Stadtrat Winsen

30.000 Euro für jede Grundschule

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Rolf Zamponi
Sport ist ein wichtige Element für die Ganztragsbetreuung. Doch dazu braucht es hallenzeiten und Personal

Sport ist ein wichtige Element für die Ganztragsbetreuung. Doch dazu braucht es hallenzeiten und Personal

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Stadt Winsen stockt Mittel für Ganztagsangebote auf. Opposition hatte längere Betreuung gefordert.

Winsen.  Ein wenige Minuten vor der Sitzung in der Stadthalle eingebrachter Alternativantrag, zwei Unterbrechungen zum Beraten und eine knappe Kampfabstimmung. Das waren am Mittwochabend die Zutaten für die Entscheidung über das finanzielle und damit auch pädagogische Konzept für die Ganztagsgrundschulden in der Kreisstadt. Nach monatelanger Diskussion liegt das Modell jetzt fest. CDU/Winsener Liste/FDP und der parteilose Tobias Müller setzten sich im Stadtrat mit 19 zu 16 Stimmen durch.

Unumstritten war, dass das Angebot mit vier Grundschulen zum Schuljahr 2016/17 beginnen und die Grundschule in Pattensen 2017/18 folgen soll. Zunächst werden die ersten beiden Jahrgänge einbezogen. Das Konzept muss zum 1. Dezember bei der Niedersächsischen Landesschulbehörde als Antrag vorliegen. Doch zwischen der Mehrheit um die CDU und der Opposition um SPD und Grüne besteht weiter ein tiefer Graben, wie die Betreuung nach dem Unterrichtsende um 13 Uhr geregelt werden soll.

Beschlossen ist jetzt, dass die Schulen für pädagogische Angebote jährlich 30.000 Euro erhalten werden. Damit wird die Summe von 10.000 Euro aufgestockt, die bislang an die Alte Stadtschule als Vorreiter gezahlt wurden. Die Betreuung ist für mindestens vier Tage bis 15.30 Uhr vorgesehen. Mit seinem Einwurf, die 30.000 Euro nicht pauschal zu zahlen, sondern die Summen nach der Zahl der Schüler zu verteilen, konnte Bernd Meyer (Grüne) den Beschluss zuletzt noch verändern. Die Verwaltung prüft zudem, ob die städtische Ferienbetreuung für die Ganztagsschulen erweitert werden soll.

Für die Opposition greift dieses Konzept jedoch bei weitem zu kurz. Sie wollte Bildung und Betreuung an fünf Tagen der Woche bis 15.30 Uhr und bei Bedarf ein Angebot vor acht Uhr früh und bis 17 Uhr nachmittags. Für neun Wochen sollte es eine kostenpflichtige Betreuung in den Ferien geben. Für Brigitte Netz (SPD) ein „Mindeststandard, der sich am Bedarf der Eltern orientiere. „Es ist die Aufgabe der Kommune, die Nachmittagsbetreuung sicher zu stellen“, sagte sie. Zudem werde so Geld für die Horte eingespart.

Eine Kooperation mit einem freien Träger sollte sicherstellen, dass den Kindern eine feste Bezugsperson geboten werden könne. Ein solches Angebot gehört für Benjamin Qualmann (SPD) zu einer „familienfreundlichen Stadt.“ Ein Attribut, das gerade für Winsen Bedeutung hat. Denn in der Kreisstadt wohnen viele der 60.000 Arbeitnehmer, die nach Hamburg oder Lüneburg zur Arbeit pendeln und daher tagsüber lange nicht zu Hause sind.

Das „Rundum-Sorglos-Paket“ scheiterte an den „exorbitanten Kosten“, wie Angelika Teuchert sagte, die ehemalige Leiterin der Alten Stadtschule. Schließlich hatte die Verwaltung im Vorfeld der Haushaltsberatungen errechnet, dass bei vier Schulen jährlich 450.000 Euro, bei fünf Schulen 700.000 Euro auf die Stadt zukommen würden. Den Ausschlag gaben die drei Stimmen der Gruppe Winsener Liste/FDP. Im Schulausschuss hatte sich Wilfried Rieck enthalten. Jetzt aber erschien der Gruppe die Lösung der Opposition doch zu teuer.

„Was raten Sie den Eltern jetzt, wenn es freitags und nach 15.30 Uhr keine Betreuung nach der Schule gibt?“, fragte Matthias Hüte (Freie Winsener) CDU-Ratsfrau Teuchert. „Die Eltern haben Wege gefunden, das hinzukriegen. Viele haben in Teilzeit gearbeitet und wollten ihre Kinder auch zu Hause betreuen“, sagte Teuchert. Das leise Murren von Gästen machte deutlich, dass diese Antwort hier wenig Freude auslöste.

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