Harburg
Kommentar

Erst helfen, dann verabschieden

Das Beispiel von Tostedt zeigt, wie absurd die Asylpolitik in Deutschland ist.

Zahlreiche Einwohner von Tostedt haben eine Willkommenskultur mit Vorbildcharakter geschaffen. Viele Erwachsene opfern ihre Freizeit, um den fremden Menschen Deutsch beizubringen. Diejenigen, die die Sprache der Flüchtlinge nicht beherrschen, kommunizieren notfalls mit Händen und Füßen im „Internationalen Café“. Jugendliche bolzen mit Afrikanern. Es gibt zahlreiche Vereine, die die Flüchtlinge in gemeinnütziger Arbeit beschäftigen.

Eifrig will eine große Gruppe Tostedter den neuen Nachbarn signalisieren: Wir heißen dich willkommen, du wirst hier gebraucht. Und dann müssen sie mit ansehen, wie eine Verordnung namens Dublin II all ihre Bemühungen zunichte macht. Asylbewerber, die gerade erst angefangen haben, sich in Tostedt wohl zu fühlen, die sich mit der deutschen Sprache abreißen, die Freundschaften mit Einwohnern geschlossen haben, müssen oftmals in das europäische Land zurück, das sie zuerst betreten haben.

Das ist sowohl für die Unterstützer als auch für die Flüchtlinge ein Problem. Die Helfer fühlen sich betrogen. Den Flüchtlingen werden Perspektiven aufgezeigt, die sich am Ende doch zerschlagen.

Es ist bezeichnend, dass die Industrienationen ihre Produkte ungehindert in die ganze Welt verschiffen, sich aber vor notleidenden Flüchtlingen abschotten. Eine Schande.