Harburg
Neu Wulmstorf

Multifunktionales Familienzentrum wird teurer

„Wären wir nicht so unter Zeitdruck, würde die CDU-Fraktion das Projekt stoppen“, sagt Malte Kanebley, CDU Neu Wulmstorf

„Wären wir nicht so unter Zeitdruck, würde die CDU-Fraktion das Projekt stoppen“, sagt Malte Kanebley, CDU Neu Wulmstorf

Foto: Bianca Wilkens / HA

Der aktuelle Entwurf kostet eine Million Euro mehr. Die Fraktionen im Neu Wulmstorfer Gemeinderat streiten um Mehrkosten.

Neu Wulmstorf.  Vor knapp eineinhalb Jahren fiel der Entschluss: Die Gemeinde Neu Wulmstorf will sich den Neubau eines multifunktionalen Familienzentrums mit integrierter Kita und Mehrgenerationenhaus (MGH) leisten. Seither haben verschiedene Arbeitsgruppen an dem Entwurf gearbeitet, ihre Wünsche und Anregungen in die öffentliche Diskussion eingebracht.

Nach der jüngsten Sitzung des Bau-, Planungs- und Umweltausschusses steht nun fest, dass die Bücherei voraussichtlich nicht in das neue Gebäude umziehen wird. Die Mitglieder sprachen sich für die entsprechende Variante D4 aus.

Mehr als ein Dutzend Entwürfe wurden erarbeitet

Die Mitglieder der Arbeitsgruppen haben in den vergangenen Monaten mit Architekt Dittrich Trabitzsch mehr als ein Dutzend Entwürfe gemeinsam erarbeitet. Einige Wünsche, so Fachbereichsleiter Thomas Saunus, seien „kostenmäßig nicht darstellbar“ gewesen. Am Ende blieben deshalb zwei Varianten übrig, die nun den Ausschussmitgliedern vorgestellt wurden.

Demnach würde das Familienzentrum auf einer Grundfläche von rund 1110 Quadratmetern entstehen und Platz für die Kita, einen Bewegungsraum, sanitäre Anlagen, Lagerräume und ein Atrium im Erdgeschoss sowie das Mehrgenerationenhaus, den Familienservice, die Gleichstellungsbeauftragte, einen Sozialraum, die Küche, das Café und sanitäre Anlagen im Obergeschoss bieten. Außerdem würde das Standesamt mit seinem Trauzimmer in den Neubau umziehen. Der freigewordene Platz im Rathaus könnte somit künftig von der Bücherei mitgenutzt werden.

Baumaßnahme würde 4,6 Millionen Euro kosten

„Wir hatten zuletzt die Vorgabe, die Kosten um 25 Prozent zu senken, aber alle Funktionen im Neubau zu belassen. Das ist uns mit der Variante D4 schließlich gelungen“, sagte Trabitzsch. Dennoch würde die Baumaßnahme mit 4,6 Millionen Euro inklusive Pkw-Stellplätze, Möbel und Haustechnik zu Buche schlagen. „Wir haben mal mit einer Millionen Euro weniger angefangen zu planen. Wenn wir nicht so unter Zeitdruck stehen würden, würde die CDU-Fraktion jetzt das Projekt stoppen. Das ist einfach zu teuer“, sagte Malte Kanebley (CDU). Mit dem Familienzentrum will die Verwaltung den Engpass bei den Betreuungsplätzen beheben; für die Container am „Fuchsbau“ besteht nur eine befristete Baugenehmigung.

Jan-Thorsten Lüdemann (Gruppe UWG/CLU) gab sich optimistisch: „Natürlich liegt der Kostenvoranschlag über der Summe, die wir ursprünglich mal angedacht haben. Aber das Geld dafür haben wir in der Rücklage.“

Ausschussvorsitzender Thomas Grambow (SPD) betonte allerdings, dass derzeit lediglich die Eröffnungsbilanz der Gemeinde vorliege: „Eine Million oben drauf zu packen ist kein Problem, wenn man sie hat. Wir wissen aber nicht, wie es am Ende mit unseren finanziellen Rücklagen aussieht. Ich denke, dass wir uns nicht darauf verlassen können, dass das Geld für das Projekt auch wirklich da ist.“ Für weitere Beratungen beantragte er daher die Aufstellung der aktualisierten Zahlen für die Kita. „Wir möchten wissen, wie die Entwicklung an diesem Standort eingeschätzt wird“, so Grambow.

Ausschussmitglieder einigten sich auf die Variante D4

Zudem solle ausgelotet werden, welche Sparmöglichkeiten bestünden, wenn die Kita und das Mehrgenerationenhaus fertiggestellt, der Rest aber erst einmal im Rohbaustatus belassen würde. „Für uns hat die Verlagerung des Standesamtes eine untergeordnete Priorität“, so Grambow. Thomas Saunus betonte allerdings, dass im Rathaus akute Platznot herrsche. „Das ist nicht erst seit gestern bekannt, sondern den Diskussionen zum Familienzentrum in den letzten zehn Jahren vorausgegangen. Unsere Raumsituation entspricht oft nicht mehr den geltenden Vorschriften.“

Die Ausschussmitglieder einigten sich anschließend auf die Variante D4 mit einer Stimme Enthaltung. „Wir wollen die Entwürfe in den nächsten Wochen noch einmal in der Fraktion diskutieren“, erklärte Jan-Thorsten Lüdemann. Sollte der Gemeinderat Mitte Juli der Empfehlung des Ausschusses entsprechen, könnte das Familienzentrum nach derzeitigem Planungsstand im Juli 2017 fertiggestellt werden.