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So kommt Flüchtlingshilfe an

Die Unterstützung für Zuwanderer hat Strukturen angenommen. Ehrenamtliche Initiativen sind die besten Ansprechpartner

Harburg/Winsen. Mit einem prall gefüllten Rucksack hatte sich der Mann aus Neugraben aufgemacht, um die Bewohner der „Transit“ im Harburger Binnenhafen zu überraschen – und um seine Hilfe anzubieten. Sport- und Spielgeräte wollte er ihnen bringen, Federballschläger zum Beispiel. Eine spontane Idee. Als er das Schiff betreten wollte, wiesen Sicherheitskräfte ihn zurück. Was auf den ersten Blick unglücklich wirkt, hat seinen guten Grund: Fremden den Zugang zu politisch verfolgten Menschen zu gewähren wäre ein zu großes Risiko. Und auch hilfsbedürftige Menschen haben das Bedürfnis nach Privatsphäre, selbst wenn der Besuch gut gemeint ist.

Wie aber können Einheimische, die Flüchtlinge beschenken möchten, helfen? Das Abendblatt hat bei Betreibern von Flüchtlingsunterkünften im Stadtteil Harburg und im Landkreis Harburg nachgefragt. Resultat: Der beste Weg ist offenbar, sich an die ehrenamtlichen Vereine und Initiativen zu wenden, die sich überall um die Flüchtlingsunterkünfte gebildet haben. Hier werden Spender ihr Federballspiel am unkompliziertesten los.

„Es ist eine neue Entwicklung in Hamburg, dass sich an allen Standorten von Flüchtlingsunterkünften große Unterstützergruppen gebildet haben“, sagt Christiane Schröder, Sprecherin des städtischen Unterkunftbetreibers fördern & wohnen. Nach Angaben der Sozialbehörde engagieren sich sich 2000 Helfer in 70 Flüchtlingsunterkünften in Hamburg. Die Hilfsbereitschaft der Einheimischen ist groß und hat in Form der ehrenamtlichen Initiativen eine Struktur angenommen. Eine ähnliche Hilfsstruktur hat sich auch in den Gemeinden und Städten des Landkreises Harburg entwickelt.

Um die Menschen auf dem Wohnschiff „Transit“ kümmert sich die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe Binnenhafen. In ihr haben sich Bewohner des Wasserquartiers und Vertreter verschiedener Institutionen wie der Wasserschutzpolizei oder der Kulturwerkstatt zusammengetan. Die Initiative ist zurzeit nur per Email zu erreichen. Wer etwa spenden und helfen möchte, schreibt dorthin.

Auch fördern & wohnen hat Mitarbeiter auf dem Wohnschiff. Wer ein Federballspiel oder Fußbälle an Flüchtlinge verschenken möchte, wird kleine Spenden auch bei den Sozialarbeitern los – nicht bei Spontanbesuchen, sondern nach Absprache am Telefon.

Für Kleiderspenden hat sich mittlerweile ein eigener Weg etabliert: Wer Jacken, Pullovern oder Schuhe verschenken möchte, gibt die Ware bei den Sozialkaufhäusern und Umsonstläden ab. Die Hamburger Sozialbehörde veröffentlicht die Adressen auf ihrer Internetseite. Die Flüchtlinge kennen diese Kaufhäuser und würden dort einkaufen, heißt es bei fördern & wohnen. Zusätzlich nehmen ehrenamtlich betriebene Kleiderkammern Spenden entgegen. Aus Platznot verfügen nur wenige Flüchtlingsunterkünfte über solche Kammern. Ein gutes Beispiel: Die Kleiderkammer des Vereins „Die Insel hilft“ in Wilhelmsburg. Die im Verein zusammengeschlossenen Bürger betreiben die Kammer nicht nur selbst, sondern lassen Flüchtlinge dort mitarbeiten.

Nicht jede gut gemeinte Spende macht Sinn: „Die bei uns lebenden Flüchtlinge sind meist allein stehende Männer. Kinderkleidung hilft da nicht weiter“, sagt Johannes Freudewald, Sprecher des Landkreises Harburg. Was benötigt wird, wissen die ehrenamtlichen Initiativen am besten. Fahrräder seien im Landkreis gefragt, damit die Flüchtlinge mobil sind. Der Verein „Die Insel hilft“ bittet zurzeit um zweckgebundene Spenden in der Buchhandlung Lüdemann in Wilhelmsburg, um Bücher für den Deutschunterricht anzuschaffen. Wer mit Flüchtlingen ins Gespräch kommen möchte, trifft sie in ehrenamtlichen Cafés wie dem Refugio in Harburg.