Harburg
Bestattung

Nenndorf diskutiert über Friedwald

Das Ole Försterhuus im Klecker Wald soll möglicherweise als Standort für Trauerfeiern im Friedwald dienen

Das Ole Försterhuus im Klecker Wald soll möglicherweise als Standort für Trauerfeiern im Friedwald dienen

Foto: Bianca Wilkens

Der Ortsrat in Klecken sprach sich dagegen aus. Ortsbürgermeister Jürgen Grützmacher befürchtet zuviel Kommerz im Klecker Wald.

Nenndorf. Die Bestattungskultur in Deutschland ist vielfältig. Auf den Friedhöfen gibt es schon seit vielen Jahren nicht mehr nur die klassischen Grabstätten mit Stein und Kreuz, auch anonyme Gräber und Urnenfelder sind mittlerweile häufig zu finden. Immer mehr setzen sich bundesweit aktuell auch Fried- und Ruhewälder durch. Die Gemeinde Rosengarten könnte im Klecker Wald ein solches Angebot schaffen – doch noch tun sich die Politiker mit dieser Art der Bestattung schwer. Sie vertagten die Entscheidung und wollen nun in den Fraktionen weiter über das Thema beraten.

Elf Friedwälder gibt es im niedersächsichen Landesforst

Hans-Martin Roese von den Niedersächsischen Landesforsten (NLF) warb auf der Sitzung des Finanzausschusses für den Friedwald. „Der Klecker Wald wäre ein Optimalstandort. Er bietet die Nähe zu Hamburg und auch die erforderliche Zugänglichkeit ist schon da“, sagte der Forstexperte. Die Errichtung eines Friedwaldes wäre für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation. „Sie hätten die Möglichkeit, das alte Forsthaus in das Konzept zu integrieren. Und die Gastronomie im Umkreis wird signifikante Umsatzsteigerungen verzeichnen, weil die Trauerfeiern immer in der Nähe des Friedwaldes stattfinden“, so Roese.

Derzeit gibt es elf Friedwälder im niedersächsischen Landesforst. 14.000 Menschen haben in ihnen bereits ihre letzte Ruhe gefunden. Die Nachfrage sei ungebrochen. „Die Leute haben verstanden, dass es hier nicht um ein anonymes Verscharren geht“, sagte Roese. Grabschmuck und Steine seien zwar verboten, nach der Urnenbestattung erinnerten aber kleine Tafeln an den Bäumen an die Verstorbenen – und das mindestens 99 Jahre lang. Die Grabpflege übernehme die Natur.

„Wir haben das Thema im Ortsrat behandelt und acht von 13 Mitgliedern haben dagegen gestimmt“

Darüber hinaus bleibe das Waldgebiet für alle Erholungssuchenden in seiner Funktion uneingeschränkt. „Und die Gemeinde geht keinerlei Risiken ein“, betonte Roese. Die Niedersächsischen Landesforsten und die Firma FriedWald sorgen für die Zugänglichkeit, legen Parkplätze an, tragen das Verkehrssicherungsrisiko und den gesamten Investitionsaufwand. Außerdem übernehmen sie die Verwaltung, die Kundenbetreuung – „nahezu ohne jedes Insolvenzrisiko“ – und das Marketing. Die Gemeinde werde dann abschließend mit drei Prozent des Nettoerlöses am Baumverkauf beteiligt. „Die Einnahme dürfte bei etwa 8000 bis 12.000 Euro pro Jahr liegen“, sagte Hans-Adam von Schultzendorff, Geschäftsführer der FriedWald GmbH.

Für Kleckens Ortsbürgermeister Jürgen Grützmacher ist das kein ausreichendes Argument für die Errichtung eines Friedwaldes. „Wir haben das Thema im Ortsrat behandelt und acht von 13 Mitgliedern haben dagegen gestimmt. Es gibt aus unserer Sicht gute Gründe, die gegen einen Friedwald sprechen“, so Grützmacher. Wie beispielsweise die Kommerzialisierung des Klecker Waldes, Probleme mit der Zuwegung und ein unnötiger Wettbewerb. „Wir werden die Friedhofsgebühren erhöhen müssen, wenn noch mehr Menschen in den Friedwald wechseln.“

Roese betonte allerdings, dass sich laut Prognose lediglich drei Einwohner aus der Gemeinde Rosengarten jährlich für den Friedwald entscheiden würden. „Sie werden keinen von einer klassischen Familiengrabstätte in einen Friedwald bekommen.“