Harburg
Heimfeld

Bostelbeker fürchten weiteren Lärm

Bürgermeister Olaf Scholz folgt einer Einladung der Bürgerinitiative. Hauptthema ist das neue Flüchtlingscamp

Heimfeld. Am 13.August erwartet die kleine Siedlung Bostelbek hohen Besuch. Bürgermeister Olaf Scholz wird dann in den hit-Technopark am Tempowerkring kommen. Er löst damit ein Versprechen ein, dass er Mitgliedern der Bürgerinitiative Bostelbek (BIB) bei seinem Auftritt im Harburger Bürgerzentrum Feuervogel im Vorfeld der jüngsten Bezirkswahl gab.

Dort hatten ihn Vertreter der BIB mit dem Informationsdesaster rund um die Einrichtung der neuen Flüchtlingsunterkunft konfrontiert. Und die Ansicht geäußert, dass über dieses Thema doch wohl noch einmal ernsthaft gesprochen werde müsse – quasi auf höchster Ebene. Zumal sich die Bostelbeker schon jetzt mit einer Vielzahl anderer Belastungen durch die Bahntrasse nach Cuxhaven, die Autobahn 7 sowie den wachsenden Containerverkehr konfrontiert sind. Und Hafenquerspange, neue Köhlbrandbrücke und A26 kommen erst noch.

Scholz mochte sich dem Wunsch seinerzeit nicht verschließen. Allzu kontrovers und emotional wurde und wird diskutiert, wie die Stadt die notwendigen Flächen für die Camps akquiriert und die entsprechenden Verfahren kommuniziert. Auch in Bostelbek lief da vieles an den unmittelbar betroffenen Anwohnern vorbei. Von den Plänen des Senats erfuhren die Siedler erst durch rechtswidrige Baumfällungen auf dem betreffenden Areal. So viel Ignoranz mochten sie sich nicht bieten lassen und gründeten im Frühjahr besagte Bürgerinitiative.

Der massive Anwohnerprotest bewirkte zwar, dass die Bezirksversammlung eine Reduzierung der ursprünglich geplanten 216 Unterkunftsplätze auf 100 sowie eine zeitliche Befristung des Containerdorfes beschloss. Doch der Senat setzte sich über das Votum des Harburger Gremiums hinweg und gewährte erst später einen leichten Abbau der Plätze auf „maximal 168“.

Noch immer empfinden die knapp 700 Bostelbeker Siedler die Anzahl der Unterkunftsplätze in unmittelbarer Nachbarschaft als sozial unverträglich. „Eine öffentlich-rechtliche Unterkunft in dieser Dimension hätte erhebliche Auswirkungen auf das Leben in der Siedlung und birgt die Gefahr einer Überforderung bereits bestehender Strukturen“, sagt die BIB-Vorsitzende Ineke Siemer.

Dennoch ist ein massives Umdenken bei den Mitgliedern der Bürgerinitiative erkennbar. Am Anfang war die „Nulllösung“ einzig denkbare Option. Davon sind inzwischen viele Bostelbeker abgerückt. „In Anbetracht der zunehmenden Flüchtlingsströme sind sich die Siedler ihrer sozialen Verantwortung durchaus bewusst“, so Ineke Siemer. Hilfsbereitschaft sei einer der höchsten Werte der Gemeinschaft Am Radeland. Das habe sich nach 1945 bereits in der Aufnahme vieler Kriegsflüchtlinge und Obdachlosen gezeigt.

Deshalb ist es inzwischen breiter Konsens, dass die aktive Integration von 100 Flüchtlingen durchaus zu leisten wäre. Insbesondere die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen wird dabei als ein wichtiger und zentraler Punkt gesehen, etwa durch Hilfe bei Hausaufgaben, dem Beschaffen von Schulmitteln, Spielsachen und Bekleidung sowie der Organisation sinnvoller Freizeitangebote.

Überdies hat die Bürgerinitiative in Zusammenarbeit mit Technopark-Chef Christoph Birkel ein Konzept entworfen, das beispielhaft für die ganze Stadt werden könnte. „Weil wir den künftigen Bewohnern der Flüchtlingsunterkunft echte Perspektiven aufzeigen wollen, sollen Kontakte zur heimischen Wirtschaft geknüpft werden, um arbeitswillige Flüchtlinge zu Jobs zu verhelfen“, erklärt Ineke Siemer. Um die Qualifikation der Fachkräfte unter den Migranten zu prüfen, zu bestätigen und gegebenenfalls zu verbessern, soll der in Harburg beheimatete Elbcampus, die Bildungseinrichtung der Hamburger Handwerkskammer, ins Boot geholt werden. „Auf diese Weise könnte Harburg in der Flüchtlingspolitik zu einer Art Förder- und Ideenschmiede ausgebaut werden, was sicher auch dem Image des Bezirks zugute käme“, sagt Siemer. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass auch der Senat den Siedlern entgegen komme und deren Bereitschaft zur Integration nicht überfordere.