Harburg
Landkreis Harburg

Imker fürchten herbe Verluste

Die Varroa-Milbe befällt die Larven der Bienen im Stock

Die Varroa-Milbe befällt die Larven der Bienen im Stock

Foto: Alexander Körner / dpa

Dank des milden Frühjahrs 2014 konnte sich die Varroamilbe stark ausbreiten. Jedes vierte Bienenvolk hat das nicht überlebt

Rosengarten.  Niedersachsens Imker sind besorgt: Jedes vierte Bienenvolk ist nach Angaben des Celler Instituts für Bienenkunde an den Folgen des Varroamilbenbefalls gestorben. Weniger Bienen bedeutet nicht nur weniger Honigertrag für die Imker, sondern auch weniger Bestäubungsleistung im Obstbau .

Die genaue Auswirkung auf die Ernte von Kirschen, Äpfeln und Birnen lässt sich heute noch nicht voraussagen. „Die Blüteneinwanderung beginnt mit der Kirschblüte, frühestens in zwei Wochen, bei schlechter Witterung vielleicht auch erst in vier Wochen“, erklärt der Leiter der Obstbauversuchsanstalt in Jork, Karsten Klopp. Die Imker bringen dann ihre Bienenvölker direkt zu den Obstplantagen. Erst wenn die Blütezeit vorüber ist, lasse sich etwas über die zu erwartende Ernte sagen. Auch der Leiter der Buchholzer Außenstelle der Landwirtschaftskammer , Ulrich Peper, kann noch keine Prognose ausgeben, gibt aber zu Bedenken, dass auch die Rapsblüte betroffen sein könnte. „Wir müssen aber abwarten, wie es tatsächlich aussehen wird.“

Dass auch die Imker im Landkreis Harburg in diesem Jahr besonders unter dem Schädling leiden, bestätigt der Vorsitzende des Kreis-Imkerverbands, Clemens Tandler aus Rosengarten. „Bei uns sind es etwa 30 Prozent Verlust, normalerweise sind es 15 Prozent“, sagt er. Eine Ursache dafür ist das lange, warme Frühjahr im Vorjahr, dadurch gab es zusätzliche Brutzyklen bei den Schädlingen.

Die Varroamilbe schleicht sich in die Brutzellen der Bienen ein und saugt Blut aus deren Larven, bevor die Zellen von den Arbeitsbienen verschlossen werden. Gleichzeitig legt sie Eier, aus denen sich männliche und weibliche Milben bilden, die sich in den verschlossenen Brutzellen weiter vermehren und von den Bienenlarven ernähren. Aus ihnen entwickeln sich missgebildete Bienen mit Bisswunden sowie verkürzten Flügeln und Hinterleibern. Die verstümmelten, geschwächten Bienen können ihren Stock nicht sauber halten und machen das Volk so anfällig für weitere, tödliche Parasiten. Diese Phase dauert etwa bis Juni.

Nach der Rapsblüte sollten Imker ihre Bestände alle 14 Tage kontrollieren. Befallene Bienenstöcke können mit organischer Säure behandelt werden. „Danach ist allerdings keine Honigentnahme gestattet“, sagt Clemens Tandler. Das bedeute, auf Honig aus der Sommer- und auch der Heideblüte zu verzichten. Der Kreis-Imkerverband hält seine Mitglieder dazu an, innerhalb einer Behandlungswoche im Juli gemeinsam gegen die Milben vorzugehen. „Leider schaffen es nicht immer alle mitzumachen“, so Tandler.

Dass Imker immer wieder Bienenvölker nach Varroa-Befall verlieren, nehmen die einen hin, andere, insbesondere Ältere, geben aber auch auf. „Von Totalverlust kann aber noch keine Rede sein“, sagt Clemens Tandler. Wahr ist aber auch: Die einst aus Osteuropa eingeschleppte Varroamilbe wird die Imker weiter beschäftigen. Den Parasiten zu besiegen, sei nicht mehr möglich, „der Zug ist abgefahren.“ Nur das Ausmaß lässt sich wohl noch in Grenzen halten. „Man muss sich gut im seine Bienen kümmern, sie behandeln und den Befall im Auge behalten“, mahnt Clemens Tandler.