Harburg
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SPD sieht Gefahr durch Rad-Raser im Channel-Tunnel?

Neues Krisengebiet? Der Channel-Tunnel zwischen Neuer Straße und Karnapp

Neues Krisengebiet? Der Channel-Tunnel zwischen Neuer Straße und Karnapp

Foto: Lutz Kastendieck

SPD-Fraktion macht Channel-Tunnel zum Gegenstand eines Antrags, in dem sie von rücksichtslosen Radfahrern und gefährdeten Fußgängern berichtet.

Harburg. Die SPD-Fraktion hat mit dem Channel-Tunnel zwischen Neuer Straße und Karnapp ein neues Krisengebiet ausgemacht. In jüngerer Vergangenheit sei es dort wiederholt zu Konflikten zwischen Fußgängern und Radfahrer gekommen, wie einem Antrag der Harburger Sozialdemokraten zu entnehmen ist, der am kommenden Mittwoch, 20. Mai, Thema im hiesigen Regionalausschuss ist.

„Uns wurde wiederholt von Bewohnern und Firmeninhabern aus dem Binnenhafen berichtet, dass rücksichtslose Radfahrer mit hoher Geschwindigkeit in den Tunnel einfahren und diesen dann auch in ähnlicher Weise durchfahren“, begründet Fraktionschef Jürgen Heimath den Vorstoß. So habe es mindestens zwei Unfälle und zahlreiche Situationen gegeben, in denen eine Kollision nur um Haaresbreite abgewendet werden konnte. Dabei seien mehrfach Mütter mit Kinderwagen betroffen gewesen.

Ursprünglich war die unterirdische Querung von B 73 und Bahntrasse als reiner Fußgängertunnel konzipiert worden. Auf Antrag der Grünen war sie 1997 auch für den Radverkehr freigegeben worden. Seitdem wurde das Verkehrszeichen 239 (Gehweg) um das Zusatzzeichen 1022-10 (Radfahrer frei) ergänzt. „Durch das Zusatzzeichen wird dem Radverkehr zwar ein Benutzungsrecht eröffnet, allerdings nur in Schrittgeschwindigkeit“, heißt es in einer offiziellen Erklärung des Wasserschutzkommissariats 3, in dessen Zuständigkeitsbereich die Zufahrtsrampe am Karnapp liegt.

Die Rampe am Karnapp weist ein beträchtliches Gefälle auf

Tatsache ist indes, dass jene Rampe ein beträchtliches Gefälle aufweist. Wer hier nicht bremst, erreicht die Tunneleinfahrt mit deutlich höherem Tempo als Schrittgeschwindigkeit. Überdies ist der etwa sechs Meter breite Tunnel nicht in getrennte Spuren für Fußgänger und Radfahrer geteilt, weshalb Konflikte bei einer nicht angemessenen Fahrweise vorhersehbar sind.

Unterdessen liegen weder dem Harburger Polizeikommissariat 46, die für die Tunnelzufahrt an der Neuen Straße zuständig ist, noch der Wasserschutzpolizei „Erkenntnisse, Anzeigen oder Hinweise über Gefahrensituationen oder Unfälle“ vor. Dennoch hat es am 14. April einen Ortstermin gegeben, an dem auch Vertreter der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt und des Bezirksamtes teilgenommen haben. Die Quintessenz dieser Zusammenkunft: Einschneidende Maßnahmen sind nicht erforderlich.

„Die anwesenden Dienststellen sind einvernehmlich zu der Auffassung gekommen, dass weder eine verkehrsbehördliche, noch bauliche Veränderungen angezeigt sind“, teilte Bezirksamtsleiter Thomas Völsch in einer schriftlichen Stellungnahme mit. Für eine bauliche Trennung seien im Übrigen auch gar „keine ausreichenden Breiten“ vorhanden.

Alle Beteiligten sehen die Notwendigkeit einer weiteren Verbindung

Zudem würde eine Trennung des Rad- und Fußverkehrs insbesondere am nördlichen Tunnelausgang (Karnapp) zu einem höheren Unfallrisiko führen, da die sich ergebende, eingeengte Radverkehrsführung entlang der Innenkurve zu einer „größeren Sichtbarriere als heute führen würde“. Überdies würden weitere Konflikte provoziert, weil davon auszugehen sei, dass Fußgänger und Radfahrer die ihnen zugewiesenen Verkehrsflächen „mutmaßlich“ nicht einhalten würden.

„Von allen Beteiligten wurde jedoch vor dem Hintergrund der aktuellen Wohnungsbauentwicklungen im Binnenhafen mittelfristig die Notwendigkeit einer weiteren Radwegeverbindung zur Harburger Innenstadt gesehen“, so Völsch. Was einem weiteren Plädoyer für die umstrittene Landschaftsbrücke auf Höhe Schlossstraße gleichkommt.

Dennoch will man sich nicht den Vorwurf der Untätigkeit machen lassen. Deshalb wurde vereinbart, die Beleuchtungssituation im Tunnel zu verbessern. Die dafür zuständige Dienststelle wurde aufgefordert, umgehend die zwölf defekten Deckenleuchten instandzusetzen. Außerdem soll die Abteilung Stadtgrün dafür sorgen, dass der Bewuchs an der Rampenanlage zur Neuen Straße nicht zu hoch wächst, um eine freie Sicht auf die von den Fußgängern genutzte Treppe zu gewährleisten.

Der SPD-Fraktion gehen diese Maßnahmen unterdessen nicht weit genug. Sie fordert, wieder Kameras zu installieren, um so eine dauerhafte Videoüberwachung des Tunnels zu ermöglichen. Allerdings ist kaum davon auszugehen, dass sie tatsächlich realisiert wird.