Harburg
Verkehrsbelastung

A 1 bei Rade: Auch die Pendler sorgen für Stau

Prot Tag steuern bis zu 8400 Fahrzeuge pro Tag das Gewergegebiet Mienenbüttel und fahren wieder weg. Das liegt unter dem prognostizierten Wert. Der Pendlerverkehr auf der B 3 hingegen hat zugenommen

Prot Tag steuern bis zu 8400 Fahrzeuge pro Tag das Gewergegebiet Mienenbüttel und fahren wieder weg. Das liegt unter dem prognostizierten Wert. Der Pendlerverkehr auf der B 3 hingegen hat zugenommen

Foto: Büro Zacharias / Zacharias

Gutachten macht klar, dass die Abfahrt an der A 1 für die dort ansässigen Logistikbetriebe ausreicht. Für Verkehrsbelastung sorgen auch zusätzliche Pkw.

Rade..  Wer die Anschlussstelle Rade der Autobahn 1 ansteuert, muss in den Hauptverkehrszeiten oft Geduld mitbringen. Weil nur eine Ampelanlage den Autobahnverkehr steuert, stehen die Fahrzeuge auf der Bundesstraße 3 regelmäßig Schlange. Auf der Autobahn 1 aus Hamburg kommend staut sich der Verkehr sogar so stark zurück, dass Fahrzeuge auf den Fahrstreifen der A 1 stehen. So könnte es leicht zu schweren Unfällen auf der Autobahn kommen.

Deshalb stand die Frage im Raum, ob Umbaumaßnahmen nötig sind, damit der Knotenpunkt an der Anschlussstelle Rade den Verkehr von und hin zur Autobahn besser aufnehmen kann. Die Gemeinde Neu Wulmstorf beauftragte Verkehrsplaner, sich erneut mit den Verkehrsströmen an der Autobahnanschlussstelle Rade zu beschäftigen

Das Ergebnis der Untersuchung stellte Verkehrsplaner Lothar Zacharias aus Hannover in der Sitzung des Verkehrsausschusses am Mittwochabend im Neu Wulmstorfer Rathaus vor. Eine zentrale Frage der Untersuchung war, was der Grund für den zunehmenden Verkehr ist.

Viele Einwohner aus der Gemeinde Neu Wulmstorf, und auch einige Vertreter in der Politik und in der Verwaltung vermuteten, dass das 80 Hektar große Gewerbegebiet Mienenbüttel schuld sei an den Blechschlangen. Doch Lothar Zacharias fand heraus, dass zwar viele Lastwagen- und Autofahrer den so genannten Logistikpark Hamburg ansteuern, doch das ist nicht der Hauptgrund für die Staulage.

Viele fahren an der Anschlussstelle Rade ab und nutzen die Bundesstraße 3, um Richtung Süden, etwa nach Tostedt und Buchholz zu gelangen. Es handelt sich also um den klassischen Pendlerverkehr vom Hamburger Umland zur Arbeit Richtung Hamburg und zurück. „Eigentlich könnten die Autofahrer genauso gut über die Anschlussstelle Dibbersen fahren, tun sie aber nicht“, sagte der Diplom-Geograph Lothar Zacharias. Zugleich überrascht ihn die Zunahme des Verkehrs auf der Bundesstraße 3. „Denn die Strecke gab es vorher auch schon; die Autofahrer hätten sie vorher auch schon nutzen können“, sagte er.

Neben der Frage, ob das neue Gewerbegebiet Mienenbüttel die Staus verursacht, sollten die Verkehrsplaner in ihrer Untersuchung herausfinden, ob die Zahl der Lastwagen, die heute das Gewerbegebiet pro Tag ansteuern, bereits die prognostizierten Verkehrswerte einer Studie aus 2008 übersteigen. Die Antwort ist: Nein. Zurzeit fahren pro Tag insgesamt 8400 Fahrzeuge in das Gewerbegebiet rein und raus. Die Studie aus 2008 hat ein Verkehrsaufkommen von 14.600 Fahrzeugen pro Tag bis 2020 geschätzt.

Lothar Zacharias räumte ein, dass der Verkehr in den nächsten fünf Jahren zum und aus dem Gewerbegebiet sicherlich noch zunehmen werde. Schließlich ist bislang lediglich die Hälfte des Logistikparks bebaut. „Aber auch bis 2020 wird der prognostizierte Wert von 14.600 Fahrzeugen pro Tag mit Sicherheit nicht überschritten“, ist Zacharias überzeugt.

Reicht die Ampelanlage an der B 3 also doch aus, um den Verkehr fließen zu lassen? Zumal Zacharias in seiner Umfrage öfter von Pendlern vernommen hat, dass es gar keine Staus gebe. „Wir haben mit einigen gesprochen, die gar kein Problem sehen“, so Zacharias.

Und wie passt das mit den beobachteten Rückstaus auf der Autobahn zusammen? Nach seinen theoretischen Berechnungen ist Lothar Zacharias tatsächlich zu dem Schluss gekommen, dass die Leistungsfähigkeit des Knotenpunktes ausreicht. In Schulnoten ausgedrückt gibt Zacharias der Kreuzung an der B 3 eine vier, aber kein mangelhaft.

„So richtig passen die theoretischen Berechnungen aber nicht mit unseren Beobachtungen zusammen“, sagte Zacharias. „Vor allem die Rückstaus auf der A 1 sind nicht gut, die sind gefährlich.“ Das deckt sich auch mit den Aussagen vieler Anwohner, die von einer katastrophalen Situation sprechen.

Ein typisches Beispiel dafür, dass in der Theorie alles funktioniert, es aber in der Praxis anders aussieht. Zudem sieht der Verkehrsplaner Zacharias in der Berechnung einige Mängel. Er verweist darauf, dass im Oktober neue Berechnungsgrundlagen gelten. Er spricht sich dafür aus, die Kreuzung auf dieser neuen Basis noch einmal unter die Lupe zu nehmen. „Bevor man alles umbaut, sollte man das noch tun und stichprobenartige Zählungen im Gewerbegebiet machen, sobald die Logistikhallen, die derzeit noch im Bau sind, fertig sind“, so Zacharias.

Als Maßnahmen, die schnell umgesetzt werden können, schlägt er zum Beispiel vor, an der Ampel einen grünen Linksabbiegerpfeil für die Autofahrer, die von der Kreisstraße 63 kommen und auf die B 3 abbiegen wollen, zu installieren.

In einem Punkt machte der Verkehrsexperte keine Hoffnung: den Bau einer zusätzlichen Autobahnausfahrt ins Gewerbegebiet. Die UWG hatte zuvor gefordert, diese Möglichkeit zu überprüfen. „Eine eigene Autobahnabfahrt werden sie nicht bekommen. Selbst, wenn sie diese bezahlen“, sagte Zacharias.