Harburg
Wilhelmsburg

Rialto-Kino macht neue Karriere als Wohnprojekt

Die Baulücke Vogelhüttendeich 30 heute: Ein Wandbild verbirgt das frühere Rialto-Kino

Die Baulücke Vogelhüttendeich 30 heute: Ein Wandbild verbirgt das frühere Rialto-Kino

Foto: Thomas Sulzyc

Auf dem Grundstück des früheren Kinos am Vogelhüttendeich entsteht ein Neubau für eine Wohngruppe. Im Erdgeschoss ist Platz für Kulturelles

Die Zukunft des Rialto-Geländes am Vogelhüttendeich 30 im Wilhelmsburger Reiherstiegviertel nimmt konkrete Gestalt an: Der neue Eigentümer Konrad Grevenkamp und seine Projektgesellschaft impuls21 haben eine Bauvoranfrage gestellt. Demnach soll auf dem Grundstück, auf dem noch der marode Bau des früheren Rialto-Kinos steht, ein 14 bis 15 Meter hohes Wohnhaus entstehen, in das eine Wohngruppe einziehen wird. Läuft alles glatt, könnte im Frühjahr 2016 Baustart sein, sagte Konrad Grevenkamp dem Abendblatt. Gut ein Jahr später wäre der Neubau fertig.

Das benachbarte Eckhaus aus der Jahrhundertwende, Mokrystraße 1-3, baut die Projektgesellschaft impuls21 zurzeit für eine Gruppe von gut 40 Bewohnern um, die in dem Gebäude gemeinschaftlich leben wollen. Die in dem Verein GoMokry organisierten Bewohner sind jung, bis Mitte 30 Jahre alt. Sie planen alles in Gruppenform, werden in Zehner-, Fünfer- oder Viererkonstellationen zusammenleben, die jeweils Bad und Küche teilen.

Ähnlich wird es in dem Neubau mit etwa insgesamt 700 Quadratmetern Wohnfläche auf dem Rialto-Grundstück aussehen. Kurt Grevenkamp wird das Gebäude gemeinsam mit den zukünftigen Bewohnern planen. Offen sei noch, ob die Wohngruppe darin zur Miete leben oder das Haus erwerben wird.

Die beiden Wohngemeinschaften werden auf dem Rialto-Grundstück einen gemeinsamen Innenhof haben. Vorgesehen ist ein gemeinsamer Fahrradkeller, der etwa 80 Zweirädern Platz bietet. Wilhelmsburg soll Modellstadtteil für autoarmes Wohnen sein – der Bauunternehmer Grevenkamp leistet seinen Beitrag dazu.

Das Erdgeschoss des Neubaus im Vogelhüttendeich 30 soll Räume für noch nicht näher beschriebene „kulturelle oder soziale Zwecke“ bieten. Der Verein GoMokry arbeitet Ideen für eine spätere Nutzung aus. Ob auch Kinoabende dazu gehören, ist bis jetzt nur Spekulation. Der Verein wollte ein Konzept zur sozialen und kulturellen Nutzung am vergangenen Donnerstag im Sanierungsbeirat Südliches Reiherstiegviertel der Öffentlichkeit vorstellen, hatte die Präsentastion dann aber abgesagt.

Wegen seiner Geschichte ist die Zukunft des Rialto-Grundstücks von großem öffentlichen Interesse in Wilhelmsburg. Zum Präsentationsjahr der Internationalen Bauausstellung Hamburg hatte der Wilhelmsburger Unternehmer Stephan Reifenrath im Mai 2013 das Rialto Lichtspielhaus beinahe 30 Jahre nach seiner Schließung für eine Saison wiedereröffnet. Die mehr als 330 Veranstaltungen, Filmvorführungen, Konzerte, Theater und Lesungen, hatten etwa 10.500 Besucher gehabt. Alle Versuche, einen Investoren für das Kino zu finden, scheiterten. Das marode Kino steht seit dem Oktober 2013 leer.

Die Geschichte des Rialto-Kinos am Vogelhüttendeich begann im Jahr 1913 als Reiher-Theater. Einen regelmäßigen Kinobetrieb gab es dort laut dem „Hamburger Kinobuch“ vermutlich ab 1921. Den Zweiten Weltkrieg überstand das Rialto unbeschädigt. Im Jahr 1987 gingen im Rialto die Lichter aus. Die damaligen Pächter Jan Junker und Susanne Richter stellten den Betrieb ein. Der Zuschauerschwund und defekte Heizkessel seien die Gründe dafür gewesen. Das Kino, das eine authentische Atmosphäre aus den 1950er-Jahren bot, machte anschließend noch eine Karriere als Kulisse für Fernsehkrimiserien. Jetzt wird der Investor ein alternatives Wohnmodell auf dem historischen Grund realisieren.