Harburg
Hittfeld

Ruhestand: Lehrerin hält alle Fäden in der Hand

Lehrerin Elvira Wittenberg (Biologie/Sport) geht im Juli in den Ruhestand

Lehrerin Elvira Wittenberg (Biologie/Sport) geht im Juli in den Ruhestand

Foto: Susanne Rahlf / HA

Die Sport- und Biolehrerin Elvira Wittenberg verabschiedet sich vom Gymnasium Hittfeld – nicht ohne eine große Tanzshow.

Hittfeld. Es ist eine sehr emotionale Zeit für Elvira Wittenberg: 35 Jahre hat die heute 65-Jährige den Schülern am Gymnasium Hittfeld Biologie beigebracht und ihre Schützlinge im Sportunterricht gescheucht. Zum Ende des Schuljahrs wird sie gemeinsam mit vier weiteren Kollegen in den verdienten Ruhestand verabschiedet. Fragt man heutige Gymnasiasten und ehemalige Schüler, fällt jedem sofort eine Geschichte zu ihrer resoluten, aber auch liebevollen Lehrerin ein, immer schwingt eine große Portion Respekt und Bewunderung in den Erzählungen mit. „Sie macht ganz klare Ansagen“, sagt eine Schülerin. Vor allem der Sportunterricht ist eigentlich allen präsent, denn bei Elvira Wittenberg waren Unlust und lahme Ausreden, warum man nicht mitmachen konnte, kein Hinderungsgrund in die Sportklamotten zu steigen und sich in Bewegung zu setzen. Immer war sie vorneweg dabei, ihr Temperament hätte es gar nicht zugelassen am Rand einer Sportanlage zu stehen und den Schülern beim Schwitzen zuzuschauen.

„Die Bewegung, die Musik, die Kreativität und das Miteinander – ich kann mich dieser Leidenschaft total hingeben“

„Sie erwartet, dass man da ist, man muss schon einen sehr sehr guten Grund haben, um abzusagen“, erzählen auch die 46 Frauen, die zurzeit im Forum der Schule eine Tanzperformance mit ihrer ehemaligen Lehrerin einstudieren. Gemeinsam mit 14 Schülerinnen, die Elvira Wittenberg noch bis zu den Ferien in ihrer Jazztanz-AG unterrichtet, werden sie am letzten Schultag ein „Best of“ der schönsten Produktionen auf die Bühne bringen – es ist eine Hommage und eine Liebeserklärung an eine Lehrerin, die eine festen Platz in ihren Erinnerungen an die Schulzeit hat.

„Tanzen ist mein Leben“, sagt die Pädagogin. „Die Bewegung, die Musik, die Kreativität und das Miteinander – ich kann mich dieser Leidenschaft total hingeben“. Gleich nach dem Wechsel nach Hittfeld, Wittenberg unterrichtete vorher acht Jahre am Albert-Einstein-Gymnasium in Harburg, gründete sie die Tanz-AG. „Das war aber kein lustiges Gehopse, sondern sehr anspruchsvoll und harte Arbeit“, berichten ihre ehemaligen Schülerinnen. Alle ein bis zwei Jahre studierten die Mädchen eine Tanz-Produktion ein. „Carmina Burana“, „Hänsel und Gretel“, „New York, New York“, „Alucardo“, „Hair“ oder auch „Macbeth“ – Elvira Wittenberg entwickelte die Ideen, die Stoffe und natürlich die Choreografie für die Aufführungen. Dass sie bei den Proben Feldwebelqualitäten an den Tag legte, fanden alle in Ordnung, denn ohne ihre Zielstrebigkeit wäre aus den Aufführungen wahrscheinlich wirklich nur „Gehopse“ geworden.

„Bei Elvira liefen immer alle Fäden zusammen“, erzählt Sarah Kirchberger, die schon als Grundschülerin Anfang der 80er-Jahre „Hänsel und Gretel“ sehen durfte. „Ich fand es toll: Das Hexenhaus marschierte, Nebel waberte und die Hexe war furchtbar gruselig.“ Beeindruckt hat auch viele ehemalige Schülerinnen, dass das, was die Lehrerin ihnen abverlangte, noch viel mehr für sie selbst galt. „Als sie nach einem Skiunfall das Bein in Gips hatte, haben wir bei ihr Zuhause im Wohnzimmer geprobt, es ist unglaublich, wie sie Menschen motivieren kann“. Alle Frauen, die bei Wittenberg tanzen durften sind ihr heute noch dankbar, denn sie hat ihnen auch wichtiges Handwerkzeug für ihren weiteren Lebensweg mitgegeben: „Man lernt, nicht aufzugeben und dass man an einer Sache so lange arbeitet, bis sie richtig gut ist.“

Große Fußstapfen: Schulleiter Stefan Weinreich bedauert das Ausscheiden der Kollegin

Damit auch die letzte Aufführung der Tanz-AG unter der Ägide Wittenbergs perfekt wird, proben die ehemaligen Schülerinnen schon seit drei Monaten. Dafür hat die Lehrerin die besten Szenen aus 30 Jahren ausgewählt, die ein letztes Mal die ganze kreative Bandbreite Wittenbergs zeigen sollen.

Wenn die Ferien beginnen ist Schluss für die Lehrerin. „Ich weiß gar nicht, wer in ihre riesengroßen Fußstapfen treten könnte“, bedauert Schulleiter Stefan Weinreich das Ausscheiden der Kollegin. Die will ihren (Un)ruhestand natürlich sehr aktiv angehen, alles andere entspräche auch nicht ihrem Temperament. Sie will reisen, nach Argentinien und Kroatien und auf Wandertour gehen. Bis dahin freut sie sich über jeden Tag, den sie mit ihren Schülern erleben darf: „Ich genieße jede Unterrichtsstunde“,sagt sie und dann schleicht sich ein kleines Tränenglitzern in ihre blauen Augen.


Das „Best of“ der Tanz-AG wird am Sonnabend, 11. Juli, im Forum des Gymnasiums Hittfeld um 15 und um 19 Uhr aufgeführt. Die Karten kosten drei Euro für Schüler, sechs Euro für Erwachsene. Sie sind erhältlich in der Buchhandlung Seevetal in Hittfeld und ab dem 3. Juli in der ersten und zweiten großen Pause im Sekretariat der Schule.