Kommentar

Eine aberwitzige Aufregung

Bianca Wilkens

Er verhinderte schon den Bau von Wohnungen in Neugraben-Fischbek, verlegte die Trasse der Autobahn 26 und jetzt – der Gipfel – bringt der Wachtelkönig sogar einen Radweg zwischen Buxtehude und Neu Wulmstorf zum Scheitern.

Die Aufregung um den scheuen Vogel nimmt so langsam aberwitzige Züge an.

Radler gelten als naturverliebte Menschen, die sich gern mit dem Fahrrad fortbewegen, weil sie die frische Luft genießen und weite Wiesen und Felder an sich vorbeiziehen lassen wollen. Sie wären sicherlich die letzten, die ohne Rücksicht auf Verluste in den Lebensraum der Vögel eindringen würden. Die Behörden aber, die jetzt den Radweg für unzulässig erklärt haben, tun so, als würden lauter Rambos die Brutplätze des seltenen Vogels zertrampeln.

Bitter für Neu Wulmstorf und Buxtehude, dass das Bauvorhaben nach jahrelanger Planung nun gestoppt wurde. Insbesondere da es an einer Strecke für Radfahrer fehlt. Die Bundesstraße 73 verbindet zwar die Ortschaften. Die Straße ist aber die letzte, an der Radfahrer gerne entlang fahren würden. Zu viel Lärm, zu viel Abgase. Wenn Bahnschienen und eine neue Autobahntrasse in der Nähe seines Reviers möglich sind, kann sich das scheue Tier auch nicht an einem Radweg stören. Offenbar ist doch etwas Wahres am Spruch vom Wachtelkönig, der als Zugvogel immer dorthin zieht, wo Verhinderer von Bauprojekten ihn brauchen.

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