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Künstler holt Verdrängtes ins Heute zurück

Der Buchholzer Künstler Jendrik Helle hängt im Kunsthaus Arbeiten für die Ausstellung "Hall of Ruhm"

Der Buchholzer Künstler Jendrik Helle hängt im Kunsthaus Arbeiten für die Ausstellung "Hall of Ruhm"

Foto: Susanne Rahlf / HA

Jenrik Helle wagt sich bei der Ausstellung „Hall of Ruhm“ im Kunsthaus Jesteburg an einen dunklen Teil Jesteburger Geschichte heran.

Jesteburg.  Einem sehr dunklen Teil der Buchholzer Geschichte rückt der Künstler Jenrik Helle in den kommenden vier Wochen mit seiner Ausstellung „Hall of Ruhm“ im Kunsthaus Jesteburg zu Leibe. Denn was viele heute nicht mehr wissen ist, dass schon zu den Anfangszeiten der Nationalsozialisten in den 1920er-Jahren viele Buchholzer zu deren glühenden Anhängern wurden.

Dies gipfelte in den 30er-Jahren in dem Bau einer „Ehrenhalle“. Das Gebäude war ein Wallfahrtsort für Nazis, denn hier wurden Mitglieder der Bewegung geehrt, die in den 20er-Jahren ihr Leben für die nationalsozialistische Idee gelassen hatten. Das erste, was die Briten im April 1945 taten, als sie nach Buchholz kamen, war, die Ehrenhalle als Symbol für den Nationalsozialismus und das Dritte Reich bis auf die Grundmauern abzufackeln und zu zerstören.

Der Buchholzer Künstler Jenrik Helle hat sich in seinen jüngsten Arbeiten intensiv mit diesem Relikt der NS-Diktatur auseinandergesetzt. Schon während seines Studiums der freien Malerei an der Hamburger Hochschule für bildende Künste begleitete er die Ausstellung „Verbotene Orte“ seines Lehrers Gustav Kluge. „Es gibt auch in Buchholz verbotene Orte. Die Ehrenhalle ist einer von ihnen“, sagt der 37-Jährige.

Allerdings geht es ihm nicht um die Aufarbeitung historischer Ereignisse, sondern um die Assoziationen, die er zu dem Thema hatte: „Als Künstler sehe ich es als meine Aufgabe, Verdrängtes wieder hervorzuholen und zu thematisieren.“

Helle zeigt in seiner Ausstellung verschiedene Perspektiven auf das Thema. Zum einen ist es die Außensicht. Sie stellt sich dar in seinen „Restbildern“. Dafür kopierte er Standbilder aus Computerspielen und übermalte sie mit Motiven der Ehrenhalle in Aquarellfarbe. Das Ergebnis sind Bilder mit aufgebrochener Oberfläche, rau und abweisend.

Ihnen gegenüber stehen Porträts von Flüchtlingen, die zurzeit in der Nordheide leben. Sie sind in Öl auf Leinwand ganz im Stil der Alten Meister gehalten. Diese Bilder sind in gewisser Weise ein Gegenentwurf zu den „Heldenporträts“, die in der Ehrenhalle zu sehen waren. „Statt der Alten Garde faschistischer Nazis zeige ich Flüchtlinge, denen der Krieg ins Gesicht geschrieben steht.“

Für diese Arbeiten war Jenrik Helle in Flüchtlingsunterkünften im Landkreis Harburg unterwegs und skizzierte junge und alte Männer vor Ort. „Es ging mir darum, mich in ihre Lage einzufühlen und das, was diese Männer erlebt haben, in ihre Gesichter zu bringen“, sagt Helle.

Die Bilder von Flüchtlingen stehen im großen Ausstellungsraum des Kunsthauses den Bildern der Ehrenhalle gegenüber. Sie sind Gegenwart und Vergangenheit. Wo früher Rassismus und Unmenschlichkeit stand, erleben wir heute Toleranz und Willkommenskultur.

Für die Vernissage am kommenden Sonntag plant Helle außerdem eine Performance. Er gestaltet einen Nebenraum als Ehrenhalle für Frieden, Toleranz und Empathie. Zwei seiner Freunde werden hier per Computerspiel die Flucht eines Menschen nach Europa nachvollziehen: „So wie im Computerspiel schaut auch die Gesellschaft objekthaft auf die Flüchtlinge.“

Seine Ausstellung ist Kritik daran und ein Appell an die Menschlichkeit. Nach seinen Besuchen in den Flüchtlingsheimen hat Jenrik Helle selbst einen Schritt gemacht, der Vorbildcharakter hat: Er hat für sich entschieden, dass er viel Platz in seinem Häuschen in Buchholz hat. Er hat einen Flüchtling bei sich aufgenommen.

21. September bis 25. Oktober, Kunsthaus Jesteburg. Vernissage ist am Sonntag, 20. September, 15 Uhr. www.jenrikhelle.de