Harburg
Schützen

Harburg hat einen neuen König

Jubel beim Anlegen der Königskette: Ingo Volkland (von links), Conrad Bader und Hans-Joachim Blohm

Jubel beim Anlegen der Königskette: Ingo Volkland (von links), Conrad Bader und Hans-Joachim Blohm

Foto: Martina Berliner / HA

„Wiederholungstäter“: Der Eißendorfer Tischlermeister Ingo Volkland setzte sich im 1973. Schuss gegen Uwe Dunkel durch

Harburg hat einen neuen Gildekönig. Seit vorgestern regiert Ingo Volkland die Traditionsvereinigung. „Es war ein spannender und harter Kampf“, berichtete Bezirksamtsleiter Thomas Völsch bei der Proklamation. Harburgs „Bürgermeister“ hat das Duell der beiden Königsanwärter im Schießstand verfolgt. Auch der Erste Patron der Schützengilde, Enno Stöver, äußerte sich begeistert. „Es hat unglaublich viel Spaß gemacht. Die Stimmung war bestens.“

Rund hundert Menschen verfolgten das Drama um den Rest des bunt bemalten Vogels, der den Attacken der beiden Königsanwärter hartnäckig Widerstand leistete. Erst mit dem 1973. Schuss hatte Ingo Volkland um 17.54 Uhr den fingerlangen letzten Span von der Wand geholt. „Ich blickte gerade durchs Zielfernrohr und sah das Holz in 1000 Stücke zerspringen“, erzählt Uwe Dunkel, der selbst gern König geworden wäre. Dreimal hatte er bereits einen Versuch gestartet. Zuletzt allerdings vor zehn Jahren. „Ich werde ja noch oft die Gelegenheit haben“, tröstet sich der 68-Jährige.

„Wir sind beide gute Schützen. Ich hatte einfach nur Glück. Es geht schließlich um zehntel Millimeter. Und das auf 50 Meter Entfernung“, sagt Ingo Volkland. Der Eißendorfer gehört zwar „erst“ seit 1989 zur Gilde, ist aber immer und überall engagiert. Er ist Mitglied des Schießclubs Harburg, der Fahnenjunker und der Knopfsergeantenvereinigung. Lange Zeit war er Kompaniechef. Sogar als Gildekönig hat er schon Erfahrung. Er regierte 2004/2005. Erst kürzlich ging der 69-jährige aus dem Wettstreit ehemaliger Monarchen als „König der Könige“ hervor. Warum nun noch eine zweite Regentschaft? „Die Gilde ist ja nicht irgendein Schützenverein. Sie muss sich präsentieren“, sagt Ingo Volkland. Traditionspflege liegt dem Tischlermeister am Herzen. „Wir haben eine Verpflichtung der Bevölkerung gegenüber.“ Uwe Dunkel sieht das ähnlich. Weil es keine anderen Bewerber um das viel Zeit und Geld erfordernde Amt des Oberhaupts gab, war es für beide eine Frage der Ehre, einzuspringen und einen ehrlichen Wettkampf zu bestreiten. Geplant hatten weder Ingo Volkland noch Uwe Dunkel ihren Einsatz. Beider Ehefrauen waren nicht informiert. „Meine Frau hat mir schon vor elf Jahren auf großartige Weise beigestanden. Ich bin sicher, das wird sie wieder tun“, sagt der frisch gebackene König. Sie müsse sich erst noch an den Gedanken gewöhnen. Aber doch, ja, sie freue sich, bestätigt Anne Volkland. Ihre Stimme klingt noch etwas belegt. Aber ihre Augen strahlen. Ingo Volkland ist der dritte „Doppelkönig“ in 487 Jahren Gildegeschichte. Er wird wohl nicht der letzte sein. „Das Königsjahr war toll. Das mache ich noch mal“, kündigte Ex-Monarch Ulf Schröder an, während ihm die Königskette abgenommen und Ingo Volkland umgelegt wurde.