Harburg
Buchholz

„Emotionen haben im Unterhaltsrecht nichts zu suchen“

Juristen informierten im Familienbüro über Folgen einer Scheidung

Buchholz.  Heiraten und nie mehr arbeiten müssen – die Zeiten sind vorbei. Heiraten und ewig Unterhalt zahlen müssen – diese Zeiten auch. Im Grund ist heute jeder selbst für seinen Unterhalt verantwortlich. Über die aktuellen Regelungen des Unterhaltsrechts haben jetzt zwei Juristen in der Kantine des Rathauses informiert. Eingeladen zu dem Informationsabend hatte das Familienbüro in Kooperation mit der Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft.

Katharina Hovehne arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Fachanwältin für Familienrecht in Buchholz. Gemeinsam mit ihrem Sozietätskollegen Nils Kluge, ebenfalls Fachanwalt für Familienrecht, erzählte sie aus ihrem beruflichen Alltag.

Die Juristin hat Erfahrung damit, was alles zwischen zwei Menschen passieren kann, die geheiratet haben, und weiß: „Unterhaltsrecht ist das schwierigste Rechtsgebiet überhaupt, bis zu einer Einigung gibt es regelmäßig ein sehr langes Gezerre. Das liegt daran, dass mit der Situation so viele Emotionen verknüpft sind.“

Schließlich versuchen alle Beteiligten nach einer Trennung, einen Lebenssachverhalt zu regeln, der auf Jahre wirkt – und Menschen verbindet, die eigentlich nichts mehr miteinander zu tun haben wollen. Um Gefühle und Konflikte gering zu halten, arbeitet Hovehne daher mit der Idee einer Familienkasse, in die eingezahlt wird und aus der einer von beiden – meist die Frau – nach Auflösung der Ehe Ansprüche hat. „Dann geht es weniger um die Personen, sondern um die gemeinsame Kasse. Es tut weniger weh.“

Seit der Unterhaltsreform von 2008 gibt es nicht mehr automatisch Unterhalt nach einer Scheidung, sondern nur, wenn einer der beiden einen gesetzlich normierten Anspruch darauf hat und ihn auch geltend macht. Grundlage der Berechnung ist immer das „Ehegehalt“, also das gemeinsam während der Ehe erzielte Einkommen. Wer während der Ehe nicht gearbeitet hat, hat spätestens ab der Scheidung eine Erwerbsverpflichtung. Und wer dieser grundlos nicht nachgeht, kann unter Umständen ein fiktives Gehalt bei der Berechnung der Unterhaltsfrage vom Gericht zugrunde gelegt bekommen. Bis wann Unterhalt gezahlt wird, ist bei der Trennung und späteren Scheidung nicht bekannt, da sich die Grundlagen für Ansprüche jederzeit ändern können.

Wer weiteren Rat rund um das Thema Beruf und eigene Absicherung sucht, kann sich an die Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft wenden: Kirchenstraße 3 in Buchholz, Telefon 04181/940 56 38.