Harburg
Tostedt

Kita-Streik frustriert Eltern: „Langsam reicht es“

Frederrik, 4, der Sohn von Gerhard und Nadine Höying wäre gerne zur Kita gegenagen. Zum Glück konnte Oma Inge (r.) einspringen

Frederrik, 4, der Sohn von Gerhard und Nadine Höying wäre gerne zur Kita gegenagen. Zum Glück konnte Oma Inge (r.) einspringen

Foto: Bianca Wilkens

Eltern aus Tostedt machten ihrem Ärger über die streikenden Erzieher Luft. Bürgermeister Dörsam setzt sich für Gebührenerstattung ein.

Tostedt.  Die vergangene Woche hatte es in sich für Familie Höying und Oma Inge Kuschnereit aus Tostedt. Die Kita Dieckhofstraße machte von Montag bis Freitag dicht. Die Erzieher kämpfen für zehn Prozent mehr Lohn und eine Aufwertung ihres Berufs. Keine Notbetreuung, nichts. „Für uns war das schockierend“, sagt die 29-jährige Nadine Höying.

Die Krankenschwester arbeitet im Schichtdienst und war vergangene Woche nachts eingeteilt. Mit Kollegen zu tauschen war so kurzfristig unmöglich. Also kümmerte sie sich am Montag, ohne zu schlafen, um ihren vierjährigen Sohn Frederik. „Eigentlich ist es unverantwortlich, unausgeruht in den Nachtdienst zu gehen“, sagt sie. Den Rest der Woche sprang Oma Inge Kuschnereit ein.

Streikwoche habe den Bogen überspannt

Ja, sie habe Verständnis für die höheren Gehaltsforderungen der Erzieher, sagt Nadine Höying. „Die Arbeit ist eine hohe Belastung, keine Frage.“ Aber die Streikwoche hat den Bogen für sie überspannt. Es ärgert sie, dass der Ausstand so kurzfristig angekündigt wurde. Vor allem aber, dass es keine Notbetreuung in der Kita Dieckhofstraße gab. „Damit wird der Streik auf den Rücken der Eltern ausgetragen“, sagt sie.

Gemeinsam mit anderen Eltern und deren Kindern zog Nadine Höying zum Tostedter Rathaus und konfrontierte Samtgemeindebürgermeister Peter Dörsam mit ihrem Frust. „Ich will in den Kindergarten“, brüllten die Kinder. Die Verwaltung hat zwar versucht, den Eltern entgegen zu kommen, in dem sie einen Raum auf dem Schulgelände an der Poststraße zur Verfügung gestellt hat. Doch das Angebot wurde nicht angenommen. „Wer sollte denn da die Verantwortung übernehmen?“, fragt Nadine Höying. Was die Mütter und Väter brauchten, waren Betreuungskräfte. Und die gab es nicht.

Eltern nehmen Urlaub, Großeltern springen ein und die Gebühren laufen weiter

Notgedrungen mussten einige Eltern Urlaub einreichen oder ihre Kinder mit zur Arbeit nehmen. Familie Höying hatte Glück. Oma Inge, 63, die mit im Haus der Familie Höying wohnt, konnte einspringen. Nicht nur den Sohn Frederik, 4, auch dessen Cousine Jil, 3, die ebenso die Kita Dieckhofstraße besucht, nahm sie in ihre Obhut. Ein gutes Gefühl hatte Nadine Höying dabei aber nicht, weil ihre Mutter auch berufstätig ist und am Abend nach der Kinderbetreuung ihre Arbeit antrat. „Damit hatte sie einen Zwölf-Stunden-Tag. Das ist für meine Mutter auch eine hohe Belastung“, sagt sie.

Zumal Familie Höying die komplette Woche die Gebühren für die Kinderbetreuung gezahlt hat. „Das waren 100 Euro, die wir mal eben so in die Luft geschossen haben“, sagt Nadine Höying. Bürgermeister Dörsam macht aber Hoffnung, dass das Geld für die nicht geleistete Kinderbetreuung an den Streiktagen später erstattet wird. Er kündigte an, das dem Rat vorzuschlagen. „Ich glaube auch, dass es von der Politik getragen wird“, so Dörsam.

Bislang planen die Kitas in Tostedt zwar nicht, am Montag weiter zu streiken. Sollte es aber wieder dazu kommen, versprach Dörsam, sich für eine Notbetreuung einzusetzen.

Er kann die Forderungen der Erzieher nachvollziehen. „Aber die Gehaltserhöhungen zu bezahlen, ist für uns als alles andere als einfach“, sagt er. Mehr als die Hälfte der Kita-Kosten trägt die Samtgemeinde. Lediglich 23 Prozent werden mit Hilfe der Gebühren gedeckt. Den Rest übernimmt das Land.