Harburg
Nach Massenschlägerei

Erneut eskaliert Streit unter Flüchtlingen in Harburg

Verletzter Eritreer meldet sich bei der Polizei. Erst am Sonnabend gab es eine Massenschlägerei in dem Heim am Schwarzenberg.

Hamburg. Wieder eskalierte ein Streit unter Flüchtlingen in der Zentralen Erstaufnahme (ZEA) am Schwarzenberg in Harburg. Nachdem es bereits am Sonnabend zu einer Massenschlägerei mit 16 Verletzten albanischer und afrikanischer Herkunft gekommen war, musste die Polizei aus Hamburg und Niedersachsen dort in der Nacht zum Montag erneut mit einem Großaufgebot auffahren.

Nach Polizeiangaben ist ein Eritreer gegen Mitternacht im Kommissariat an der Lauterbachstraße in Harburg mit einer Kopfverletzung aufgetaucht. Er erklärte, er sei von Albanern zusammengeschlagen worden. Daraufhin eilten insgesamt 15 Streifenwagen und mehrere zivile Kräfte aus Hamburg zu der Unterkunft am Schwarzenberg. "Eine erneute Massenschlägerei konnte so verhindert werden", sagte eine Polizeisprecherin. Der Eritreer wurde indes ins Krankenhaus gebracht.

Vorfall steht im Zusammenhang mit Massenschlägerei

Auch Polizeibeamte und ein Hubschrauber aus Niedersachsen waren in der Nacht im Einsatz. Die Hintergründe des Streits seien weiter unklar, heißt es von der Polizei. Die Ermittler gehen aber davon aus, dass die Auseinandersetzung in unmittelbarem Zusammenhang mit der Massenschlägerei vom Vortag steht.

Dort entbrannte nach Polizeiangaben am Sonnabend gegen 12.30 Uhr ein Streit zwischen mehreren Eritreern und Albanern. Unbestätigten Aussagen von Bewohnern zufolge soll die Benutzung einer Waschmaschine Anlass für den Streit gewesen sein. In der Folge attackierten sich die etwa 40 Personen mit Holzknüppeln, Besenstielen und Stühlen gegenseitig. Dabei wurden 16 Menschen albanischer und afrikanischer Herkunft verletzt, 18 Personen von der Polizei in Gewahrsam genommen.

Die Polizei rückte am Sonnabend mit einem Großaufgebot aus 19 Streifenwagen und einem Zug von Bereitschafts- und Bundespolizei am Schwarzenberg an. Auch der Polizeihubschrauber „Libelle“ kreiste über der Wohnanlage. In der Folge konnten die beiden Streitgruppen getrennt werden. Bei der Schlägerei erlitten fünf Albaner unter anderem Armbrüche und Kopfverletzungen und wurden in ein Krankenhaus gebracht. Acht weitere Albaner wurden mit leichten Verletzungen vor Ort behandelt. Drei Eritreer konnten nach ambulanter Behandlung im Krankenhaus später entlassen werden.

Gegen 18.30 Uhr erreichte die Leitstelle erneut ein Notruf der Unterkunftsleitung. Mehrere Männer waren in einen weiteren Wohncontainer gestürmt, hatten die Matratze und die Kleidung eines Bewohners an sich gerissen und diese auf dem Hof in Brand gesetzt. Neben Polizeikräften entsandte auch die Feuerwehr 20 Beamte zu der Anlage. „Der Brand konnte gelöscht werden, bevor unsere Kollegen eintrafen“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr.

Unterkunft am Schwarzenberg stark überfüllt

Am Sonnabendabend beruhigte sich die Situation in der ZEA. Die in Gewahrsam genommenen Bewohner wurden später in die Aufnahmestelle zurückverbracht. Die beteiligte Gruppe von Eritreern hat die Polizei in die andere Harburger Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Postgebäude an der Harburger Poststraße umgesiedelt. „Der Vorfall wird strafrechtlich verfolgt werden“, sagte Polizeisprecherin Tanja von der Ahé. Das Landeskriminalamt hat die Ermittlungen nach der Schlägerei übernommen. Der Betreiber der Anlage, das öffentliche Unternehmen Fördern & Wohnen, müsse über weitere Konsequenzen entscheiden.

Derzeit leben nach Abendblatt-Informationen knapp 700 Personen in der aus Containern bestehenden Asylbewerberunterkunft. Die Anlage war im Oktober 2014 als provisorische Zusatzstelle für die überlastete Erstaufnahme in der Schnackenburgallee errichtet worden und ist eigentlich für 500 Flüchtlinge konzipiert. Aufgrund des Zustroms von Flüchtlingen konnte die Anlage nicht wie geplant bereits Ende März wieder abgebaut werden.

Es gebe derzeit kein neues Datum für die Aufgabe der Unterkunft, sagte Frank Reschreiter, Sprecher der Innenbehörde. Flüchtlingshelfer bemängeln die Enge in den Erstaufnahmen, die Spannungen zwischen den Bewohnern provoziere. Aus Mangel an Folgeunterkünften verbringen Flüchtlinge häufig deutlich mehr Zeit in der Erstaufnahme als die vorgesehenen drei Monate.