Harburg
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Markt am Sand – da geht mehr

Die Aufwertung des Harburger Wochenmarktes ist ein äußerst mühsames Geschäft

Harburg. Ohne weitere Beratung ist am Montag im Wirtschaftsausschuss ein Antrag der CDU-Fraktion zu den Zukunftsperspektiven des Harburger Wochenmarktes geblieben. Dabei hätte sich eine Debatte durchaus gelohnt. Zwar ist in den vergangenen zwölf Monaten einiges geschehen. Doch der große Wurf ist noch immer nicht gelungen.

Dass der besagte Antrag vom 11. Januar 2013 überhaupt auf der Agenda gelandet ist, war lediglich der Tatsache geschuldet, dass ihn die CDU-Fraktion in der vorangegangenen Legislaturperiode nicht ausdrücklich für erledigt erklärt hat. „Zum Glück“, sagt Christdemokrat Martin Hoschützky, Mitglied des Wirtschaftsausschusses: „Es gibt noch einigen Erklärungs- und Nachsteuerbedarf, weil die Verwaltung hier etwas zäh agiert.“

Mitte vergangenen Jahres hatte der traditionsreiche Wochenmarkt nach schier endlosen Diskussionen endlich eine neue Struktur und eine Fläche für Kurzparker erhalten. Später war dann auch der Brunnen repariert und in seiner unmittelbaren Nähe ein Imbissbereich etabliert worden. Mit dem mobilen Stand einer Rossschlächterei, dauerhaft installierten Bistrotischen und dreieckigen Sonnensegeln. Letztere wurden am 23. Oktober aber gerade wieder demontiert. Um „Lawinengefahr“ vorzubeugen und die roten Segel vor dem Winterwetter zu schützen, ließ sie die Bezirksverwaltung reinigen und einlagern.

„Angesichts der vollmundigen Ankündigungen ist das Ergebnis doch ziemlich bescheiden ausgefallen“, sagt Hildegard Leitner, eine regelmäßige Besucherin des Wochenmarktes. Und steht mit ihrer Meinung nicht allein da. „Mit dem Wochenmarkt sind wir trotz der zuletzt umgesetzten Maßnahmen noch lange nicht da, wo wir eigentlich hin wollen“, so Martin Hoschützky.

Noch immer ungeklärt ist das Thema Markttoilette. Als Ersatz für die seit Jahren sanierungsbedürftige WC-Anlage sollten zwei Container in der leer stehenden Ladenfläche unterhalb des ehemaligen Blumenmarktes platziert werden. Das hatte das Bezirksamt Anfang September 2013 mitgeteilt. Die Container seien so konzipiert, dass darin eine öffentliche, behindertengerechte Toilette, sowie eine nur den Marktbeschickern vorbehaltene WC-Anlage untergebracht werden könnten.

Am 20. Oktober dieses Jahres war nun zwar die unterirdische Toilettenanlage am Schillerdenkmal zwischen den beiden benachbarten Kreditunternehmen Sparkasse Harburg-Buxtehude und Commerzbank mit Hinweis auf die vom Bezirksamt übernommenen Toiletten im S-Bahnzugang am Karstadt-Kaufhausendgültig geschlossen worden. Von den avisierten WC-Containern am Wochenmarkt aber fehlt noch immer jede Spur.

Ob sie da jemals auftauchen werden, ist ungewisser denn je. Bekanntlich wurde besagter Komplex Mitte September „wegen gefährdeter Standsicherheit gesperrt“. Es bestehe zwar keine Einsturzgefahr, machte die Verwaltung seinerzeit deutlich. Es müsse aber sichergestellt werden, „dass die Marktfläche nicht mehr hoch belastet wird, weder durch Fahrzeuge noch durch größere Menschenmengen“.

Daran hat sich bis dato nichts geändert. „Aufgrund eines Rechtsstreits zwischen Bezirksamt und dem ehemaligen Pächter und einem gerichtlich veranlassten Gutachten darf zurzeit an dem Baukörper nichts verändert werden“, teilte Bezirksamtssprecherin Beatrice Göhring auf Abendblatt-Anfrage mit. Deshalb würden die 150.000 Euro für die neue WC-Anlage auf Eis liegen. „Wir würden gern etwas tun, sind aber durch den Rechtsstreit gebunden“, versichert Göhring.

Dabei kommt der erzwungene Maßnahmen-Aufschub möglicherweise nicht mal ungelegen. Nach Abendblatt-Informationen rückt die lange gewünschte generelle Neubebauung der Westseite des Sands immer näher. So ist offenkundig die Entscheidung für einen Investor gefallen. Allerdings steht der unter einem gewissen zeitlichen Druck. Bis Ende November muss unter anderem eine Entscheidung über einen Alternativstandort für die Restaurant-Bar „Bolero“ gefallen sein, sonst verfällt die Zuschlagsoption. „Wir bleiben da ganz gelassen“, so Bolero-Chef Oliver Klühn, „unser Mietvertrag hat noch eine Laufzeit von elf Jahren.“