Harburg
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Modellauto-Rennen: 24 Stunden im Kreisverkehr

Ziehen, loslassen, ziehen: Beim 24-stündigen Slotcar-Rennen im Foyer des TuTech-Hauses

Ziehen, loslassen, ziehen: Beim 24-stündigen Slotcar-Rennen im Foyer des TuTech-Hauses

Foto: Bianca Wilkens / HA

Beim „Slotcar“-Modellauto-Rennen im TuTech-Haus siegte das Harburger Heimteam Channel Racer mit knappem Vorsprung

Harburg.  Kurz vor dem Start kommt Hektik auf. Thomas Voigt rennt mit seinem Audi R8 LMS in einen Nebenraum und macht sich schnell daran, am herumzutüfteln. Es kommt auf jede Sekunde an. In wenigen Minuten startet das vierte 24-Stunden-Rennen für Slotcars im Foyer des Tu-Tech-Hauses im Channel Hamburg.

Was die Box bei der Formel 1 ist, ist bei den Slotcar-Racern ein Tisch mit Schraubenziehern, Schere, Zange. Voigt ist schnell. Aufschrauben, Fehler beheben, zuschrauben. Rechtzeitig kehrt er wieder an die Bahn zurück und stellt das Modellauto ab. Geschafft. „Die Technik spielt eine große Rolle. Man kann das Auto gut vorbereiten oder eben schlecht“, sagt Voigts Teamkollege Frank Biela. Er muss es wissen. Der Rennfahrer gehört zur Prominenz aus dem „großen“ Motorsport. Er hat bereits fünf Mal die weltberühmten 24 Stunden von Le Mans gewonnen.

Bei einem Slotcar-Rennen ist es auch nicht anders als in der „echten“ Motorsportwelt. Jedes Teil muss sitzen. „Die Karosserie war zu fest. Dadurch liegt das Auto nicht gut auf der Strecke. Ein Glück haben wir das noch ändern können“, sagt Biela, der sich schnell eine Zigarette vor den Türen von TuTech gönnt. Schließlich steht er gleich eine Stunde lang am Drücker.

Moderator Martin Kummerow bittet die Fahrer an ihre Regler und zählt die Sekunden runter. „Zehn, neun...“ Die Autos sausen los. Keiner der sechs Piloten sagt ein Wort. Die Köpfe bewegen sich langsam von rechts nach links, rechts, links, während sie ihre Modellautos auf der 58 Meter langen Slotfire-Digital-Strecke verfolgen.

Das Rennen erfordert von den Piloten viel Fingerspitzengefühl. Ziehen, loslassen. Ziehen, loslassen. Es kommt darauf an, den Bremspunkt zu finden und zum richtigen Zeitpunkt Gas zu geben. „Wie im echten Rennauto auch“, sagt Biela. Neben ihm stehen noch weitere Männer aus dem „großen“ Motorsport an der Bahn, darunter der Spanier Miguel Molina, einer der schnellsten DTM-Piloten. Insgesamt nehmen sechs Teams à vier Piloten teil, die sich in den 24 Stunden am Regler abwechseln: das Audi-Team mit dem R8 LMS, Joest Racing mit Joest-Bentley Continental GT3. Vorjahressieger Volkswagen Motorsport-Das Kartell setzt auf den Polo R WRC. Das Team Channel Racer startet mit einem McLaren P1, Prototyp-Shell mit dem Porsche 962C und das Team Scuderia Suedschleife.com mit einem BMW Z 4.

Das regelmäßige Surren der Autos erfüllt das Foyer. Ab und an entfernt sich ein Pilot vom Regler, um sein aus der Bahn geworfenes Modell wieder einzusammeln. „Mann, gibt’s doch nicht“, sagt einer, mehr nicht. Dann wieder volle Konzentration. In der ersten Stunde steht fast jedes Team einmal an erster Stelle. Die aktuelle Platzierung wird auf einem Monitor angezeigt. Um 12.48 Uhr hat sich das Team McLaren vor BMW, VW und Audi auf Platz eins geschoben. Thomas Voigt (Audi) bleibt da noch ganz entspannt. Sind ja noch 23 Stunden Zeit.

Doch später wird klar. Die Channel Racer (McLaren) behalten die Nase vorn. Vielleicht ist das nagelneue Modellauto das Geheimnis des Erfolges. Michael Niemas, Creative Director der Firma Amalgam Fine Model Cars als eine der besten Modellbauer Deutschlands, hat die Original-Daten von McLaren besorgt, auf den Maßstab 1:24 heruntergebrochen und nachgebaut. Herausgekommen sei ein sehr leichtes Modell, so der Teamchef der McLaren-Mannschaft Andreas Göhring. 24 Stunden später hat Jan Hennen (Audi) schon Blasen am Finger, sein Team verpasst dennoch knapp den ersten Platz. Sieger ist das McLaren-Team vor Audi und Bentley. „Es war eines der knappsten Rennen in unserer Geschichte“, sagt Thomas Voigt.