Harburg
Schülerfahrausweise

Gibt es Schwarzhandel mit Fahrkarten im Landkreis?

Die Kontrolleure sind darauf geschult, gefälschte Fahrkarten zu erkennen

Die Kontrolleure sind darauf geschult, gefälschte Fahrkarten zu erkennen

Foto: AndrŽ Zand-Vakili

Jeder achte kostenlose Schülerfahrausweis wird als verloren gemeldet – Landkreis schließt Missbrauch nicht aus.

Winsen.  Mal eben von Neu Wulmstorf in die Mönckebergstraße zum Shoppen, abends von Meckelfeld aus ins Kino nach Hamburg – zumindest die Fahrt dorthin ist ein günstiges Vergnügen, wenn man Schüler ist und eine kostenlose Monatskarte besitzt. Die Kosten übernimmt der Landkreis Harburg als Träger der Schülerbeförderung – allerdings nur für Schüler bis zur 10. Klasse. Ab der 11. Klasse müssen die Schüler, beziehungsweise deren Eltern, die Kosten für die Fahrkarte selbst tragen. Ob ein Schüler eine kostenlose Fahrkarte bekommt, hängt außerdem von der Entfernung zwischen seinem Wohnhaus und seiner Schule ab. Für Zehntklässler wird zum Beispiel die Fahrkarte vom Kreis bezahlt, wenn sein Schulweg länger als vier Kilometer ist.

Und so scheint es immer wieder vorzukommen, dass Fahrkarten unter der Hand weitergegeben werden. Der Trick: Die Fahrkarte wird als verloren gegangen gemeldet, tatsächlich aber fährt jemand anders damit. Der Verdacht liegt vor allem dann nahe, wenn ein Schüler mehr als einmal den Verlust seiner Karte meldet. Der Landkreis Harburg plant daher, wie berichtet, die Gebühr für die Ausstellung einer Ersatzfahrkarte im wiederholten Fall von zehn auf 20 Euro zu erhöhen. Der Antrag erfolgt über das jeweilige Schulsekretariat.

Da im gesamtem Landkreis Harburg der HVV-Tarif gilt, bekommen die Schüler eine HVV-Zeitkarte. Die Kosten werden für die jeweilige Strecke von der Wohnung des Schülers bis zur Schule übernommen. Die Gültigkeit der Fahrkarte kann sich demnach auf bestimmte Zonen beschränken, aber auch den HVV-Großbereich umfassen. Schulen, die im Großbereich liegen, befinden sich etwa in Seevetal oder Neu Wulmstorf. „Die Großbereichskarten sind daher besonders wertvoll“, sagt Friedhelm Stradtmann, beim Landkreis zuständig für die Schülerbeförderung. „Und so gehen solche Karten ab und zu ,verloren’ oder werden ,versehentlich mitgewaschen’. Ob die Karte tatsächlich weitergegeben wird, können wir nicht beweisen oder belegen, wir können es nur vermuten.“ Verlorene Karten würden gesperrt, „das ist auch zusätzlicher Aufwand“, sagt Stradtmann. Ersatzkarten würden mit einem E gekennzeichnet. Die Schülermonatskarte für den HVV-Großbereich kostet 39, für den Gesamtbereich 55 Euro. Eine Ausweitung der kostenlosen Großbereichskarte auf den Gesamtbereich ist gegen Aufpreis möglich.

Wie häufig Fahrkarten tatsächlich unter der Hand weitergegeben werden, lässt sich schwer feststellen. Der Landkreis hat jedenfalls ermittelt, dass im Schuljahr 2014/15 von 11.814 ausgestellten Fahrkarten 1566 (13 Prozent) als verloren gemeldet wurden, 138 bereits zum wiederholten Mal. „Wir haben einige Schüler, für die wir Ersatzkarten ausstellen, für einige auch mehr als einmal“, bestätigt der Schulleiter des Meckelfelder Gymnasiums, Peter Oberbeck. „Wir haben das dem Landkreis gemeldet.“ Er befürwortet die Gebührenerhöhung, die der Kreistag allerdings noch bestätigen muss. Sein Kollege Peter Lindemann vom Gymnasium Neu Wulmstorf sieht das Problem allerdings nicht als so dringlich an. „Inwieweit Missbrauch mit Fahrkarten getrieben wird, kann ich nicht beurteilen. Ich gehe davon aus, dass unsere Schüler ehrlich sind. Außerdem müssen die Eltern ja den Ersatzkarten-Antrag unterschreiben“, sagt er. Dass Fahrkarten gelegentlich aus Versehen in der Waschmaschine landen, komme vor. „Das sehen wir ja dann auch, denn die Schüler müssen die Karte abgeben, wenn sie eine neue beantragen.“ Dennoch hält auch Lindemann die Gebührenerhöhung für zumutbar.

Der Fahrausweis besteht aus einer Klappkarte mit einem Lichtbild des Schülers sowie einer Wertmarke, auf der der Gültigkeitsbereich angegeben ist. Wer die Fahrkarte eines anderen „übernimmt“, wird daher wahrscheinlich – mehr oder weniger laienhaft – das Foto austauschen. Der HVV teilt auf Nachfrage mit, dass derzeit geprüft wird, in welchem Umfang Fahrkarten manipuliert und weitergegeben werden. „Es handelt sich dabei um eine Straftat“, betont Sprecher Rainer Vohl. Beim Bahnunternehmen Metronom sind solche Tricks bekannt. Wird ein Fahrgast mit einer manipulierten Fahrkarte erwischt, gilt das als Fahren ohne gültigen Fahrschein. „Wir erstatten aber keine Anzeige, sondern erheben das erhöhte Beförderungsentgelt von 60 Euro“, sagt Metronom-Sprecher Björn Pamperin. „Unser Mitarbeiter sind entsprechend geschult und erkennen jede Art von Fahrkartenmanipulation. Der Aufwand lohnt also nicht.“