Harburg
Dibbersen

Chrom und Lack – bloß kein Kat

Oldtimertreffen Dibbersen

Oldtimertreffen Dibbersen

Foto: Corinna Panek

Raritäten auf vier und zwei Rädern, das macht den Charme des Oldtimertreffens in Dibbersen aus.

Dibbersen. Heiner Frommann ist mit dem kleinen Tretroller unterwegs. „Zwei- bis dreihundert Aussteller sind es wohl. Ich muss mir erstmal einen Überblick verschaffen“, sagt er und strahlt dank des Andrangs von Fahrzeugen und Zuschauern. Zusammen mit der Familie veranstaltet der Inhaber des Dibberser Traditionsgasthauses Frommann seit vielen Jahren am zweiten Aprilwochenende ein Oldtimertreffen mit Ausfahrt, Klönschnack und Vorführungen. Während der Sonnabend ganz im Zeichen der Rundfahrt durch die Heide steht, ist der Sonntag der große Schautag, an dem sich Oldie-Besitzer austauschen und ihre auf Hochglanz polierten Schätzchen dem Publikum vorführen.

Im ganzen Ortskern sind die geliebten und gehegten Oldies verteilt, es blitzen Chrom und Lack. Zuweilen riecht es auch so, wie Abgas früher roch, als es noch keine Katalysatoren oder gar alternative Antriebe gab. In Hofeinfahrten und in Frommanns Biergarten reihen sich BMW, Mercedes, Lloyds und Borgwardts aneinander, auch Käfer und Bulli, Passat und Golf sind zu finden: VWs Meistverkaufte haben auch schon das Oldtimer-Alter „30 plus“ erreicht.

Andere schwören auf Franzosen: Die Brüder Hans und Horst Rose zum Beispiel. Hans Rose aus Obermarschacht hat seinen 1965er Renault Dauphine Gordini, einen rostroten Kompaktwagen, mitgebracht. Den hat er seit etwa zehn Jahren. „Alles original, nur der Lack ist neu“, betont er. Genau so ein Modell war auch sein erstes Auto. Mit diesem hat er auch schon mal den ersten Preis bei einer Oldtimer -Schau des TüV in Harburg, Kategorie Pubilikumsliebling, gewonnen. Damit das Auto so schön bleibt, fährt Hans Rose damit auch nur bei Schönwetter.

Sein Bruder Horst fährt dagegen einen Sportwagen: einen Renault Alpine 310S. „Eine Rarität, davon wurden nur 400 Stück gebaut“, erklärt er stolz. Auch er gönnt sich damit ein Stück Jugenderinnerung, sein erstes Auto war der Alpine 110. Sein 31 Jahre alter Oldie aber ist noch gut erhalten, nur 53.000 Kilometer hat er abgespult. Auf dem Nürburgring ist Horst Rose damit auch gewesen, seitdem ziert ein Autogramm des französischen Rennfahrers Jeannot Ragnotti, den Rose dort traf, die Motorhaube. Die Außenhaut des Wagens hat Horst Rose mit einer sportlich aussehenden Folie beklebt. „Vorher war er blau, das war mir zu brav“, sagt er.

Dann muss die Dibberser Feuerwehr ausrücken – natürlich auch mit einem Oldie, und natürlich nur zu Vorführzwecken. Zum Einsatz kommt ein Löschfahrzeug, das 1967 für die Berufsfeuerwehr Hamburg gebaut wurde und später von der Werksfeuerwehr der Hauni-Werke übernommen wurde. Damit gelingt die „Brandbekämpfung“ an einem Vorführ-Häuschen, aus dem roter, stinkender Qualm dringt, recht schnell. Auch wenn das Wasser erstmal aus dem falschen Rohr schießt – das Publikum ist begeistert.

Außer Automobilen sind auch Motorräder, Kleinlaster und Traktoren beziehungsweise Landmaschinen zu sehen. Und so manche Rarität wie der russische „Tschaika“, eine Luxuslimousine, von der sich vermuten lässt, dass sie einst die sowjetische Führungsriege transportiert hat. Gerade fährt ein knallgrün-metallic-lackierter VW Passat I aus den frühen 70er-Jahren vorbei, „der sieht ja noch richtig gut aus“, staunt ein Zuschauer. Ein paar Schritte weiter gewährt ein ebenso alter VW Golf I Einblicke in den Motorraum. Sieht aus wie neu. Wie viel Arbeit dahinter steckt, ein altes Fahrzeug ansehnlich und vor allem fahrtüchtig zu erhalten, lässt sich nur erahnen. Die Liebe der Besitzer zu ihren Oldies ist dagegen nicht zu übersehen.