Harburg
Vogelschießen

Volksfest vor Harburger Rathaus fehlte das Volk

Schützengilde und Technische Universität luden zu „Sport und Spaß für alle“. Doch so ganz wollten die Massen am Sonnabend nicht strömen.

Harburg.  Zum 487. Vogelschießen musste die Harburger Schützengilde mit einer Tradition brechen: Statt auf dem Schwarzenberg wurde diesmal vor dem Rathaus gefeiert . War die Idee zunächst vor allem aus der Not heraus geboren, da auf dem Schwarzenberg Container für Flüchtlinge stehen, entwickelte sie rasch ganz viel Charme. Aus dem Vogelschießen, so die Hoffnung von Schützen und Bezirkamt, könne auf diese Weise ein echtes Volksfest werden.

Doch so ganz wollten die Massen am Sonnabendnachmittag nicht strömen, als die Schützen gemeinsam mit der Technischen Universität (TU) Harburg zu „Sport und Spaß für alle“ luden – das Schießen selbst wird übrigens erst am kommenden Wochenende auf dem Schwarzenberg stattfinden.

Die „Chance, aus dem Vogelschießen so etwas wie ein Stadtfest“ zu machen

Zwar sprach Bezirksamtsleiter Thomas Völsch bei der Eröffnung von einer „Chance, aus dem Vogelschießen so etwas wie ein Stadtfest“ zu machen. Die Präsentation von TU-Projekten sowie der Hochschulsport-Angebote im Festzelt schauten sich am frühen Nachmittag aber lediglich ein gutes Dutzend Besucher an. Anders als beim Start der Kooperation zwischen TU und Schützengilde vor zwei Jahren gab es diesmal kein Kräftemessen in Form eines sportlichen Wettkampfs – die räumlichen Möglichkeiten auf dem Rathausplatz waren einfach zu begrenzt.

Ralf Grote, Leiter des Präsidialbereichs der TU, ließ sich den Optimismus nicht nehmen. „Die Location hier hat auch für die TU den Vorteil, näher an die Menschen zu kommen“, sagte er. Mit drei Projekten zeigte sie, womit sich die Studenten beispielsweise beschäftigen. So präsentierte ein Team Roboter, die Fußball spielen können. Hamburg Ultra Legendary Kickers, kurz HULKs, heißen die kleinen Wunderdinger, die zunächst aufs Fußballspiel programmiert werden und die sich dann mit Hilfe einer Kamera auf dem Spielfeld orientieren. „Wir nehmen mit denen auch an Weltmeisterschaften teil“, erklärte Informatikstudent Florian Bergmann, 24.

Firma Chatiry Games unterstützt die Organisation Save the Children

Einen Stand weiter schwebte ein selbstgebauter Zeppelin der Erstsemester in der Luft, Vertreter des Hochschulsports luden zum Hüpfen auf Minitrampoline oder zum „Headi“, einer Kombination aus Tischtennis und Kopfballspiel, während Sohrab Shojaei Khatouni, 25, die mittlerweile fünf ehrenamtliche Mitarbeiter zählende Firma Charity Games vorstellte. „Wir entwickeln Spiele, die aufgrund von Spendengeldern kostenlos sind“, sagte er. 70 Prozent gehen an die Organisation Save the Children, der Rest wird für neue Games reinvestiert.

Für ihre weitere Arbeit hätten sie jetzt versucht, über Crowdfunding 14.000 Euro zusammenzubekommen. Knapp 6000 Euro fehlen noch. Wenn sie bis zum kommenden Donnerstag, 25. Juni, ausbleiben, geht das bisher gesammelte Geld wieder an die Spender zurück. „Das sind jetzt die entscheidenden Tage für uns“, sagte er.

Etwas mehr Action auf dem Rathausplatz

Und was war draußen los? An mehreren Ständen gab es Süßes, Deftiges und Spielspaß für die Kleinen. Amelie, 6, kämpfte sich in einem riesigen Wasserball durch das kühle Nass, sicher bewacht von Mutter Manuela Bartels. Die hatte sich zwar etwas mehr Action auf dem Rathausplatz erhofft, fand das Angebot für die Kinder aber nicht schlecht.

Etwas enttäuscht waren auch Sophie und Jan Hagel, die mit Lina Marie, 4, und Jarne Emil, 13 Monate, aus Neugraben gekommen waren. „Wir haben gedacht, dass es mehr Stände gibt“, sagte sie. Früher am Schwarzenberg, als sie selbst noch Kinder waren, sei es viel schöner gewesen.

Ob das Vogelschießen im kommenden Jahr wieder an altbekannter Stelle stattfindet, ist bisher noch offen. „Das müssen wir mit allen Beteiligten besprechen“, sagte Bezirksamtsleiter Völsch. Letzlich entscheide es die Gilde selbst. Unabhängig davon müsse der Schwarzenberg zeitnah von den Containern geräumt werden. Der amtierende König Ulf Schröder sah das nicht anders. Schwarzenberg und Schützen seien untrennbar miteinander verbunden. Andererseits sei der Standort im Harburger Zentrum eine Chance, das Fest wieder stärker ins Bewusstsein der Bürger zu rücken.