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Stadtbau

Jesteburg hofft auf Sanierungsgeld aus Hannover

Visualisierung der Objekte in Jesteburg, die saniert werden müssen

Visualisierung der Objekte in Jesteburg, die saniert werden müssen

Foto: WRS Architekten

Die Gemeinde bewirbt sich für das Städtebauförderungsprogramm des Landes, um die Sanierung des Jesteburger Dorfkerns umsetzen zu können.

Jesteburg. „Wir erfinden das Rad nicht neu: Wir wollen es aber jetzt ans Laufen bringen“ – das sagte Samtgemeindebürgermeister Hans-Heinrich Höper zu Beginn des Bürgerinformationsabends zur neuen Ortsmitte am vergangenen Mittwoch im Heimathaus. Rund 50 Interessierte wollten an diesem Abend ganz genau wissen, wie dieses „Rad“ denn nun ins rollen gebracht werden könnte.

Die Gemeinde hat ihre Hausaufgaben gemacht

Eins ist klar: Jesteburg muss seinen Dorfkern aufwerten. Ansonsten droht langfristig eine Verödung und Verarmung des Lebensmittelpunktes für die Einwohner. Wie man dem begegnen will, welche Mittel und Möglichkeiten es gibt, darüber informierten Klaus von Ohlen vom Sanierungsträger BauBeCon und Sebastian Stegemann vom Architektenbüro WRS. Die Gemeinde hat ihre Hausaufgaben gemacht, schon seit 2007 hat man analysiert, was zu tun ist, um Jesteburg als attraktiven Wohn- und Geschäftsort in die Zukunft zu führen. Daraus entstanden ist das Konzept „Jesteburg 2020“. Darin enthalten ist der „Masterplan Ortsmitte“, in dem es darum geht, den Abzug von Geschäften aus dem Ortskern zu stoppen und ihn durch eine zeitgemäße Neugestaltung attraktiv zu gestalten.

Das Sanierungsgebiet umfasst rund 23 Hektar und geht von der Eisenbahnbrücke an der Hauptstraße bis zum Gelände an der ehemaligen Festhalle. Das Planungsbüro WRS hat zu diesem Zweck ganz konkret all die Geschäfts- und Wohngebäude, Plätze und Straßen benannt, die im Sinne der neuen Ortsmitte Sanierungsbedarf haben oder sogar abgerissen werden könnten. Die Umsetzung könnte für die Gemeinde finanziell eigentlich nur dann zu stemmen sein, wenn Jesteburg Mittel aus dem Städtebauförderungsprogramm des Landes Niedersachsen bekäme. Zum 1. Juni werden die Anträge in Hannover eingereicht, frühestens im kommenden Frühjahr könnten die Gelder bewilligt werden. Im Herbst 2016 würden dann die Baumaßnahmen anlaufen.

Es geht um etwa sechs Millionen Euro

Insgesamt geht es um knapp sechs Millionen Euro, die über acht Jahre in die Sanierung der Ortsmitte fließen sollen. Davon sollen allein rund vier Millionen Euro für den Bau von zwei Kreiseln investiert werden, einmal an der Ecke Hauptstraße/Lüllauer Straße und zum anderen an der Kreuzung Hauptstraße/Sandbarg. Weiterhin müssen Straßen erneuert und barrierefrei ausgebaut werden und auch Nebenwege besser integriert werden, sowie öffentliche Plätze attraktiver gestaltet werden. Darüber hinaus könnte Geld für die Sanierung von gewerblich genutzten Objekten im Ortszentrum ausgegeben werden.

Diese Maßnahmen sowie die Modernisierung von historischen Gebäuden im Ortskern könnten mit bis zu 30 Prozent bezuschusst werden, außerdem könnten die Ausgaben dafür über zehn Jahre komplett steuerlich abgeschrieben werden. Eine Information, die die anwesenden Geschäftstreibenden und Hausbesitzer im Heimathaus sehr beruhigte. Ebenfalls beruhigend ist der Finanzplan, der über die anvisierten acht Jahre laufen soll. Denn die Kosten werden gerecht geteilt: Bund und Land übernehmen je ein Drittel, das Säckel der Kommune wäre nach heutigem Stand pro Jahr mit rund 255.000 Euro belastet.

Karte zeigt Stellen in Jesteburg, bei denen Sanierungsbedarf besteht

Erstmals gezeigt wurde auch eine Karte, die ganz dezidiert alle Stellen und Objekte in der Jesteburger Ortsmitte aufzeigt, bei denen Sanierungsbedarf festgestellt worden ist. Dazu gehören markante Gebäude in Jesteburg. Im Verlauf der Hauptstraße bestehen beispielsweise Sanierungsbedarf an dem Gebäude, in dem der Penny-Markt ist, in den Bereichen unter der Eisenbahnbrücke und neben der alten Mühle, am Hotel Niedersachsen und am Haus gegenüber, in dem ein Friseur untergebracht ist. Ebenfalls Sanierungs- oder Modernisierungsbedarf haben Gebäude an der Lüllauer Straße, unter anderem die Häuser, in denen ein Möbelgeschäft, eine Pizzeria und eine Spielhalle untergebracht sind.

Einige Gebäude sind nicht mehr zu retten

In Punkto leerstehende Flächen in der Dorfmitte hat die Gemeinde ja bereits erste Sanierungsmaßnahmen angeschoben, so wird zurzeit das Förster Hus komplett neu aufgebaut und auch für die daneben stehende Fläche, das Clement Areal Ost, hat sich die Verwaltung für eine Neubebauung mit einem Gesundheitszentrum und öffentlichem Platz entschieden. Nicht mehr zu retten sind nach Ansicht der Planer die Alte Mühle, das Einfamilienhaus auf dem Clement Grundstück oder auch das alte Hausmeisterhaus auf dem Schulgelände am Sandbarg.

Der Abriss dieser Gebäude könnte aus dem Topf des Städtebauförderprogramms finanziert werden und würde die Eigentümer nichts kosten. Auch an der Sanierung der Straßen, Wege und Plätze müssten sie sich nichts beteiligen. Allerdings wird für sie nach acht Jahren, wenn die Sanierung des Ortskerns abgeschlossen wäre, doch ein Obolus fällig: Für die Wertsteigerung des Standortes müssten sie einen Ausgleichbeitrag zahlen, aber der bewege sich erfahrungsgemäß im einstelligen Eurobereich, beruhigte Klaus von Ohlen die Anwesenden.