Harburg
HOCH „ANNELIE“

Kühle Köpfe an feurigen Plätzen

Mehmet Kaya arbeiet vor dem Döner-Spieß bei 35 Grad. Unmittelbar am Grill ist es wohl mindestens 50 Grad, sagt er.

Mehmet Kaya arbeiet vor dem Döner-Spieß bei 35 Grad. Unmittelbar am Grill ist es wohl mindestens 50 Grad, sagt er.

Foto: Thomas Sulzyc

Fasten und literweise stilles Mineralwasser – wie Harburger in heißen Jobs mit der Bruthitze umgehen

Hamburg erwartet am heutigen Sonnabend den bisher heißesten Tag des Jahres – mehr als 35 Grad kann es laut wetter.de werden. Und zur Hitze kommt auch noch die Schwüle hinzu. Wer bei diesem Wetter arbeiten muss, hat es besonders schwer. Das Abendblatt hat Harburgs heiße Arbeitsplätzen besucht.

35 Grad zeigt das Thermometer hinter dem Tresen im „Döner Treff“, Am Centrumshaus 5, an. Die Raumtemperatur liegt bei 31,1 Grad. Ganz nah dran am Grill könne es 50 Grad werden, sagt Memet Kaya. Er schwitzt trotzdem nicht, keine Perle auf der Stirn. „Wenn man fastet, schwitzt man nicht so viel“, erklärt Memet Kaya. Für Muslime hat vor zwei Wochen der Fastenmonat Ramadan begonnen. Nach Sonnenuntergang tankt er ordentlich Flüssigkeit: „Ich trinke drei Liter am Abend“, sagt Mehmet Kaya.

Für Klara Edelburg sind Sauna-Temperaturen Alltag. Die 59-Jährige arbeitet als Hemden-Finisherin in der Wäscherei Hama an der Gazertstraße 9. Sie ist umzingelt von dampfenden Maschinen, mit denen sie am Tag zwischen 150 und 200 Oberhemden wieder in Form bringt. „An solch heißen Sommertagen ist es in unserem Arbeitsraum im Schnitt noch zehn Grad wärmer als draußen. Und das trotz zusätzlicher Ventilatoren und ständig offenen Fenstern“, sagt Klara Edelburg. So trinkt sie jetzt im Schnitt zwei Liter mehr als sonst, vornehmlich stilles Wasser.

Dachdecker kennen kein Hitzefrei

Die Bruzzelhütte in der Bremer Straße 239 serviert die schärfste Currywurst Hamburgs. „An der Friteuse wird es weniger warm als draußen“, sagt Wirt Stefan Rupprecht bei 34 Grad Außentemperatur. Feurig ist es in dem Kult-Imbiss immer, aber noch mehr, wenn die Sonne direkt auf die Hütte brennt.

Dachdecker kennen kein Hitzefrei. Auch bei 34 Grad beginnt der Arbeitstag um sieben Uhr und endet um 16 Uhr. Extremes Wetter gilt nicht als Ausrede: „In Grönland werden auch Dächer gedeckt“, sagt Thomas Hoppe. Zur Hitze meint der Harburger Dachdecker: „Wir finden es schön, dass endlich Sommer ist.“

Hartmut Sauer moderiert im Bürgerhaus Wilhelmsburg mehr als zwei Stunden lang eine Diskussion zur Olymia-Bewerbung – ohne einen Schluck Wasser! 29,5 Grad wird es bei Hamburgs zurzeit hitzigster Debatte heiß. Das ist kühler als die 34 Grad draußen.

Arbeiten bei Hitze

Einen Anspruch auf Hitzefrei haben Berufstätige nicht. Die Arbeitsstättenverordnung verpflichtet zwar Arbeitgeber, für eine gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur zu sorgen. An heißen Sommertagen darf die Obergrenze von 26 Grad Raumtemperatur überschritten werden.
Leistungsfähigkeit
Bereits ab 25 Grad Celsius sinkt die Leistungsfähigkeit pro zusätzlichen Wärmegrad um etwa zwei bis fünf Prozent. Die Folgen: Müdigkeit und Konzentrationsschwäche.
Trinken
Experten raten bei tropischen Temperaturen mindestens 2,5 Liter am Tag zu trinken. Bei großer Hitze kann der Körper bis zu zwei Liter Schweiß pro Stunde verlieren. Ideal sind Mineralwasser mit wenig Kohlensäure und verdünnte Fruchtsäfte.