Harburg
Performance

Hüpfende Männer vor knallbunten Krachkisten

Die Hamburger Künstlerin Tintin Patrone zeigt zwei Monate lang Installation, die klingen

Die Hamburger Künstlerin Tintin Patrone zeigt zwei Monate lang Installation, die klingen

Foto: Susanne Rahlf / HA

Das Kunsthaus Jesteburg will am Eröffnungstag der Kunst und Kulturwoche das Publikum mit einer unorthodoxen Performance erfreuen.

Jesteburg.  Pünktlich zur Eröffnung der Kunst und Kulturwoche am Freitag, 10. Juli, startet im Kunsthaus Jesteburg eine neue Ausstellung. Wobei das Wort Ausstellung nicht wirklich zu dem passt, was die Besucher hier erwartet. Die Hamburger Künstlerin Tintin Patrone, alias Christina Köhler, zeigt dort bis Ende August Objekte und Installationen. In ihnen verbindet sie bildende Kunst mit Musik und Sound zu einem schrillbuntem Cocktail, der die Sinne überraschen und die Besucher auf neue Wege der Wahrnehmung führen will.

Versteht sich von selbst, dass deshalb auch die Vernissage am Freitag, nicht mit anderen Ausstellungseröffnungen vergleichbar ist. Um 19 Uhr, eine Stunde nach der offiziellen Eröffnung der Kunstwoche, die am Spethmannplatz stattfinden wird, beginnt eine Performance vor dem Kunsthaus, die bei so manchem Kunstinteressierten garantiert Fragen aufwirft. Dort ist eine große Hüpfburg aufgebaut, in der sich junge Männer, alle gekleidet in Trainingsanzügen, so weit es geht einen einigermaßen standfesten Platz suchen. Dann wird es schräg, denn die Herren werden quietschen, knarren, gurren, jaulen, klicken, blubbern oder auch quietschen. Und zwar nicht selbst, sondern mittels der bunten „Krachkisten“, die die Künstlerin entwickelt hat. Allein diesen Anblick, erwachsene Männer die in einer wackeligen Hüpfburg Krach machen, sieht man auch als weit gereister Kunstinteressierter nicht alle Tage: „Wir machen etwas, woran des Kunstpublikum und die Jesteburger viel Spaß dran haben werden“, verspricht Kuratorin Isa Maschewski. Nach der Performance wandern die Kisten ins Kunsthaus und werden zu Ausstellungsstücken, zu Objekten und Skulpturen.

Eine ganz freie Perspektive auf Musik

Die Krachkisten hat die Künstlerin, die sieben Jahre an der Hochschule für bildende Kunst in Hamburg studiert hat, eigentlich ihrer eigenen Neugier zu verdanken. „Ich hab mir schon immer gern Sachen selbst angeeignet.“ Sie hat nie Musikunterricht gehabt, ein Instrument technisch perfekt spielen kann sie auch nicht. Dennoch ist ihre Affinität zu Musik sehr hoch, Sie hat schon als D-Jane bearbeitet, als sie ihren künstlerischen Weg suchte, kam sie schnell zu Videoinstallationen, wo der Sound immer eine sehr präsente Rolle spielt. Diese Unbedarftheit was das Spielen angeht half ihr dabei, eine ganz freie Perspektive auf Musik zu entwickeln. „Das war so einen Do-it-yourself-Idee: Machen und sich nicht durch Gegebenheiten einschränken zu lassen“, sagt sie darüber. Die Künstlerin begann aus ausrangiertem Spielzeug den Korpus der Krachkisten zu entwickeln. Die zurückgenommene Gestaltung ist angelehnt die „Geräuscherzeuger“ des italienischen Futuristen Luigi Russolo, den die Geräuschewelt moderner Großstädte und Maschinen dazu inspirierte, Instrumente zur Geräuscherzeugung und eben auch“Geräuscherzeuger-Kästen“ zu bauen.

Nachdem die Herrschaften in der Hüpfburg genug Krach auf den Kisten fabriziert haben, geht es im Kunsthaus selbst weiter. Dort setzt sich Tintin Patrone an die „Schweineorgel“, natürlich ist die von ihr selbst gebaut. Dazu improvisiert ein Pianist auf einem Konzertflügel. „Im Gegensatz zu den Krachkisten geht es leiser und poppiger zu“, verspricht die 32-Jährige. Auch ihre „Budda Boxen“ verbinden bildende Kunst und Musik. Diese Schaukästen sind beleuchtet, quietschbunt und erinnern vom Design her an asiatische Comics und Mangas. Aber Tintin Patrone hat natürlich auch den Sound nicht vergessen. „Ich sehe sie als moderne Gebetsboxen“, sagt sie.

„Ich verbinde für mich, was mir sinnvoll erscheint. Kunst und Musik gehen für mich Hand in Hand“

Weiterhin hat sie auch den Innenraum des Kunsthauses in ihre Werkschau einbezogen. Zwei der sonst neutral weißen Wände hat sie in einem knalligen Blau gestrichen. An einer hängt eine Wandinstallation aus Schaumstoff in Form von zwei großen Händen, „mit Licht und Sound“. Aus ihrem Atelier, das sie in Hammerbrook mit drei anderen Künstlern teilt, hat die gebürtige Marburgerin außerdem zwei Gebetsteppiche mitgebracht. Wie sie diese Objekte mit Geräusch und Musik verquickt, darüber will sie noch nichts verraten. Aber auch hier gilt: „Ich verbinde für mich, was mir sinnvoll erscheint. Kunst und Musik gehen für mich Hand in Hand.“

An allem, was Tintin Patrone präsentiert, soll sich der Besucher reiben: „Diese Kunst soll nicht klar sein, sondern will Fragen stellen“, definiert Kuratorin Isa Maschewski die Intention ihrer Künstlerin.