Harburg
Sanierung

Große Umbaupläne für die Sprötzer Kirche

Pastorin der Sprötzer Kirche Ulrike Seebo sieht an vielen Ecken Handlungsbedarf

Pastorin der Sprötzer Kirche Ulrike Seebo sieht an vielen Ecken Handlungsbedarf

Foto: Corinna Panek / HA

Auf der Wunschliste stehen ein Teilabriss sowie der Neubau von Kindergarten und Gemeindesaal – doch der Weg dorthin ist noch weit.

Sprötze. Ein verwinkeltes Backsteinensemble, dem anzusehen ist, dass je nach Bedarf einfach der eine oder andere Anbau einfach drangesetzt worden ist – das ist die Kreuzkirche in Sprötze. Bei dem 50er-Jahre-Bau gehen Kirchenschiff, Gemeindesaal, Kindergarten und Pfarrhaus ineinander über. „Nicht mehr zeitgemäß“, urteilte die Landeskirche bei ihrer jüngsten turnusgemäßen Visitation. Vor allem deshalb, weil der Saal als Herzstück des Gemeindelebens nicht barrierefrei erreichbar ist: Eine steile, enge Treppe führt ins Dachgeschoss des Gebäudeflügels. Darunter befinden sich die Räume des Spielkreises.

Im Winter konnte die Kirche nicht durchgängig beheizt werden – aus Kostengründen

„Die Senioren schaffen es kaum, die Treppe hinauf und wieder hinunter zu kommen“, sagt Pastorin Ulrike Seebo. Manche müssten sich in der – heute ebenfalls total unmodernen – Lochziegelwand festhalten. Ein Raumtausch mit dem Spielkreis ist keine Lösung – auch für kleine Kinder stellt die Treppe ein Hindernis dar. Ganz abgesehen davon, dass auch der Saal mit seinen holzvertäfelten Dachschrägen und dem roten Linoleum den Charme der 50er versprüht. Auch energetisch ist das Gebäude von heutigen Standards meilenweit entfernt. In der Vergangenheit konnte die Kirche bereits aus Kostengründen im Winter nicht durchgängig beheizt werden.

„Die Gemeinde versucht schon seit zwölf Jahren, etwas anzuschieben“, sagt die Pastorin, die seit zwei Jahren in Sprötze tätig ist. Jetzt endlich nehmen die Pläne Form an. Und diesmal soll es kein weiterer Anbau an vorhandene Substanz werden, sondern eine Neubauplanung. Wobei nicht vergessen werden darf, dass die Planung für das Projekt noch ganz am Anfang steht und noch viele Fragen offen sind. So müsste das Pfarrhaus, das an den Gemeindesaal grenzt, abgerissen werden. „Das Haus ist vermietet, die Mieter wissen aber Bescheid“, sagt Pastorin Seebo, die selbst – was für Pastoren eher die Ausnahme ist – im Nachbarort Kakenstorf wohnt. Anstelle des Pfarrhauses würde ein größerer Kindergarten nach neuesten Standards angebaut.

Gesamtkosten werden auf rund eine Million Euro geschätzt

Der Gemeindesaal würde ebenfalls abgerissen, ob in Teilen oder im Ganzen ist noch offen. „Das ist etwas kompliziert: In jedem Fall müsse dieser Gebäudeteil verkleinert werden, da die vom Kirchenkreis bezuschusste Gebäudegröße an die Größe der Gemeinde gekoppelt ist“, erläutert die Pastorin Innerhalb dieses erlaubten Größenrahmens soll dann ein neuer, barrierefreier Gemeindesaal entstehen, der auch unterteilbar ist. Nur die eigentliche Kirche bleibt dann noch unverändert.

Die Gesamtkosten schätzt die Pastorin auf rund eine Million Euro. Diese Kosten würden sich Landeskirche, Kirchenkreis und Gemeinde je zu einem Drittel teilen. Die Kirchengemeinde muss daher einen Teil ihres Grundstücks verkaufen. „Eigene Ländereien haben wir ansonsten nicht“, sagt Ulrike Seebo. So werden 4200 Quadratmeter zu sechs Bauplätzen umgewandelt. „Von den Erlösen müssen wir allerdings die Hälfte an die Landeskirche abführen“, erklärt sie. Aus solchen Einnahmen könne die Landeskirche wiederum ihre Zuschüsse verteilen, „davon haben wir an anderer Stelle ja auch schon profitiert.“

Weil dennoch eine Finanzierungslücke bleibt, deren Höhe aufgrund der noch nicht abgeschlossenen Planung zudem noch unbekannt ist, geht es nun zunächst um die Frage, wie man weitere Einnahmen und Spenden einwerben kann. „Wir haben beim Ortsrat angefragt, die CDU-Fraktion kann sich vorstellen, uns zu unterstützen“, sagt die Pastorin. Da die Sprötzer Kirchengemeinde auch für die Nachbarorte Trelde und Kakenstorf zuständig ist, habe sie auch dort den Orts- beziehungsweise den Gemeinderat kontaktiert. Auch von dort kam Zustimmung für das Projekt. Vor allem für Sprötze ist ein wichtiges Argument, dass die rund 2300 Einwohner wenige Möglichkeiten haben, sich in großer Runde zu treffen.

Spenden sind jederzeit willkommen

Es gibt kein Gasthaus mehr, und die Räume von Vereinen sind naturgemäß ihren Mitgliedern vorbehalten. „Interessenten gibt es schon: für Konzerte, Kunsthandwerk oder Adventsmarkt“, zählt die Pastorin auf. Auch das Repaircafé, das im Gemeindehaus stattfindet, hat sich binnen eines Jahres etabliert. Im vergangenen Jahr hatte erstmals die Seniorenweihnachtsfeier der Ortschaft in der Kirche stattgefunden, möglich, dass es auch für diese Veranstaltung ganz neue Perspektiven gibt.

Nichtsdestoweniger sind Spenden für das Bauprojekt jederzeit willkommen. Noch völlig offen ist außerdem, ob und wovon eine neue Einrichtung für den Gemeindesaal angeschafft wird, ebenso, in welcher Weise ökologische Ausgleichsflächen für die Bebauung des Geländes geschaffen werden müssen.

Doch die Pastorin bleibt optimistisch. „Am liebsten wäre mir, wenn der Kindergarten 2016 eröffnen könnte und 2017 der Rest fertig würde“, sagt Ulrike Seebo. „Das ist mein Traumziel. Ich weiß, das ist sehr ehrgeizig, aber wir trauen uns das zu.“ Die Realisierung wäre nicht nur ein Gewinn für die rund 2000 Gemeindemitglieder aus den drei Dörfern, sie würde auch einen Beitrag zur Sicherung der Pfarrstelle leisten. Denn für die Bewerber auf die Pastorenstellen zählt heute auch immer mehr die Infrastruktur in der Gemeinde. „Die Gebäudesituation einer Gemeinde ist ein wichtiger Faktor bei der Stellensuche für Pastoren“, sagt Ulrike Seebo. An diesem Sonnabend werden die Pläne beim Sprötzer Dorffest präsentiert.