Harburg

Die Attraktion bleibt im Dunklen

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Lars Hansen
Der Binnenhafen bei Nacht ist für Fußgänger unattraktiv – und soll es wohl auch bleiben

Der Binnenhafen bei Nacht ist für Fußgänger unattraktiv – und soll es wohl auch bleiben

Foto: Lars Hansen / HA

Die Uferpromenade entlang des östlichen Bahnhofskanals soll keine Laternen erhalten – Bezirkspolitiker sind verärgert.

Harburg.  Es geht um eine Strecke von 500 Metern. Um zehn Lampen. Um 50.000 Euro. Und um das Prestige. Geht es nach der Stadt, soll der Fußweg, der entlang des östlichen Bahnhofskanals den Veritaskai und den Karnapp verbinden wird, nicht beleuchtet werden. Geht es nach Harburgs Kommunalpolitikern, soll er hell erstrahlen.

Schon die Wortwahl ist unterschiedlich: Grünanlage oder Uferpromenade? Wie soll der wasserseitige Abschluss des neuen Binnenhafen-Quartiers „Harburger Brücken“ denn heißen? Bei der Wirtschaftsbehörde und dem zu ihr gehörenden Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) hat man dazu eine klare Meinung: „Besagte Promenade soll rechtlich gesehen ein Grünweg werden. Diese Flächen und Wege werden grundsätzlich nicht beleuchtet.“, sagt Susanne Meinecke, Pressesprecherin der Wirtschaftsbehörde.

Darauf berief sich Klaus Krollpfeifer, Beamter im „Fachamt Management des öffentlichen Raums“, wie die Garten-und Tiefbauabteilung des Bezirks heute heißt im Stadtplanungssausschuss Anfang November, als er verkündete, dass der Weg dunkel bleiben soll.

Sollte Beleuchtung erwünscht sein, müssten der Bezirk oder die Anlieger dies finanzieren und der Bezirk habe kein Geld. Immerhin kostet eine Gehweglampe 5000 Euro. Geht man von einem 50-Meter-Abstand aus, müssten für die 500 Meter Kanalufer zehn davon angeschafft werden.

Krollpfeiffer hatte gemeinsam mit dem vom Bezirk beauftragten Landschaftsarchitekten Ando Yoo die Freiraumplanung für das Quartier Harburger Brücken vorgestellt. Yoo mit der Vorgabe, ohne Beleuchtung zuplanen nicht zufrieden und ist es bis heute nicht: „Die Promenade ist eine attraktive Wegeverbindung, die man auch abends nutzen können sollte“, sagt er.

Die „Harburger Brücken“ befinden sich auf dem ehemaligen Güterbahnhof des Harburger Hafens, zwischen Schellerdamm und östlichem Bahnhofskanal. Die Wohn-und Gewerbegrundstücke vermarktet die hessische Aurelis GmbH, für die Freiflächen ist die Stadt zuständig.

Zwei breite Grünachsen in Ost-West-Richtung und der Grünstreifen entlang des östlichen Bahnhofskanals sollen dem Quartier eine attraktive Atmosphäre ohne Angsträume verschaffen. Die nördliche Querachse soll an eine noch zu planende Fußgängerbrücke über den Kanal in das nächste Zukunftsquartier des Binnenhafens, das Neuländer Quarree, anschließen, die südliche Querachse an die zukünftige Landschaftsbrücke über die B73 vom Schellerdamm zum Schippseequartier.

Theoretisch könnte man also fast ohne befahrene Straßen zu berühren von der Harburger Innenstadt bis zum Veritaskai kommen. Nur Nachts sollen alle, die sich im Dunklen fürchten, über die Theodor-Yorck-Straße im neuen Quartier ausweichen. Dass diese beleuchtet sei, so Krollpfeifer, genüge den Anforderungen an städtische Fußgängerverkehrsführung.

„Das ist doch ein Treppenwitz“, sagt Ralf Dieter Fischer, Fraktionsvorsitzender der CDU in der Harburger Bezirksversammlung und Mitglied des Stadtplanungssausschusses. „Da bauen wir ein attraktives neues Quartier auf eine Brachfläche; ein Quartier, das ein Aushängeschild für Harburg sein könnte, und lassen es dann im Dunklen.“

Dass die Stadt hier kein Geld in die Hand nehmen will, ärgert Fischer nicht nur wegen der Quartiersästhetik. Er hält es auch für ungerecht: „Den Privatinvestoren wurden hier teuerste Gestaltungsauflagen gemacht, aber Hamburg plant grau in Grau.“

Der Ausschuss beschloss, wenigstens die Verlegung eines Stromkabels im Uferweg zu fordern, damit gegebenenfalls später eine Beleuchtung nachgerüstet werden könne, wenn man eine Finanzierung gefunden hätte. Fischer und die CDU-Fraktion gehen noch weiter. Sie führten in der Bezirksversammlung einen Beschluss herbei, in dem die Verwaltung aufgefordert wird, „eine attraktive Beleuchtung“ für die Freiräume im Quartier Harburger Brücken zu sorgen.

Ganz aussichtslos ist das Vorhaben nicht: „Es besteht die Möglichkeit, solche Flächen beleuchten zu lassen“, sagt Susanne Meinecke. Hierzu melden die Bezirke einmal jährlich Grünwege, an die Umweltbehörde. Von dort wird anhand einer Prioritätsliste entschieden, welche Wege in Hamburg eine Beleuchtung bekommen sollen. Erst danach würde der LSBG einen Auftrag erhalten und diesen umsetzen –mit vorhandenen Mitteln.

Es geht um eine Strecke von 500 Metern. Um zehn Lampen. Um 50.000 Euro Und um das Prestige.

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