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„Erst einmal sich selber helfen“ – Online-Therapie kann helfen

Forscher der Leuphana Universität in Lüneburg halten Online-Therapien als Mittel gegen psychische Belastungen für durchaus sinnvoll. Bislang sind die allerdings noch verboten.

Lüneburg. Wer unter psychischen Belastungen leidet, kann sich mit Online-Therapien ein Stück weit selbst helfen. Das zeigen Studien der Leuphana Universität Lüneburg. Psychologen haben dort die Ergebnisse eines Trainings untersucht, das über das Internet läuft und sich an Lehrerinnen und Lehrer wendet. Ihr Ergebnis: Nach sieben Wochen zeigen sich die ersten Erfolge.

Sechs Module des Programms zeigen den Probanden, wie sie Probleme lösen können und kognitive Techniken trainieren, um Stresssituationen umzudeuten und zu bewältigen. In ihrer Studie haben die Forscher festgestellt: Nach sieben Wochen hatten die Frauen und Männer eine geringere depressive Symptomatik, konnten wahrgenommenen Stress und emotionale Erschöpfung besser balancieren und auftretende Herausforderungen bewältigen. Die Effekte seien auch in Folgeuntersuchungen nach drei und sechs Monaten noch messbar gewesen.

„Internetbasierte Gesundheitsinterventionen werden künftig ein wichtiger Baustein in der Reha-Versorgung sein“, sagt der Psychologe Dr. David Daniel Ebert. Die Studien seines Team an der Leuphana Universität Lüneburg belegen seiner Ansicht nach, dass die Angebote vor allem jene ansprechen, die sonst unerreichbar wären: „Das sind Menschen mit einem dichten Alltag, die kaum andere Angebote annehmen können. Oft sind es mehrheitlich Frauen, meist um die 40 Jahre alt, in der Regel berufstätig und meist alleinerziehend.“

Als zentrale Anwendungsfelder sieht Ebert sowohl die Nachsorge als auch die Prävention. Online-Programme könnten beispielsweise auf einen stationären Aufenthalt vorbereiten, Wartezeiten überbrücken oder als Selbsthilfeprogramme frühzeitig unterstützen.

Vorbilder der Lüneburger Forscher sind die Gesundheitssysteme in Großbritannien, Holland und Australien, dort gehören solche Programme zur Regelversorgung. In Deutschland dagegen gilt das Fernbehandlungsverbot: Therapien dürfen nur zu Forschungszwecken online erfolgen. Das wollen die Lüneburger Wissenschaftler am liebsten verändert sehen.

Sie sagen, es sei längst belegt, dass internetbasierte Interventionen wirksam seien, psychisch belasteten Patienten frühzeitig helfen und Versorgungslücken schließen können. Wer Interesse hat, kann sich für das nächste Get.ON – Gesundheitstraining online vormerken.

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