Harburg
Sterbebegleitung

Hospiz Nordheide: Zu Besuch im letzten Zuhause

Die Gäste und ehrenamtlichen Helfer versuchen sich im Square Dance

Die Gäste und ehrenamtlichen Helfer versuchen sich im Square Dance

Foto: Corinna Panek / HA

Zehn Jahre gibt es das Hospiz Nordheide, das jetzt zum Tag der offenen Tür geladen hat. Eine Führung an durch einen besonderen Ort.

Buchholz. Von Traurigkeit ist hier nichts zu sehen – Gäste und ehrenamtliche Helfer juchzen, weil sie gerade freundlich genötigt wurden, sich im Squaredance zu versuchen. „Linksvorbeiundrechtsvorbei“, singt der „Caller“ ins Mikrofon. Andere lassen sich Kaffee und Obstkuchen schmecken. Das Hospiz Nordheide feiert anlässlich seines zehnjährigen Bestehens ein Sommerfest.

Obwohl in diesem Haus Menschen wohnen, die sehr bald sterben werden, geht es hier oft heiter zu. Schon die hellorange gestrichenen, von Oberlichtern erhellten Flure sorgen für Aufmunterung. Jeder soll hier sein Leben einfach weiterleben können – bis es zu Ende ist, nach dieser Prämisse wird im Hospiz der Alltag gestaltet. Birte Rantze, Pflegedienstleiterin, führt die Besucher an diesem Tag der offenen Tür ins Haus und erzählt erstaunliche Dinge. „Wir sind hier im Raum der Stille, aber der ist oft gar nicht so ruhig“, erläutert sie in dem kleinen Zimmer mit Sesseln, Sofa und Bücherregal. „Eine Dame hat hier einmal ganz in Ruhe ihren Sarg gestaltet und dekoriert. Dazu hat sie Bilder gemalt, die sie ihren Angehörigen geschenkt hat“, erklärt Birte Rantze.

Birte Rantze: „Wir versuchen so gut es geht, auf die Wünsche unserer Gäste einzugehen“

Maria Lepin ist beeindruckt: „Das könnte ich mir auch vorstellen“, sagt die 70-Jährige mit den leuchtend roten Haaren. „Ab einem gewissen Alter muss man sich doch mit seinem Ende auseinandersetzen, sonst packt man es nicht mehr. Deswegen bin ich heute hier“, sagt sie. Später erzählt sie, dass in ihrem Umfeld Menschen gestorben sind, ohne liebevoll begleitet worden zu sein, und von mit der Situation überforderten Angehörigen. Sie selbst hat bei einem Krankenhausaufenthalt eine Frau kennengelernt, die ins Hospiz wollte. „Also bin ich heute hier, um mir das anzuschauen“, sagt Maria Lepin.

Die Führung beginnt am Boxsack. „Den haben uns Angehörige eines Gastes geschenkt“, sagt Birte Rantze. „Man darf draufhauen, wann immer einem danach ist.“ Geradezu das Gegenteil dazu ist der Klangstuhl, ein Ohrensessel aus Holz. An seiner Rückseite sind etwa 60 Saiten aufgespannt, die unisono erklingen und den Stuhl in Schwingungen versetzen. Der sonore Ton gibt der Person im Sessel ein Gefühl von Raumklang und Entspannung.

Im Wintergarten stehen richtige Instrumente bereit, ein Klavier und eine Gitarre. Hier ist der zentrale Treffpunkt des Hauses, Speiseraum und Klönstube. Während für die Bewohner in einer kleinen Küche täglich frisch gekocht wird, können sie oder ihre Angehörigen im Wintergarten in einer Küchenzeile selbst Essen zubereiten. „Wir versuchen so gut es geht, auf die Wünsche unserer Gäste einzugehen“, sagt Birte Rantze. Gemeint ist damit vor allem, dass es anders als im Heim oder Krankenhaus keine Essenszeiten gibt, nach denen die Patienten sich richten müssen. Sondern die Hospizgäste können ihre Essgewohnheiten beibehalten, denn „den eigenen Rhythmus zu ändern, ist zu anstrengend.“ Viermal in der Woche bereiten die ehrenamtlichen Mitarbeiter das Abendessen für die Gäste zu.

Finanzierung übernehmen Kranken- und Pflegekassen; zehn Prozent der Kosten werden durch Spenden gedeckt

Ein Zuhause auf Zeit will das Hospiz seinen Gästen – Patienten sagt man hier ausdrücklich nicht – sein. Das kann bedeuten, dass auch der Ehepartner hier übernachten darf, und selbstverständlich darf der Gast auch jederzeit ausgehen, wenn er sich dazu in der Lage fühlt. Nach Absprache dürfen selbst Haustiere mitgenommen werden, sofern der Gast sich um deren Versorgung kümmert und auch darum, wo das Tier nach dem Tod seines Besitzers verbleibt.

Ins Hospiz aufgenommen wird man, indem ein Arzt die begrenzte Lebenszeit bescheinigt. „Etwa 90 Prozent unserer Gäste sind Krebspatienten“, sagt Birte Rantze. In der Regel werden sie von ihren Hausärzten weiter betreut, außerdem stehen Palliativmediziner, Seelsorger und Psychologen bereit. Die kümmern sich bei Bedarf auch um die Angehörigen. Der Hospizgast zahlt für seinen Aufenthalt selbst nichts dazu. Die Finanzierung übernehmen die Kranken- und die Pflegekasse. „Wir müssen aber zehn Prozent der Kosten in Form von Spendeneinnahmen aufbringen. Das sind im Jahr rund 200.000 Euro“, sagt Geschäftsführer Peter Johannsen. Spenden können ans Hospiz Nordheide, Hamburger Sparkasse, DE51200505501383122114/ HASPDEHHXXX, erfolgen, oder an die Bürgerstiftung Hospiz Nordheide, Sparkasse Harburg-Buxtehude, DE13207500000005058987/NOLADE21HAM. Weitere Infos unter www.hospiz-nordheide.de.