagen auf halber Strecke zwischen beider Elternhäuser. Dann beschlossen sie, sich dort endgültig niederzulassen. Zufällig entdeckte sie ein Angebot, in Ammersbek, nordöstlich von Hamburg, eine einjährige Ausbildung zur Kräuterpädagogin zu machen.

Seit Mitte 2014 ist Martina Schaumann nun selbstständig und baut ihr Geschäft auf drei Säulen auf. Außer den Kräuterprodukten sind dies noch Gärtnerdienstleistungen und Veranstaltung in Zusammenhang mit Kräutern: Wanderungen, Kochkurse, Kosmetikherstellung.

Ihren ersten Auftrag erhielt sie von einem Hotel in Barth, das seinen Gästen gern kleine Portionen Kräutersalz anbieten wollte. Martina Schaumann war zu dieser Zeit selbst in Urlaub und musste improvisieren. Doch es gelang, „und dann wurde es immer mehr“.

Um professionell und den Lebensmittelgesetzen entsprechend ihre Gelees, Sirupe, Senfe und Essige zu produzieren, musste sich Martina Schaumann eine separate Produktionsküche einrichten. „Ich habe vom Landkreis Harburg sehr gute Beratung erhalten“, berichtet sie. In dieser kaum fünf Quadratmeter großen Reinküche entwickelt Martina Schaumann Rezepte, stellt ihre Produkte her und füllt sie in Gläser und Flaschen ab.

Da einige Zutaten erhitzt werden müssen, hat sie eine Kochplatte – für einen kompletten Herd ist kein Platz. Sofern es eine entsprechende Räumlichkeit gibt, kann Martina Schaumann die Kochplatte auch mitnehmen, um am Ende einer Kräuterführung mit den Teilnehmern gemeinsam zu kochen. Alternativ kann sie auch die Küche der alten Schule im Museumsdorf Seppensen nutzen.

Die Mengen, die Martina Schaumann selbst herstellt, sind begrenzt, denn bei den Kräutern handelt es sich um saisonale Produkte. Eine Charge ergibt etwa 30 Gläschen beziehungsweise einige Liter, die abverkauft werden. Einiges kann nachproduziert werden, viele Zutaten stehen aber erst im folgenden Jahr wieder zur Verfügung.

Erhältlich sind die Mädesüß-Produkte in Holm-Seppensen im Reformhaus Schacht und in Handeloh in der Gärtnerei Funk, online über de.dawanda.com/shop/Maedesuess-Schaumann (ein Link führt auch Martina Schaumanns Homepage www.maedesüss.de dorthin) sowie bei Veranstaltungen wie der Wennerstorfer Landmarkt auf dem Museumsbauernhof oder dem Kunst und Landmarkt Seppensen erhältlich. Kräuterwanderungen werden voraussichtlich ab März wieder stattfinden.