Harburg
Selbstversuch mit Drogen

Berauschte Heilpraktiker "hatten völlig Kontrolle verloren“

Einer lag auf dem Rasen, einer winselte und einer saß auf der Treppe und musste sich dauernd übergeben“, sagte eine Augenzeugin.

Hamburg/Inzmühlen. Die Geschäftsführerin der Stiftung „Heilende Kräfte im Tanz“, in deren Tagungszen­trum im niedersächsischen Inzmühlen vor gut eineinhalb Wochen 29 Heilpraktiker nach der Einnahme von Rauschmitteln kollabierten, hat sich gegenüber dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ als „stinksauer“ bezeichnet. „17 Jahre war dies ein Ort der Einkehr und des Friedens“, so Stefka Weiland. „Und dann nehmen die irgendwelche Substanzen ein, deren Wirkung sie offensichtlich nicht kennen.“

Sie habe an jenem Freitag gegen 14 Uhr „so ein schreiendes Stöhnen“ vernommen und sei in den Garten gegangen. „Ich stieß auf drei Leute, die völlig die Kontrolle verloren hatten. Einer lag auf dem Rasen, einer winselte und einer saß auf der Treppe und musste sich dauernd übergeben“, schildert die Tanzpädagogin ihren ersten Eindruck. Eine vierte Person sei orientierungslos zur Straße gelaufen und musste von ihr eingefangen werden. Als sie die Seminarleitung sprechen wollte und die Tür zum Seminarraum öffnete, habe sich ihr ein unheimliches Bild geboten. „Die Teilnehmer lagen auf dem Boden, stöhnten und hatten keine Kontrolle mehr über sich.“ Auf ihren Notruf hin seien fast 200 Rettungskräfte „wie eine Armee“ eingefallen, hätten die Patienten fixiert und Kanülen gelegt. „Der Seminarraum glich einem Feldlazarett.“ Nach dem vierstündigen Einsatz sei alles voller Blut, Verbandsmaterial und Kleidung gewesen. Der gummigelagerte Holzfußboden, der nie mit Schuhen betreten wurde, sei zerkratzt. Drei Tage habe sie sauber machen müssen, so Stefka Weiland.

Im Laufe des Wochenendes seien die aus dem Krankenhaus entlassenen Heilpraktiker wieder eingetrudelt, um ihr Gepäck abzuholen. „Manche kamen barfuß und wirkten immer noch verstört“, so Stefka Weiland. Die Heilpraktiker hatten das 250 Jahre alte Haus schon mehrmals gebucht und wären stets „angenehme Gäste“ gewesen. Dieses Mal hätten sie sich mit der Herstellung homöopathischer Mittel beschäftigen wollen, die am eigenen Leib ausprobiert werden sollten .