Buxtehude

Wachtelkönig, der Bauplanblocker

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Radfahrer müssen auf lang ersehnten Radweg zwischen Buxtehude und Neu Wulmstorf verzichten

Neu Wulmstorf/Buxtehude. Er ist der Schrecken eines jeden Bauplaners: der Wachtelkönig. Jetzt macht er seinem Ruf wieder alle Ehre. Er droht die Planung für einen Radweg zwischen Buxtehude und Neu Wulmstorf zu kippen. Der geplante Radweg sollte teilweise durch das Vogelschutzgebiet „Moore bei Buxtehude“ führen, eines der größten Brutgebiete des Wachtelkönigs in Niedersachsen.

Das Amt für regionale Landesentwicklung verkündete das Aus der Baumaßnahme. „Wir können nicht ausschließen, dass die Radfahrer und Hunde negative Auswirkungen auf den Wachtelkönig haben“, sagte Michael Kießig. Er ist Projektleiter für das Unternehmensflurbereinigungsverfahren Rübke, beschäftigt sich mit dem Flächenmanagement im Zuge des Baus der Autobahn 26 und deshalb fällt der Radweg in sein Aufgabenfeld. Kießig beruft sich auf ein Gutachten, das er in Auftrag gegeben hatte. Danach könnte der Radweg die Brutplätze gefährden. Deshalb erklärte sein Amt die Baumaßnahme für unzulässig.

In Deutschland ist der Wachtelkönig selten geworden, weil auch die Brutplätze – feuchte, deckungsreiche Wiesen – rar geworden sind. Auf der Roten Liste bedrohter Arten wird der Vogel als „stark gefährdet“ eingestuft. Das Vogelschutzgebiet Moore bei Buxtehude wurde eigens für ihn geschaffen. Vor 20 Jahren wurden noch rund 20 Wachtelkönig-Paare in dem Schutzgebiet gezählt. Der Bestand ist inzwischen auf zwei bis fünf Paare geschrumpft. Umso akribischer wird jedes Bauvorhaben durchleuchtet, ob es sich mit dem seltenen Vogel verträgt.

Das Paradoxe an dieser Maßnahme: Der Radweg verläuft entlang der Bahnstrecke zwischen Buxtehude und Neu Wulmstorf. Das Rattern der Züge und Waggons lässt die streng geschützte Wiesenralle also kalt, vor Radlern aber flüchtet er? Kießig erklärt es mit dem Gewöhnungseffekt. Mit dem regelmäßigen Krach der Bahn ist der Vogel vertraut, mit Hund und Mensch aber nicht. „Der Vogel weiß, wenn die Bahn vorbeifährt, bedroht es mich nicht. Hunde und Menschen haben da eine andere Qualität der Beunruhigung“, sagt er. Ähnlich sei es mit den Wildgänsen in Kehdingen. Auf Autos und Busse reagierten die Wildgänse nicht weiter. „Sobald aber die Menschen aussteigen, gehen 10.000 Gänse in die Luft“, sagt Kießig.

Auch ein Ausnahmeverfahren sieht der Projektleiter nicht als erfolgversprechend an, da die Belange eines Radweges höher angesetzt werden müssten als die Belange eines Vogelschutzgebiets. Das gelang zuletzt nur mit der Autobahn 26. Selbst da musste die Trasse noch näher an die Ortschaft Rübke heranrücken, um das seltene Tier zu schützen. Damit ist das Thema für Kießig jetzt erledigt.

Für die Gemeinde Neu Wulmstorf jedoch nicht. Keine Fraktion, auch nicht die Grünen, konnten Verständnis für die durchkreuzten Radwegpläne aufbringen. „Den Bürgern ist das nicht zu vermitteln, und man weckt damit nicht gerade Verständnis für den Umweltschutz“, sagte Thomas Saunus, Fachbereichsleiter für Ortsentwicklung in der Gemeinde Neu Wulmstorf. Die Planungen für den Radweg sind mehrere Jahre alt. Insgesamt 93.000 Euro will die Gemeinde in den Bau investieren.

Selbst ein runder Tisch mit Vertretern der Gemeinde Neu Wulmstorf, der Stadt Buxtehude und des Amts für regionale Landesentwicklung blieb ohne Ergebnis. Thomas Saunus gibt sich aber kämpferisch: „Wir können und wollen uns damit nicht abfinden.“ Möglicherweise möchte die Gemeinde die Behörde noch einmal dazu bewegen, eine Ausnahme zu prüfen. Zugleich versucht der CDU-Landtagsabgeordnete Heiner Schönecke, noch beim Land etwas zu bewirken.

( (bwil) )

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