Zu wenig Unterstützung

Der Hittfelder Mühlenverein steht vor dem Aus

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Christiane Tauer
Die 1875 errichtete Windmühle in Hittfeld müsste dringend saniert werden

Die 1875 errichtete Windmühle in Hittfeld müsste dringend saniert werden

Foto: Christiane Tauer / HA

Der Hittfelder Windmühle droht seit Jahren der Verfall. Ein Förderverein sollte die Rettung bringen, doch der löst sich jetzt auf.

Hittfeld.  Sie ist eines der Wahrzeichen Hittfelds, doch ihr Schicksal ist nun vollkommen offen. Die vom Verfall bedrohte historische Windmühle muss weiterhin auf ihre Rettung warten. Der vor zwei Jahren gegründete Förderverein, der eigentlich die Sanierung des 1875 errichteten, denkmalgeschützten Bauwerks in die Hand nehmen wollte, ist in Auflösung begriffen. „Ich bin sehr enttäuscht darüber, aber wir als Familie wollen jetzt alleine weitermachen“, sagt die Erste Vereinsvorsitzende und Tochter des Mühlenbesitzers Carmen Schulz-Voß auf Nachfrage des Abendblatts.

Als Hauptgrund für das Aus nach so kurzer Zeit nennt sie die geringe Zahl an Unterstützern. Elf Mitglieder habe der Verein am Ende gehabt – nicht viel mehr als bei seiner Gründung im Jahr 2013. Wie es jetzt mit der Windmühle weitergehen soll, lässt Carmen Schulz-Voß offen. Man sei in den Planungen, mehr wolle und könne sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

Auch der zweite Vereinsvorsitzende Kai Meier, zugleich Inhaber der an die Windmühle angrenzenden Diskothek „Hittfelder Mühle“, hält sich gegenüber dem Abendblatt bedeckt. Es habe offensichtlich niemand Interesse gehabt, dem Förderverein beizutreten, sagt er. „Es war schwer, jemanden zu ermuntern.“

Dass das so war, kommt nach Informationen des Abendblatts nicht von ungefähr. Anders als beispielsweise die Wassermühle Karoxbostel, die in Besitz eines Fördervereins ist, der nur dreieinhalb Jahre nach seiner Gründung 930 Mitglieder hat, ist die Hittfelder Windmühle in privater Hand. Um 1890 herum hat der Urgroßvater des jetzigen Besitzers Heinrich Voß die Windmühle gekauft, seitdem ist sie in Familienbesitz geblieben.

Diese Struktur, mit Familie Voß auf der einen Seite und dem Förderverein auf der anderen Seite, hat sich jedoch zum Problem entwickelt. Die Familie soll sich schwer getan haben, Außenstehende zuzulassen – obwohl ein Verein notwendig ist, um überhaupt Fördermittel beantragen zu können.

Zwar können das theoretisch auch Einzelpersonen, die Aussicht auf Erfolg ist bei Vereinen jedoch größer. Beispielsweise sorgte allein die Frage, ob der Verein einen eigenen Raum in der Mühle erhalten darf, für Diskussionen. Da ist es kein Wunder, dass sich potenzielle Vereinsmitglieder die Frage stellen, ob sie tatsächlich willkommen sind.

Zudem ist es dem Verein in der gesamten Zeit seines Bestehens nicht gelungen, der zuständigen Denkmalschutzbehörde des Landkreises Harburg ein Konzept vorzulegen. Es sei nichts eingegangen, bestätigt Kreissprecher Johannes Freudewald gegenüber dem Abendblatt.

Aus Sicht vieler Hittfelder Bürger dürfte das offene Schicksal der Windmühle jetzt ein Grund zur Sorge sein. „Es ist traurig, dass es mit dem Förderverein nicht lief“, sagt etwa der Hittfelder Ortsbürgermeister Norbert Fraederich.

Insgesamt drei größere Versuche seien im Laufe der Jahre unternommen worden, um die Mühle zu retten. Dass der Versuch nun erneut scheiterte, hält er für fatal. „Ich weiß nicht, ob es jetzt noch Sinn hat, eine neue große Aktion zu starten.“

Auch der Heimatverein Hittfeld hat sich für die Windmühle engagiert, ist aber mittlerweile ebenfalls mit seinem Latein am Ende. Ein Sachverständiger für historische Mühlen habe 2008 ein Gutachten erstellt, in dem er auch die Schäden dokumentierte, sagt Heimatvereinsvorsitzender Henning Drewes. So müsste auf jeden Fall das Flügelkreuz überarbeitet werden, da zwei Zähne im Zahnrad am Drehkranz fehlen. Als Vorsichtsmaßnahme bei Sturm sind deshalb im vergangenen Jahr die Flügel abgenommen worden.

Im Weiteren müsste vom Unterbau aus eine Treppe nach oben führen. Bisher ist der Zugang nur übers Dach mit einer Leiter möglich. Die Holzkonstruktion müsste ausgebessert, ebenso müssten die Fenster erneuert oder abgedichtet werden. Kosten insgesamt: schätzungsweise 50.000 bis 100.000 Euro. Wer all das jetzt finanzieren soll, steht mit dem Ende des Fördervereins mehr denn je in den Sternen.

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